Die Revolution von 1848/49

 

Die Nachrichten von der Pariser Februarrevolution trieben in den ersten Märztagen auch die Bürger in den süd- und mitteldeutschen Staaten zur Empörung. Auf dem Land erhoben sich die Bauern gegen die Feudalherren. Die Fürsten konnten sich auf ihre Beamten und Soldaten nicht mehr verlassen, sie bewilligten die sogenannten "Märzforderungen": Pressefreiheit, Bürgerwehr und deutsches Parlament. Am 13. März siegte die Revolution in Wien und Metternich mußte fliehen. Am 18. März fiel die Entscheidung in Berlin und König Friedrich Wilhelm IV. bewilligte endlich die Märzforderungen.

Die Märzrevolution in Hessen endete damit, dass Bürgerdeputationen aus dem ganzen Land, aus Kassel, Marburg und Hanau, dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. gemeinsam am 5. März 1848 ihre Forderungen überbrachten. Angesichts dieser großen Bürgermenge vor dem Schloß bewilligte er diese, allerdings nur sehr vage. Am 9. März formulierte dann die Hanauer Volkskommission die Adresse in der Form eines Ultimatums. Daraufhin machte der Kurfürst nur zwei Tage später weitgehende Zusagen. So war der Weg für ein ganzes Bündel längst überfälliger Reformdekrete frei. Bis zum Herbst 1848 wurden im Kurfürstentum Hessen-Kassel nahezu fünfzig Reformgesetze verabschiedet.

März-Unruhen in Berlin

Nach den März-Unruhen wurde am 18. Mai 1848 die Ende April gewählte Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche eröffnet. Noch gab es keine Parteien im modernen Sinn. Erst in den dort folgenden Debatten entwickelten sich parteienähnliche Gruppierungen, wobei die liberale Mitte die Mehrheit bildete. Die Politik der Nationalversammlung wurde von Anfang an durch eine starke Bereitschaft zu Kompromissen mit den Regierungen der verschiedenen deutschen Staaten gekennzeichnet.

Die Nationalversammlung hatte zwei Aufgaben: eine nationale Verfassung und einen zentrale Regierungsgewalt zu schaffen. Schon Anfang Juni 1848 beschäftigte man sich mit der Frage einer Reichsexekutive und setzte in eigener Vollmacht eine provisorische Reichsregierung ein. Es gelang der Nationalversammlung aber nicht der Zentralgewalt Macht und Autorität zu verleihen, da sie über keinen Beamtenapparat und kein Heer verfügte; ein Teil der deutschen Monarchen lehnte es ab, ihre Truppen dem Reichsverweser Erzherzog Johann huldigen zu lassen.

Zwischen Juni und September 1848 wurden vor allem die "Grundrechte des deutschen Volkes" zu einem leidenschaftlich diskutierten Thema der Parlamentsdebatten, welche dann endlich am 27. Dezember 1848 verabschiedet werden konnten. Während die Abgeordneten zur Beratung der Reichsverfassung übergingen, kam es im Spätsommer 1848 zur entscheidenden Krise der Nationalversammlung. Die Ohnmacht der Zentralregierung offenbarte sich dann bei derschleswig-holsteinischen Frage. Der Deutsche Bund und die Nationalversammlung mit preußischen Truppen kamen einer nationaldeutschen Erhebung in Schleswig, das von Dänemark annektiert zu werden drohte, zu Hilfe. Preussen gab aber schließlich im Waffenstillstand von Malmø dem russischen und englischen Druck nach. Die Bundestruppen wurden zurückgezogen. Die Nationalversammlung sah sich nun gezwungen die Waffenstillstand zu akzeptieren, obwohl sie diesen zunächst abgelehnt hatte. Für eine eigene Politik fehlte ihr jede reale Macht.

Am 21. September 1848 ruft Struve in Lörrach die "deutsche soziale Republik" aus. Diese Erhebung scheiterte aber ebenso, wie die Heckers vom April 1848. In Frankfurt wurde nun die Nationalversammlung von einem Aufstand bedroht und kann sich nur mit Hilfe österreichischer und preussischer Truppen retten.

Die Nationalversammlung bietet König Friedrich Wilhelm die Wahl zum deutschen Kaiser an

Im September 1848 begann in der Paulskirche die Arbeit an der deutschen Verfassung. Der preussische König Wilhelm IV. lehnte am 5. April 1849 die ihm von der Nationalversammlung angebotene Wahl zu deutschen Kaiser ab. Im Frühjahr 1849 kam es aber erneut zu Aufständen mit dem Ziel, die Reichverfassung durch Druck von unten durchzusetzen. Diese Erhebungen wurden jedoch teilweise blutig neidergeschlagen. Ein großer Teil der Liberalen verließ die Nationalversammlung, die nun von den republikanischen Linken beherrscht wurde und in Stuttgart weitertagte. Diese wurde schließlich von württembergischem Militär auseinandergejagt. Damit war das Werk der Paulskirche gescheitert. Die Märzerrungenschaften wurden in allen deutschen Staaten mit Hilfe des wiedereingesetzten deutschen Bundes rückgängig gemacht, wobei auch die Grundrechte bis 1851 fast überall beseitigt wurden.

Auch in Grebenstein gab es im April 1848 Ausschreitungen und Unruhen im Zusammenhang mit der "Revolution".

-- wird fortgesetzt --