Fünf Glocken hatten bis zum 14. September 1586 ihr Geläut vom Kirchturm erschallen lassen. An jenem schicksalhaften Tag ist der Kirchturm abgebrannt. Davon erzählt uns noch die Inschrift in der im selben Jahr gegossenen Glocke. Die kleine Glocke ist im Ton dis gestimmt und wurde später nur zum Anschlag der Viertelstunden verwendet. Ihr Durchmesser beträgt 67 cm und ihre Höhe 72 cm. Die Inschrift auf ihr lautet:

"WER GODT GETRAWET DER HAT WOLGEBAWET: ANNO CHRISTI 1586 IN DIESZEM LOEFENDE JAR DEN 14. SEPTEMBRI NACHMITDAG UMME II UHRE IST DER KIRCHTORNE DURCH VERSEUMUNG DES THORNHOETERS ANGESTOCHEN UNDT DAS HOLT WERCK SAMPT DEN KLOCKEN GANSZ ZHO NICHT GEWORDEN. DER KLOCKEN IST 5 GEWESEN, DER 2 VERSZWLTEN WEINIGER DRIDTEN HALF Z  TZINTE DA BIN ICH VAN GEGOSS: DURCH JOACHIM KOELS

Im Jahr 1703 bittet Bürgermeister Deichmann die landgräfliche Regierung um die Genehmigung des Verkaufs einiger Grundstücke. Von diesem Erlös soll eine neue Glocke, die "große Glocke", angeschafft werden. Sie ist nach den Kämmereirechnungen zu urteilen wohl vor 1719 gegossen worden. Am 29. März 1722 werden für eine neue Rolle und eine neue eiserne Pfanne an der großen Glocke 23. fl. 10 alb. 6 hlr. bezahlt. Der Rat bestimmte 1719, daß beim Trauerläuten der Glocke jeweils 4 Albus an die Stadt gezahlt werden müssen. Dagegen lehnte sich die Bevölkerung aber auf, weil "unter dem Vorgeben, daß Gemeinebürgerschaft sich deßwegen nicht dazu erklären wolte, weilen ehemal bey wiedergießung der glocken in der Bürgerschaft eine collecte gesamelt".

Die Glocke hatte einen Durchmesser von 160 cm und eine Höhe von 144 cm sowie ein Gewicht von 1100 Kg. Wegen ihres großen Gewichts mußte der Guß bzw. Umguß 1743 am Ort stattfinden. Da man aber schonmal dabei war hat man gleichzeitig auch den Umguß der zweitgrößten Glocke vorgenommen, was insgesamt 3 Monate dauerte. Die Kosten beliefen sich für beide Glocken auf 543 Rtl. 24 Alb. 5 Hlr., was eine riesige Summe war. Ein Bürgermeister hatte damals ein Jahresgehalt von 32 Reichstaler. Die große Glocke zersprang im November 1922. Die große Glocke erhielt die Inschrift:

ANNO DOMINI MDCCXXXXIII MENSES SEPTEMBRI D.D. JOH. HENRICH VILMARO PASTORE JOH. HENRICH KOCH DIACONATUS JOH. BENJAMINO LIMBERGERO QUÆSTORIATUS JOH. DANIELE KERSTINGIO PRÆTORATUS JOH. NEUZENO CONSULATUS DID. IDEN PROCONSULATUS JOH. HENR. DEICHMANNO ACTURIATUS OFFICIIS FUGENTIBUS HÆC CAMPANA CONFLA ET FUERUNT LEOPOLDUS WEIDMANNUS PRÆPOSITUS CIVITATIS JOH. CHRIST. KANGISERUS CAMERARIUS GREGORIUS KRIGERUS ÆDILIS ARTIF. JOH. FRIDERICUS KUTSCHBACHUS D. NAUMBURGENSIS

die Große Glocke

Laut dem Ratsbeschluß vom 5. Februar 1773 ist "für das Läuten der Großen Glocke, so mit vielen Kosten wieder in den Stand gesetzt worden, bey Leich Begräbnüßen" ein Riechstaler zu zahlen. Die Anordnung mußte 1787 nochmals wiederholt werden, da die Gemeindemitglieder wohl nicht mit dieser Regelung einverstanden waren.

1794 wird vom Hof-Stückgießer Henschel in Kassel eine 1729 gegossene, wohl aber nicht so recht geratene Glocke umgegossen, da aus ihr 1793 ein Stück herausgesprungen war. Henschel stellt aus ihr eine 875 Kg schwere, auf den Ton a gestimmte Glocke mit einem Durchmesser von 117 cm und einer Höhe von 109 cm her. Die Stadt zahlt dafür den stolzen Preis von 417 Reichstalern. Auf ihr stand die Inschrift:

ANNO DOMINI 1794 MENSES MAI HAEC CAMPANA SUB PASTOTATE D.D.O. GIESLER ET D. DEICHMANN CONSULAT. H.W. BECKER ET J.CH. MELCHER ACTUARIATUA PH. BOCKWITZ AD DEI BLORIAM CASSELIS G.C.C. HENSCHEL CONFLATA EST SENATORES ERANT: P. BREUL D. KANGIESSER SIMUL CAMERARIUS F. LENEBACH ET J.W. SCHOTTEN SIMUL ÆDILIS JOH. SCHINDEWOLF PRÆPOSITUS CIVITATIS GREBENSTEIN

übersetzt:

"Im Jahre des Herrn Monats Mai ist diese Glocke unter dem Pastorat D.D.O. Giesler und W. Deichmann, den Bürgermeistern H.W. Becker und J. Chr. Melcher, dem Stadtaktuar Ph. Bockwitz zu Gottes Ehre in Kassel von G.C.C. Henschel gegossen. Senatoren waren P. Breul, D. Kangiesser Stdtkämmerer, F. Lenebach und J.W. Schotten Stadtbauherren, Joh. Schindewolf Gemeindebürgermeister Grebenstein"

Die Glocke ist 1917 zu Kriegzwecken abgeleifert worden und wurde eingeschmolzen.

Ob die im Inventar von 1779 an zweiter Stelle genannte Bürgerglocke ungeschädigt bis 1874 geblieben ist und nicht durch eine andere ersetzt wurde, wissen wir nicht. In diesem Jahre ist eine neue Glocke von Gebr. Ulrich in Apolda gegossen worden. Sie hatte einen Durchmesser von 124 cm und eine Höhe von 115 cm. Sie hat die Inschriften "Soli Deo Gloria" und "Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit". Der untere Mantel hatte einen Kranz von schrägliegenden Eichenblättern in einer Breite von 12 cm als Verzierung getragen. Die Glocke mit dem Ton e ist wie ihre Schwesterglocke 1917 zu Kriegszwecken abgeliefert worden.

1922 beschaffte die Stadt drei neue Stahlglocken, deren harmonisches Geläut seitdem die Stadt beschallen.