Ein Personenkreis, der bei Darstellungen der Geschichte kleiner Städte fast immer vernachlässigt wird, ist der des Heilers und Apothekers. Tragen diese doch eigentlich zur Gesundheit des ganzen Städchens bei und helfen Epidemien und die Krankheiten des Alltags zu lindern oder zu vermeiden, sind also somit für die Leistungsfähigkeit einer Kommune verantwortlich.

Die einzelnen Heilberufe lassen sich nicht immer klar trennen und deshalb folgt hier nun eine Abhandlung über deren Tätigkeiten im einzelnen.

Ladenstraße in einer mittelalterlichen Stadt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts

Die obige Darstellung zeigt den Markt einer Stadt im 15. Jahrhundert. Vorn rechts der Apotheker mit seinen Töpfen und Mörsern in den Regalen und im Hintergrund der Laden des Baders, der an den aufgehängten Becken zu erkennen ist. Die Abbildung ist der Handschrift "Le Gouvernement des Princes", enstanden Mitte des 15. Jahrhunderts, entnommen.

Der Bader

Die Tätigkeiten der Bader und Barbiere sind einander recht ähnlich. Deshalb versuchen letztere oft erfolgreich, die Bader auf ihre Badestuben zu beschränken. Dabei kommt ihnen der meist schlechte Ruf der Bader zu Hilfe, die häufig als unehrlich gelten. Das liegt wohl auch daran, daß viele Badestuben offenbar als Bordelle dienen. Bader sind vor allem in den Städten und Heilbädern zu finden. In ihren Badestuben bieten sie Schwitz- und Wannenbäder an, außerdem Haareschneiden, Bartscheren und Wundbehandlung. Sie entziehgen Blut durch Aderlaß, Schröpfen und das Setzen von Blutegeln. Verstopfungen werden mit Einläufen, Haut- und Gelenkkrankheiten mit Schwitzbädern behandelt. Der Bader hält auch Medikamente gegen viele andere Erkrankungen bereit, die entweder im Dunstbad als Dampf oder als Zusatz im Wannenbad verabreicht werden. Die früheste Erwähnung eines Baders oder Bartscherers ist die im Salbuch von 1455. Dort heißt es bei den Abgaben des Gartenzinses: "Hildebrandt der Scherer 2 Schillinge".

die Bader in Grebenstein

  1. Hildebrandt, der Scherer. Er wird mit Abgaben für Gartenzins im Salbuch von 1455 genannt (s.o.).
  2. Badgesell Claus (+Grebenstein 10. Oktober 1626). Kurz darauf stirbt auch seine Frau, "die alte Baderin" (+Grebenstein 28. Oktober 1626).
  3. Niclos Tornemann "der Badstuber" (*um 1570, +nach 1628). Er hat 1628 zu den Kriegslasten 35 Taler zu zahlen.
  4. Kaspar Tenck (+Grebenstein 29. Dezember 1649). Er stirbt wenige Tage nach seiner Frau.
  5. Johannes Watterodt (*Großenbroden um 1629, +Grebenstein 5. Februar 1672). Er taucht in der Zeit von 1654 bis 1672 mal als "Badstüber" und mal als "chirurgus" in Grebenstein auf. Ihm folgen im Beruf drei Söhne nach. Der eine, Johann Georg geht als "Bader und Balbier" 1687 nach Witzenhausen, der andere, Johannes ist "Feldscher" und dann noch Johann Daniel, der ihm in Grebenstein nachfolgt.
  6. Johann Daniel Watterodt (*Grebenstein 7. September 1656, +Grebenstein nach 1704). Auch er nennt sich "Badstüber und Chirurg". Er ist mindestens von 1683 bis 1704 tätig. Auch ihm folgt ein Sohn nach.
  7. Johann George Watterodt (*Grebenstein 24. April 1685, +Grebenstein 13. Juni 1747). Er ist ab etwa 1710 bis 1747 in Grebenstein tätig und nennt sich ebenfalls mal "Badstüber" und mal "Chirurgus". 1740 zahlt er für die Pacht der Badstube Steuern.
  8. Johann Wilhelm Dorffheiliger. Ist als "Bader und Chirurgy" von 1751 bis 1765 bezeugt. Seine Frau stirbt in Grebenstein. Anzunehmen ist, daß er dann fortzog, da er den Kirchenbüchern nicht mehr vermerkt ist.

 

Der Chirurg oder Wundarzt

Die Versorgung äußerer Wunden ist die Hauptbeschäftigung des Chirurgen. Außerdem behandelt er Abszesse, Tumore, Hämorrhoiden, Verbrennungen und Krampfadern. Er führt Starstiche, Blasenstein- und Bruchoperationen und Darmnähte durch, renkt Gelenke ein, versorgt Knochenbrüche und zieht Zähne. Dazu tritt die Durchführung von Amputationen und die Herstellung von Prothesen. Im Allgemeinen halten sich Wundärzte dort auf, wo sie am dringendsten benötigt werden, wie zum Beispiel im Gefolge einer Armee oder aber sie besitzen eine eigene Praxis in größeren Ansiedlungen, wo häufiger einmal Unfälle geschehen. In der Regel haben Wundärzte eine handwerkliche Ausbildung, d. h. eine Lehre, absolviert, was mit dazu beiträgt, daß an den Universitäten die Chirurgie nicht anerkannt, ja geradezu verpönt und als „Handwerk“ abgewertet wird.

Auch der Barbier betätigt sich als Chirurg, weshalb diese beiden Gruppen kaum zu unterscheiden sind. Allerdings ist der Barbier auch noch gleichzeitig als Friseur, Zahnarzt und Apotheker tätig. Es gibt sowohl stadtansässige als auch wandernde Barbiere, welche die Landbevölkerung versorgen. Ihre Stellung in der Gesellschaft ist zwiespältig: Teilweise werden sie als Quacksalber verachtet und in die Nähe der Bader und Bordellbesitzer gerückt, teils können sie es zu Ansehen und beträchtlichem Wohlstand bringen. Zwar sind die Barbiere vornehmlich für Aderlaß und Haareschneiden zuständig, übernehmen aber auch die sogenannte „Kleine Chirurgie“, sie kümmern sich also um Knochenbrüche, Verrenkungen, frische Wunden, Zahnschmerzen und allgemeine innere Erkrankungen. Zudem kennt sich ein Barbier noch besonders mit Medikamenten aus, die zur Behandlung der oben genannten Verletzungen verwendet wurden.

der Chirurg, Wundarzt und Feldscher in Grebenstein

  1. Bonefant, der Jude. Er wird im Jahr 1345 in der Zeugenliste eines Urfehdebriefs genannt als "eyn artzete".
  2. Jacob von Graue (*um 1545, +Grebenstein vor 1628). Er ist 1569 als Hausbesitzer genannt. Verkauft 1572 Land. 1607 wird er als "Meister Jacob - Feldscher" in der Kompanie unter Oberst Asmus von Baumbach genannt.
  3. Dr. Angelocratoris (+Grebenstein vor 1704). Über ihn ist nicht näheres bekannt.
  4. Franz Henrich Königer, Landchirurg von 1715 bis 1734
  5. Johann Konrad Koch, Landchirurg von 1736 bis 1751
  6. Franz Ludowig Quentin (*um 1690, +Grebenstein 7. Januar 1746). Seit 1721 bis 1746 als Chirurg tätig und immer mit "Herr" tituliert.
  7. N.N. Wengenhausen. Wird 1742 als Feldscher bei "Ihro Durchlaucht Prince Frieterich Regiment" erwähnt.
  8. N.N. Schneider. Er wird 1750 und 1751 als "Chirurgus" in Grebenstein erwähnt.
  9. Conrad Philipp Sandhagen (*Schauenburg-Hoof um 1725, +Grebenstein 13. Mai 1782). Er kommt 1754 als Feldscher mit dem Groß-Ysenburgischen-Regiment nach Grebenstein und ist von 1755 bis 1782 Stadt-Chirurg.
  10. Johann Henrich Ungar, Landchirurg von 1764 bis 1770
  11. Johann Christian Junghenn. Er war zwischen 1764 und 1766 Feldscher im Infanterie-Regiment von Gräffendorff.
  12. Georg David Lange. Er war 1766 Compagnie Feldscher bei den Gens d'Armes.
  13. N.N. Waldmann, Landchirurg von 1768 bis 1803
  14. Justus Friedrich Range (*Haina 1760, +Grebenstein 30. Juni 1800). 1778 bis 1785 Chirurg beim in Grebenstein liegenden Cheveaux-Legérs-Regiment. Von 1785 bis 1800 als Chirurg tätig.
  15. Johann Anton Schomburg. Er war in Grebenstein Landphysikus und Doktor der Medizin. Praktizierte hier von 1786 bis 1792 wo er mit seiner Familie nach Bad Karlshafen versetzt wurde. Sehr bekannt wurde sein Sohn Karl Schomburg, geboren in Grebenstein, der erster Oberbürgermeister Kassels wurde.
  16. Johann Adam Bechtel (*Niederaula 1770, +Grebenstein 1807). Er kommt als Feldscher mit dem Husarenregiment nach Grebenstein. Wirkt hier von 1796 bis 1807.
  17. Justus Henrich Starckloff (*Grebenstein 24. September 1811). Er kommt als Feldscher nach Grebenstein und wirkt 1797 bis 1806 im Husarenregiment. Später tätig als "Chirurg" von 1806 bis 1811. Auch sein Sohn ist Chirurg.
  18. Carl Wilhelm Starckloff (*um 1770, +nach 1806). Er dient von 1791 bis 1806 als Escadrons-Chirurg im in Grebenstein liegenden Husarenregiment.
  19. August Heinrich Kampfmüller, Amtschirurg 1803
  20. Johannes Möller. Er wird 1809 als "Cantonsarzt" in Grebenstein genannt.

 

Der Medicus

Die studierten Ärzte der Fakultäten sehen gerade wegen der praktischen Tätigkeit der anderen Ärztestände mit Verachtung auf den Chirurgen und noch mehr auf die anderen Heilkundigen herab. Dazu kommt noch eine gehörige Portion Neid, machen doch gerade die Chirurgen den Universitätsärzten schärfste Konkurrenz. Kein Wunder, denn diese bilden nur eine kleine Minderheit, auch wenn sie materiell und gesellschaftlich die Spitzenpositionen einnehmen. Zudem praktizieren sie, wenn überhaupt, vor allem in gesicherter und angesehener Stellung an den Höfen oder in reichen Bürgerhäusern. Schon deshalb und wegen der hohen Honorare bekommt der Großteil der Bevölkerung einen solchen Arzt bestenfalls von weitem zu Gesicht. Für ihre medizinische Versorgung sind die Wundärzte, Bader, Barbiere usw. zuständig.

 

Der Apotheker

Apotheken haben in Europa eine altehrwürdige Tradition. Bereits 1231 ließ der Hohenstaufenkaiser Friedrich II. die Grundzüge einer Medizinalordnung, die die Trennung der Berufe von Arzt und Apotheker vorsah.


War bis dahin die Apotheke mehr ein Materiallager mit Heilkräutern, Mineralien und tierischen Heilmitteln, und der Apotheker mehr ein Lagerverwalter, so wandelte sich der Beruf im Mittelalter zu dem eines handwerkenden Krämers, der die pflanzlichen und tierischen Rohstoffe und Mineralien verarbeitete und neben Medizinen auch Zuckerwerk, Schokolade und Marzipan oder Tinten, Schmierfette und Pomade herstellte. Im 17.Jahrhundert erfolgte die Lösung vom Handwerk und die Wandlung zu einem akademischen Beruf, der neben einer Lehrzeit auch ein Studium erforderte.


Da die meisten der großen griechischen Geister vom kleinasiatischen Küstengebiet stammten, ist auch anzunehmen, dass sie um die persische Heilpflanzenkunde gewusst haben, denn bereits 700 v. Chr. gab es einen berühmten Arzneipflanzengarten in Babylon. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass das erste wissenschaftlich aufgebaute Sanatorium das Heiligtum des Äskulap in Kos war, jener schönen Insel, die unmittelbar vor Kleinasiens Küste gelegen ist. Der geistige Vater dieser Einrichtung ist kein geringerer als Hippokrates (460-370 v. Chr.), der Vater der wissenschaftlichen Medizin. Erstmals wurde hier der Versuch unternommen, aus empirischen Kenntnissen und analytischen Gedanken eine Symbiose herzustellen, so dass die Medizin zu einer Wissenschaft wurde, in der geistige Überlegungen und praktische Erfahrungen sich zum Nutzen des Patienten verbinden. Zur Zeit des Hippokrates wurden bereits 230 Heilpflanzen beschrieben und auch festgestellt, dass Pflanzen aus den Bergen bessere Wirkstoffe enthalten als die aus den Tälern. Ferner wurde verlangt, dass die einzelnen Kräuter auf Richtigkeit untersucht und in besonderen Lagerräumen aufbewahrt werden. Diese besonderen Räume zur Aufbewahrung der Heilmittel hießen Lagerräume, auf griechisch "Apotheke". Zum ersten Mal also tauchte in Kos der Begriff "Apotheke" auf. Und noch etwas war entscheidend. Hippokrates trennte streng zwischen den seelischen Betreuern, also den Priestern, den praktischen Ärzten, und den Arzneimittelherstellern, den Apothekern. Priester und Ärzte dienten zwar in gleicher Weise dem Patienten, doch war ihre Aufgabe und Ausbildung ab jetzt getrennt.

die Löwen-Apotheke (Markt 3)

die Apotheke im Jahr 1914

unsere Apotheker

  1. Hennigk Clawes (+Grebenstein 8. September 1624). Er starb als "der Apoteker", wahrscheinlich an der Pest (der 'roten Ruhr'), die in den Jahren 1624-1626 in Grebenstein wütete.
  2. George Vilmar jun. (*Grebenstein 28 August 1616, +Kassel 4. April 1669). Er 1643 bis 1653 Apotheker in Kassel und 1644 Gildebruder der Hansegreben dort. Von 1653 bis 1663 war er Apotheker in Hofgeismar, von 1663 bis zu seinem Tod 1669 in Grebenstein.
  3. Johannes Maintz (Mentz) (*Kassel um 1636, +Grebenstein vor 1704). Er war hier Apotheker von 1682 bis kurz vor 1704. 1697 war er zudem Bürgermeister der Stadt Grebenstein. Ihm folgte sein Sohn nach.
  4. Johann Frantz Maintz (Mentz, Mönch) (*Grebenstein 22. September 1690, +Grebenstein 16. Dezember 1740). Er war Apotheker von 1714 bis 1740. Am 3. April 1714 erteilte Landgraf Carl ihm ein Privileg im Haus des Schmiedemeisters und Ratsherren Johannes Schotten am Markt (heute Markt 3) eine Apotheke zu errichten. Seither gibt es die Löwenapotheke. Sein Nachfolger wurde sein Schwiegersohn.
  5. Johann Meinolff Spangenberg (*ca. 1708, +Grebenstein 29. Juni 1759. Er war der Apotheker 1741 bis 1759 als Nachfolger seines Schwiegervaters. Ihm folgte sein Sohn nach.
  6. Johann Friedrich Spangenberg (*Grebenstein 21. Mai 1745, +Grebenstein 5. April 1776). Er ging noch bei seinem Vater in die Lehre und übernahm dann mit 17 Jahren die Apotheke, der er von 1762 bis 1776 vorstand. Er starb unverheiratet. Ihm folgte sein Schwager:
  7. Henrich Christian Pfeffer (*Anspach 1746, +Grebenstein 6. Oktober 1794). Er war Apotheker von 1776 bis 1794. Ihm folgte sein Sohn Jacob nach seiner Ausbildung nach.
  8. Carl Jacob Ottleben. Er ist nur einmal 1789 als Apotheker in Grebenstein erwähnt.
  9. Johann Jacob Pfeffer (*Grebenstein 23. Juni 1780, +Grebenstein 10. März 1841). Er leitete die Apotheke von ca. 1800 bis 1841. Er gab den Beruf an seinen Sohn Wilhelm weiter.
  10. Wilhelm Ludwig Pfeffer (*Grebenstein 1815, +Fischbeck). Er war Apotheker von 1842 bis 1871, wo er die Apotheke aufgab und nach Marburg zog.
  11. Wilhelm Friedrich Philipp Pfeffer (*Grebenstein 9. März 1845, +Leipzig 1922). Er begann 1860 seine Ausbildung zum Apotheker bei seinem Vater und absolvierte danach noch seine Gehilfenzeit (bis 1868) in der 'Löwenapotheke'.
  12. N.N. Augustin. Kaufte die Apotheke 1871 von Wilhelm Ludwig Pfeffer.