Es gab in der Stadt von Alters her ein städtisches Brauhaus, welches mit der Braugerechtsame, die die Stadt innehatte,  jährlich, alle 3 oder alle 6 Jahre neu verpachtet wurde.

das ehemalige städtische Brauhaus (abgerissen im Frühjahr 2003)

Schon 1570 werden die Brauer, die Bier in das Grebensteiner Hospital zu liefern hatten genannt. Es war dies Johannes Loer, Brix Kühnen und Hans Smed, die in diesem Jahr insgesamt 10 Faß Bier lieferten.

Im Jahre 1703 hat der damalige Stadtschreiber Johann Christoph Müller das Grundstück auf dem das Brauhaus steht gemeinsam mit seinem Wohnhaus versteuert. Dort heißt es: "No. hier ist der boden so das brauhaus auffstehet mitbegrieffen".

nota von 1703

Wieso dies so war kann ich nicht sagen. Indem das Brauhaus städtisches Eigentum war, war normalerweise nur die Pacht zu zahlen, nicht aber eine Steuer auf den "Grund und Boden". Allenfalls wurde nur die Fahrendhabe [=Summe aller beweglicher Güter=Mobilien] erhöht, da er wegen des Braurechtes höheres Einkommen hatte, wie dies bei Johannes Zufall der Fall gewesen ist. Seine Fahrendhabe wird im Jahr 1611 von 50 auf 100 Mark erhöht.

Eintrag aus dem Salbuch von 1600

Über die Aufnahme als Brauer in Grebenstein wird 1776 im Steuerkataster berichtet. Der angehende Brauer hat zur Unterhaltung des Brauhauses als seinen Anteil 1 Reichstaler pro Aufnahme zu zahlen. Ebenso wird zu seiner Unterhaltung von jedem Gebräu ein sogenanntes 'Pfannengeld' von 18 Albus erhoben.

Die Gewölbekeller

Das Brauhaus hatte zwei große Gewölbekeller, die jetzt durch den Abbruch des Brauhauses im Frühjahr 2003 für kurze Zeit zugänglich waren. Mein Cousin der Architekt Karl-Werner Botte hat den kompletten Abriss mit Fotos dokumentiert und mir daraus die folgenden Fotos zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Eingang zumersten. Keller (Foto von K.-W. Botte)  der erste Keller (Foto von K.-W. Botte)

Eingang zum zweiten Keller (Foto von K.-W. Botte)  der zweite Keller (Foto von K.-W. Botte)

Die Pächter des Brauhauses waren:

1611 - Johannes Zufall (Ratsherr)

1754 - Johannes Jäger (Braumeister)

1794 - Johann Justus Krüger (Braumeister und Wasserleiter)

1799 bis 1809 - George Schuchardt (Braumeister)

11. Februar 1817 bis 11. Februar 1823 - Henricus Schindehütte (Schmiedemeister).

Er hatte die Pacht mit einem Höchstgebot von 94 Reichtaler 16 Albus ersteigert.

11. Februar 1823 bis 1826 - Henrich Philipp Pfeiffer und Johann George Kramm.

Sie hatten die Pacht für 174 Reichstaler ersteigert. Sie bekamen zudem eine erweiterte Braugerechtsame für die Dörfer Udenhausen, Schachten, Calden, Burg- und Westuffeln sowie Meimbressen zugestanden.

1833 bis 11. Februar 1839 - Zacharias Jeppe (Müller).

Er ersteigerte die Pacht für jährlich 260 Reichstaler 8 Albus. Er forderte von Stadtrat, daß die Grebensteiner Gastwirt kein auswärtiges Bier mehr ausschenken dürften, da ihm allein die Braugerechtsame zustehe und die Wirte nur bei ihm einkaufen dürften. Er braute Weisbier und untergäriges Bier.

11. Februar 1839 bis 11. Februar 1844 - Wilhelm Gießler aus Kassel.

Er ersteigerte die Pacht für 177 Reichstaler und mußte eine Kaution von 400 Reichstalern hinterlegen, da er ein Auswärtiger war. Er strengte 1838/39 einen Streit vor der Regierung in Kassel an, da der Kaufmann und Essigfabrikant Wiesing aus Grebenstein eine Doppelbier-Brauerei gründen wollte. In der Braugerechtsame von 1815 ist der Stadt jedoch nur das Brauen von einfachem (gewöhnlichem) Bier erteilt. Sie hatte also keinen Einfluß auf die Vergabe der Braugerechtigkeit für Doppelbier. Ob Kaufmann Wiesing aber jemals Bier gebraut hat ist aus den Akten nicht ersichtlich.

1. Februar 1844 bis um 1849 - Henrich Jeppe und Johann Christoph Wagner (Conductor).

1849 bis 1. Februar 1855 - Georg Osterberg (Bierbrauer aus Hombressen) und Heinrich Reichardt (aus Meimbressen).

Sie ersteigerten die Pacht für jährlich 80 Reichstaler.

1. Februar 1855 bis nach 1880 - Friedrich Raacke.

Er ersteigerte die Pacht für 3 Jahre für 145 Reichstaler und suchte am 3. März1858 um einen 3jährige Verlängerung nach, die ihm auch gegen jährlich 50 Reichstaler gewährt wurde. Eine nochmalige 3jährige Verlängerung erfolgte mit Genehmigung von 30. Juli 1861.

vor 1920 - Niederlage der Brauerei A. Kropf, Kassel.

Nachdem wohl um die Wende des 19./20. Jahrhunderts mit dem Brauen von Bier im städtischen Brauhaus aufgehört wurde übernahm die Brauerei Kropf in Kassel die Belieferung der Grebensteiner Gastwirtschaften mit Bier.

Aber das ehemalige städtische Brauhaus steht immer noch. Es ist zuletzt als Getreide-Kontor der Familie Rödding benutzt worden und steht jetzt leer. Es ist heute das Haus Bahnhofstraße 11 (ehemals Nr. 43)

Die zweite Brauerei Grebensteins wurde die von Friedrich Jeppe, der beim Stadtrat am 8. Juli 1861 einen Antrag 'zur Anlage einer Brauerei' stellte. Wann allerdings die Brauerei eröffnet wurde ist nicht genau bekannt. Der Gebäudekomplex steht heute noch und ist in der Oberen Schnurstraße 26 (ehemals Nr. 74) zu finden.

Im Steuerkataster von 1880/81 wurde der komplette Gebäudekomplex neu taxiert, da einige Gebäude hinzugekommen waren. Neu waren eine Scheune und der Bierkeller. Die anderen Gebäudeteile waren das Wohnhaus mit Hofraum, ein weiteres Stallgebäude, ein Zwischenbau (später Schweinestall), die eigentliche Bierbrauerei mit Gärkeller, weitere Stallungsgebäude und die Scheune. Die Stallungen und die Scheune waren von der Steuer befreit, die restlichen Gebäude hatten einen Nutzungswert von 514 Mark.

Brauerei F. Jeppe von 1913

Im Jahre 1902 ließ Besitzer Friedrich Wilhelm Jeppe noch eine Flaschenspülanlage einbauen, bevor er den Bierverlag und die Gaststätte 1903 an Friedrich Werner verpachtete.

Auf dem obigen Foto ist der erste Pächter Friedrich Werner zu erkennen. Dieser belieferte die Grebensteiner Wirte und die umliegenden Dörfer mit seinem Pferdekarren voll Bier.

Die Brauerei wurde in den 1920er Jahren eine Niederlage der Herkules-Brauerei in Kassel, die eine Tochterfirma der dortigen Brauerei A. Kropf war.

Der spätere Besitzer Emil Kramm war, wie die Vorbesitzer, hauptsächlich Landwirt und nutzte die bestehenden Gebäude entsprechend. 1996 kaufte Herr Reinhard Brandt das Areal und begann die einzelnen Gebäudeteile zu renovieren. Heute stehen die Remisen-Gebäude noch leer und werden als Garagen genutzt und der Schweinestall und die große Scheune sind zu schönen Wohnhäusern ausgebaut. Der große Innenhof ist wieder neu mit altem Straßenpflaster versehen worden. Von den Brauereianlagen ist noch der Braukeller erhalten. Herr Brandt spielt mit der Idee hier bald wieder im kleinen Maßstabe Bier zu brauen.