Die Unterstadt ist mit weit weniger Türmen versehen worden als die Oberstadt. Hier erwachsen bei der Stadtsicherung besondere Schwierigkeiten, die sich aus der Lage im Essetal ergeben. Sowohl Esse-Einfluß, wie der -Ausfluß werden zwar durch den ganz nahe gelegenen Schinderturm gedeckt, doch das genügte damals wohl nicht. Auf dem großen Mauerbogen über der Esse errichtete man deshalb einen niedrigen, länglich-rechteckigen Turmbau, der heute "das Dreimännchen" genannt wird.

Es hatte 1779 statt eines Daches ein Gewölbe mit Spundloch, woran aber der Bord der Brustwehr sehr verfallen war. An demselben war unten auf der Erde einen Öffnung aus Quadersteinen, woran zwar noch eine eingegossene Türangel und Krampen, aber keine Tür mehr war. Über dieser offenen Tür stand eine Menschenfigur, deren Kopf unterwärts, die Beine aber oberwärts gekehrt waren mit einem über deren Hals quer hingehendes Schwert in Stein gehauen. Die Sage erzählt, daß in diesem Turm vor alten Zeiten ein Gericht gewesen ist, die Jungfer genannt, worüber aber keine schriftlichen Überlieferungen zu finden sind. Hinter der offenen Tür, die heute mit einem Gitter verschlossen ist, geht zur Linken ein schmaler dunkler Gang hinunter zu einem viereckigen Loch am Wasser, woran keine Lucke ist, die Spuren einer solchen aber wahrzunehmen sind. Über dem Bogen ist ein Gefängnis, dessen obere Decke gewölbt, im boden aber ein Spundloch ist, durch welches man auf das Wasser der Esse schaut. Zur Rechten über der untersten Tür geht eine hohe steinerne Treppe hinauf zum obersten Teil des Turms, welcher zwei türenartige Öffnungen hat, die auf die Stadtmauer führen.

Leider läßt der heutige Bauzustand nicht mehr sehr viel von alledem erkennen. Das Dreimännchen wurde gesichert und war früher auch für uns Kinder ein toller Spielplatz.

Nach der Außenseite hin sind an den Seitenmauern noch die Überreste von steinernen Angeln sichtbar, in denen sich früher eiserne Gittertore drehten, die den Zugang zur Stadt sperrten. Die Angeln sind an drei hintereinandergelegenen Stellen eingemauert, was auf mehrere Sperrgitter hindeutet, die vom erwähnten Spundloch über dem Wasser mit Hilfe einer Drehvorrichtung geschlossen wurden. Wenn diese Annahme stimmt, ergäbe das die Möglichkeit, den Namen "Dreimännchen" zu erklären, indem man das in der früheren niederdeutschen Grebensteiner Mundart vorhandene Wort "dreihen" mit dem hochdeutschen "drehen" gleichsetzt. Vielleicht ist der Name aber auch in Hinblick auf die umgekehrte-umgedrehte Menschenfigur zu sehen, also vom umgedrehten Männchen.