Nach den Kämpfen und Belagerungen Grebensteins im 7jährigen Krieg wurde von Landgraf Friedrich II. beschlossen unter anderem in Grebenstein Soldaten in Garnison zu legen.

Die ersten Regimenter, die in Grebenstein lagen waren zuerst Infanterie Regimenter. Diese sind uns, leider nur fragmentarisch, ab dem Ende des 17. Jahrhunderts bekannt. Diese Regimenter sind in einer Liste separat aufgeführt. Die Reiterregimenter nahmen erst mit der Gründung des Chevaux-Legérs-Regiments durch Landgraf Friedrich II. Einzug in Grebenstein. 1778 nahm die Stadt diese Regiment auf.

Natürlich mußte nun auch das Umfeld geschaffen werden, um ein Regiment zu trainieren. 1782 wurde der damalige Kirchhof ohne vorherige Absprache mit dem Pfarrer als Reitbahn entfremdet. Eine Beschwerde des Pfarrers beim Landgrafen stieß jedoch auf taube Ohren. Dieses Regiment wurde jedoch schon am 1. Dezember 1785 wieder aufgelöst und dem Leibdragoner Regiment einverleibt. In den Jahren 1786 und 1787 lagen keine Regimenter in Grebenstein.

1798 wurde der Bau eines Reithauses für die landgräfliche Cavallerie, an der heutigen Friedrichsthaler Straße, begonnen. Es war ursprünglich geplant vorhandene Scheunen für die Reiterei nutzbar zu machen, doch diese erwiesen sich alle als viel zu klein. Es waren verschiedene Standorte vorgemerkt. Man entschied sich am Ende für das Gelände direkt an der Stadtmauer vor dem Kasseler Tor. Es wurde ein Wohnhaus, eine Fourage und drei Montierungskammer für das Leib-Husaren Regiment (Leib-Escadron) gebaut.

Verpflegt wurden die Husaren in den beiden Speisesälen im Rathaus, wo sich im Erdgeschoß ebenfalls die Wachstube befand. Die Husaren stellten in Grebenstein eine ständige Wache von einem Unteroffizier, einem Carabinier und 6 Gemeinen, die mit Gewehren am Geismarer Tor Posten standen.

1848 gab es in Grebenstein, eine Reithalle, ein Lazarett, das sich am Schachter Tor befand, und zwei Kasinos (ein in der Hochzeitsstraße im heutigen Haus "Windemuth" und eins im Anbau der früheren Renterei in der Hofgeismarer Straße) für die Husaren. Die Reitbahn war die "Gänsewiese" vor dem Schachter Tor. Neben der Reithalle gab es auch eine Militär-Reitschule, die ebenfalls in den Gebäuden der Reithalle residierte. Die Husaren waren durch die Jahre hindurch zu einer Institution geworden, auf die die Wirtschaft Grebensteins nicht mehr verzichten konnte. Es wurden ab 1847 sogar in den Wirtshäuser Billardtische aufgestellt. 1852 lebten bei einer Gesamtbevölkerung von 2527 Personen allein 201 Soldaten und 17 Soldatenfamilien in Grebenstein, was mehr als 8% entspricht.

Diese lebten nicht in einer Garnison im üblichen Sinne, daß sie in einer Kaserne untergebracht wurden, nein, sie lebten in Bürgerquartieren. Das heißt, daß die Soldaten bei den Familien Grebensteins in einer Art Untermiete wohnten und für Kost und Logis zu zahlen hatten. Diese Beträge wurden von den Regimentern an die Bürger monatlich gezahlt. Am Beispiel des Dragoners (später Husaren)Husaren Johann George Herdt (mein Ur-Ur-Urgroßvater) möchte ich dies einmal erläutern. Mein Urgroßvater ging am 9. September 1794 dem Regiment der Prinz-Friedrich Dragoner zu und gehörte dem Regiment, das 1791 im Leibdragoner Regiment aufging, bis zu seiner Auflösung am 1. November 1806 an. Er wohnte in einem Bürgerquartier, wie es in Grebenstein üblich war, da es keine Kaserne gab. Er wohnte bei Conrad Wagner's Witwe und zahlte 1804 für Logis:

                    im Januar: 6 Albus, 8 Heller f. 1/2 Monat ohne Pferd

                    im Februar: 13 Albus, 4 Heller f. 1/2 Monat mit Pferd

                    im März: 26 Albus, 8 Heller f. 1 ganzen Monat mit Pferd

Danach wohnte er zur regulär zur Miete und zahlte für die Monate April bis Dezember 1804 und Januar bis März 1805 jeden Monat 26 Albus, 8 Heller mit Pferd. Danach ändert sich seine Situation. Er hatte sich mit der Tochter des Hauses verheiratet und zahlte nun für 1 1/2 Personen 1 Reichstaler, 4 Heller an seine Schwiegermutter. Ab Juli 1805 änderte sich die Situation nochmals, denn ein Kind kam hinzu. Er zahlt nun für 1 3/4 Personen monatlich 1 Reichtaler, 4 Albus, 8 Heller monatlich. Jeder Vermieter war stolz darauf einen Husar als Mieter zu haben und achtete auch darauf, daß dieser immer pünktlich zu erschien.

Auch sein ältester Sohn Conrad Herdt folgte ihm als Husar nach und stand 1835 als Dragoner im Leibdragoner Regiment in Grebenstein. Vater wie auch Sohn ergriffen nach ihrer Militärzeit den zivilen Beruf des Leinewebers. Der Vater war sogar Meister des Handwerks.

Viele Husaren und Dragoner heirateten Bürgertöchter und gründeten Familien in Grebenstein. Sie gingen nach ihrer Militärzeit meist zivilen Berufen nach. 

Auch waren die in Garnison liegenden Husaren meist Mitglieder in der Schützengesellschaft (oft Ehrenmitglieder). Husaren wurden sogar in den Vorstand gewählt, so geschehen am 15. Mai 1865 der Fahnenschmied Conrad Träger (der eine Einheimische zur Frau genommen hatte) und der Trompeter Justus Braun.

1866 wurde das Kurfürstentum Hessen-Kassel von Preussen annektiert und dem Königreich Preussen einverleibt. Der Kurfürst Wilhelm wurde als Kriegsgefangener nach Stettin gebracht. Im November 1866 wurden dann die hessischen Regimenter durch die preussische Regierung neu gegliedert. Grebenstein blieb aber weiterhin (bis 1870) Garnison. Nach Ende des Deutsch-Französchen Krieges von 1870/71 kamen die Husaren nicht wieder nach Grebenstein zurück, sondern wurde nach Rotenburg an der Fulda verlegt.

Die letzte Etappe der Husarenregimenter kam mit dem 1. Weltkrieg. 1918 wurde das 9. Husaren Regiment nach Grebenstein verlegt. Das Regiment lag bei Ende des Krieges im Elsaß und kam von dort nach Grebenstein zurück. Es wurde später ausgelöst und dem Reiter Regiment 16 eingegliedert.

Anläßlich der 600Jahrfeier der Stadt Grebenstein 1924 ritt auch eine Gruppe "Husaren" im Festzug mit. Es waren 28 Reiter vom Reichswehr-Regiment 16 aus Hofgeismar, die in den Original-Friedensuniformen des 1. Husaren Regiments mitwirkten. An der Spitze des Zuges ritt ein Offizier. Die Uniformen wurden erst nach langen Verhandlungen mit den Verwaltern des Nachlasses des Regiments herausgegeben.

Husaren beim Festzug zur 600-Jahrfeier - 1924

Die Regimenter (mit Abbildungen) sind separat aufgeführt und durch anklicken des Links zu erreichen.Eintrittskarte zur Sonderausstellung "Garnisonsstadt"; 1983