Die Gemarkung der Stadt ist sehr weitläufig. Die Feststellung der Grenzen wurde im Mittelalter durch Grenzbeschreibungen und Rezesse festgehalten.

Damit die Bürger die Flurgrenzen beachteten, fanden in regelmäßigen Abständen Grenzbegänge statt, bei denen auch der Umtrunk nicht zu kurz kam. Der erste Grenzbegang fand am 3. Mai 1740 statt und wurde danach alle 3 bis 5 Jahre wiederholt, bis die ersten Katasterkarten vorlagen.

Bei diesen Grenzbegängen marschierte die gesamte Bürgerschaft mit dem männlichen Nachwuchs durch das Schachter Tor bis zur Grenze. Hier teilte man sich dann in zwei Gruppen, wovon die eine nach links Richtung der Warte über dem Hof Butzbach und die andere zur Warte über Schachten zog. Erzählt wird, daß 12 Schützen bei dieser Warte drei Salven abfeuerten, um damit das Besatzungsrecht an der Warte zu bestätigen. Man zog dann von dort Richtung Lindenmühle weiter.

Diese alte Tradition wurde bereits 1927 wieder aufgenommen und 1939 fortgesetzt. Nach langer Vorbereitung startete man am 1. Juli 1939.

Mittagessen im Kuhlager - Grenzbegang 1939

Nach kurzer Ansprache von Ludwig Schmacke ging es, begleitet vom Spielmannszug des Reichsarbeitsdienstes (bei dem auch meine Großvater Karl Hähnert musizierte -auf dem Foto hockend 2 v.l. neben der Trompete-), zum Hofgeismarer Tor hinaus zum Kelzer Weg. Bald war der erste Grenzstein an der Kelzer Grenze erreicht. Im Anblick von "Klein-Frankreich" (=Kelze, das Hugenottendorf) wurde Ludwig Schmacke auf den Grenzstein gesetzt. Damit wurde die erste Flasche Likör für die teilnehmenden Frauen ausgeschenkt. Anschließend ging es weiter entlang der Hofgeismarer Grenze, über die Heubrücke und den Salzweg zum Fiddelloch. Der Himmel hatte sich inzwischen verdunkelt und ein heftiger Regenschauer setzte ein, so daß man unter den Tannen Schutz suchen mußte. Aber auch der längste Regenguß versiegt einmal und so ging es weiter in Richtung Carlsdorfer Straße. Bevor jedoch das Frühstück eingenommen werden konnte begann es erneut zu regnen und man suchte Schutz in der Scheune auf Gut Oberhaldessen. Dort herrschte schon nach kurzem gute Stimmung, denn die "Spiel-Möpse" des Reichsarbeitsdienstes spielten zum Tanz auf. Später ging es dann weiter nach Hartigshof, wo bereits die Gulasch-Kanone wartete. Das Festessen bestand aus Linsen mit Fleischklösschen sowie einem kleinen Umtrunk.

Es hatte nun endlich aufgehört zu regnen und der Marsch entlang der Immenhäuser Grenze in Richtung der Lindenmühle konnte fortgesetzt werden. Nach alter Überlieferung geht dort die Grenze mitten durch das Wohnhaus der Mühle. Das Klettern durch das Fenster im Hausflur und das anschließende Überspringen des Baches erzeugte große Heiterkeit, da doch so mancher "in Uniform" baden ging.

Mit Musik ging es dann zurück ins Sauertal zum Schützenhaus, wo der erste Tag feuchtfröhlich beendet wurde.

Am nächsten Morgen war das Regenwetter vorbei. Mit Musik ging es in Richtung Schachten. Am ersten Grenzstein wurde der Bürgermeister von Schachten begrüßt, der auf den Stein gesetzt wurde, anschließend ging es weiter Richtung Friedrichsthal, woran sich eine Feierstunde auf dem Galgenberg anschloß.

Der weitere Weg führte dann durch den Langenberg in Richtung Kuhlager, wo das obige Bild aufgenommen wurde. Hier wurde das Essen eingenommen. An diesem Tag standen Erbsen mit Speck auf der Speisekarte. Dann ging es, wie am Vortag, wieder zurück ins Sauertal.

Ab 16.00 Uhr wurde dort ein kleines Volksfest mit Darbietungen für Kinder und Jugendliche veranstaltet. Dort fand sich dann auch der Abschluß des Grenzbegangs und es wurde bis weit nach Mitternacht getanzt.