Die Hospitalstiftung besteht schon 1403 vor dem damaligen Niedertor. Ihm sollen in diesem Jahr die Einkünfte aus einer Stiftung der Grebensteiner Bürger Johannes (Grubo) Grobe und Dietrich Steinhof zufallen. Die Hospitalstiftung war immer reich begütert, weil sie aus Gefällen des hessischen Landgrafenhauses bestand. Sie soll laut Angaben von Pfarrer Knierim von 1864 von Landgraf Philipp "dem Großmütigen" (regierte 1503-1569) begründet worden sein. Anzunehmen ist, daß Knierim sich darauf bezog, daß die Stiftung 1530 erneuert worden ist und 1535 eine Hospitalordnung erlassen wurde, die Landgraf Philipp eigenhändig unterschrieben hat (Urkunde im Stadtarchiv). Wie es zu einem Niedergang des Hospitals gegen 1520 kommen konnte ist mir nicht bekannt. Nach der Kirchenvisitation 1530 wurden dem Hospital jedoch umfangreiche Schenkungen gemacht, so daß die Zukunft wieder gesichert gewesen ist.

Bei der oben genannten Visitation werden die Einkünfte der KapelleAdam Fuldensem gen. Krafft, um 1509 von Oberhaldessen zur Hälfte dem Hospital zu Grebenstein zugesprochen. Die andere Hälfte erhält das Hospital 1538. Am 21. Januar 1535 überweisen die kirchlichen Visitatoren Curtt von Elben, Heintz von Luther und der Hofprediger Adam Fuldensem das Altargut an das Hospital, welches damit wieder finanziell gesundet.

1535 werden dem Hospital folgenden Einkünfte gewährt: 

"Nachverzeichnete Zinsen und Inkomens seint Anno 1535 durch unsers genädigen Fürsten und Hern Visitatoren. In Hospital gewendett.

  1. Item xij gülden x alb vor Sanct Catrinen lehen

  2. Item vj alb vom lehen. Aus St. [...]

  3. Item j. gülden xxij alb vom Altar Crucis

  4. Item iij gülden xv alb vonn der Chorhern Zinßen

  5. Item iij alb von S. Johanns Lehen zu Ouvernhaltzen

  6. Item x gülden vonn S. Cathrine Lehen erhebt d renthmeister auß dem kerschen Pfull und hat solich Kerschenpfull zuvor gantz an das Lehen gehort

An Frucht Im hospitall verordent,

  1. Item viij viertel paartim ungeverlich z rhanden unnd metzenheuer Am Sudbergs.

  2. Item viij viertel korns

  3. Item ix viertel haffern vonn einer vellt Capellenn Ouvernhaltzen

  4. Item viij viertel korn

  5. Item ix viertel haffen von holtzhußen

  6. Item uiij viertiel korn

  7. Item iij viertel haffern vom Althar Crucis

  8. Item iiij viertel ptim [=partim=halb Korn, halb Hafer] Chorhern Zinß

  9. Item xij viertel ptim vom Althar Sancti Cyriaci

Entgegen diesen Einkünften stehen 1535 folgende Ausgaben:

"Entjegen Geben die Forstend[er]des hospitalls widerümb eruß

An Gellt

  1. Item vj gülden dem pharhern

  2. Item ij gülden zusteur d scholenn

  3. Item ij gülden hern Gerwich Zuffalln

  4. Item x gülden dem Capellan

  5. Item j gülden v alb dem pharhern unnd hl. Gerwigen

An Frucht

  1. Item xij viertel ptim vom Altar S: Cyriaci, erhebt Otto Goldamer sein lebenlanck

Der Altarist Gerwig Zufall (siehe bei den Ausgaben des Hospitals oben) wird mit Gefällen aus dem Hospital belehnt. So hat er in einem eigenhändigen Schreiben von 1533 aufgezählt:

 "Von lehens wegen gehort mir ij gulden muntze ussz dem spittail daß ißt mir ein halb gulden nicht worden sint daß mein genediger herre just wertenberger laut zoich, den haben mir die Spittail meister[?] für behalten, noch einen daler auß dem Spittail, der von den von adeleveszen kumpt, noch einen halben gulden, und x metzen korns und xij metzen habbern".

Es ist also festzustellen, daß das Hospital vom Landgrafen reich begütert worden war und dass dieser verdienstvollen Bürgern, Altaristen, Pfarrern und Scholastern eine Rente in Form von Gefällen aus dem Hospital zukommen ließ. Manchmal schienen sich aber, wie oben angeführt, die Auszahlung der Gefälle und Gülten sehr verzögert zu haben. Gerwig Zufall beschwert sich, daß er anstatt der ihm zustehenden 2 Gulden von den Hospitalverwaltern noch nicht mal einen halben Gulden bekommen hat.

Im Steuerkataster von 1776 heißt es zum Hospital: "Dahier befindet sich ein Hospital, darinnen werden sowohl einheimische Bürger und Beisassen als auch von auswärtigen Orten Personen beiderlei Geschlechts aufgenommen, ob nun wohl die Präbenden durchgehend gleich sind, so müssen doch die Auswärtigen mehr als die Einheimischen pro receptione erlegen, werden auch von erstern nach Befinden gratis aufgenommen, und sind gegenwärtige darinnen 41 Personen, so Präbenden und Wohnung genießen.

Die Hospitalgüter aber sind das Hospitalsgebäude, vor dem Hospitäler tor gelegen, so kontributionsfrei ist, wie dann auch 1 11/16 Acker 7 Ruten Wiesen, 2 9/16 Acker 5 7/8 Ruten Garten und 2 Hufen Landes, davon die eine im Felde zu Oberhaldessen und die andere im Rixer Felde gelegen, und sind solche nebst den 1 11/16 Acker 7 Ruten Wiesen und 2 9/16 Acker 5 7/8 Ruten Garten kontribuabel und schoßbar".

Es wohnen im Hospital sogenannte 'Einsitzer', 'Hospitaliten', 'Pfründner' oder 'Präbener'. Die Namen derer, die im Jahre 1535 im Hospital aufgenommen waren ist uns erhalten. Zu jeder Person ist damals vermerkt worden, was sie besaß und was ihr weiteres Einkommen ist. So hatte jede Person ein "Bettgewahr", also eigenes Bettzeug, sowie je nach Vermögen etwas Geld, Geschirr oder etwas Land über das sie als Zubrot verfügen konnte.

1535            10 Personen

1570            24, später 25 Personen

1701            15 - 16 Personen

1762            7 - 8 Personen

1776            41 Personen

1809            46 Personen

1854/55      52 Personen

1782 wird das Hospital, das in dieser Form auch heute noch besteht, nach Abbruch von älteren Gebäuden, neu erbaut.

Im Jahr 1791 beschreibt Johann Christian Martin Amt und Stadt Grebenstein. In dieser Veröffentlichung wird auch das Hospital erwähnt. Er schreibt darüber:

"5) Das Hospitalgebäude ausserhalb auf der Morgenseite der Stadt, dicht an dem Hospitälerthor. Dieses Haus wurde, nachdem das vorige den Einsturz drohete, von Grund auf aus den Einkünften oder Ueberschüssen dieser ansehnlichen Stiftung anno 1783 neu aufgeführt. Es hat eine freie, angenehme und gesunde Lage mit der Hauptseite gegen Mittag gekehrt, und in dem Innern hohe, helle, luftige und gesunde Zimmer. Jede Person, deren gewöhnlich etliche vierzig sind, hat ihr besondres Gemach, etwas an Gartenland, Geld und Frucht, und für Fleisch auf die Festtage auch ein gewisses an baarem Geld. Diejenigen, welche durch Einkauf oder unentgeltlich an diesem Institut Theil nehmen, treten dadurch aus den gewöhnlichen bürgerlichen Verhältnissen und sind von allen Personalabgaben befreiet. Im Winter wird ein grosses Zimmer auf Kosten des Hospitals erwärmet, in welchem sich die sämmtlichen Hospitaliten beiderlei Geschlechts aufhalten und jeder für sich arbeitet. Sofern Kranke vorhanden sind, so werden dieselbe in einer besonderen Krankenstube gepfleget. Ein Receptionsfähiger muß wenigstens 50 Lebensjahre zurück gelegt haben; alsdenn richten sich die Aufnahmegelder dennoch nachdem sie mehr oder weniger von diesem Ziel entfernet sind. Auch auswärtige Receptionsfähige können sich hier einkaufen, diese müssen aber ein höheres Eintrittsgeld als die Einheimischen bezahlen. Die ordentlichen Vorsteher dieser milden Stiftung sind die beiden Prediger, Beamte und der zu der Zeit das Amt führende Bürgermeister. Die Verwaltung der verschiedenen Einkünfte besorgt ein besondrer dazu bestellter Hospitalprovisor. Denen in dem Hospital wohnenden Präbenern wird zweimahl in dem Jahr auf Ostern und Michaelis von dem Metropolitan in dem Hospital Gottesdienst gehalten und das Abendmahl ausgetheilt".

Die Hospitalscheune

Das Hospital hatte zur Einlagerung der Einkünfte aus Fruchtzins eine eigene Scheune in der unteren Marktstraße (der heutigen Bahnhofstraße), wo sie die verschiedenen Getreidesorten lagerten. Die ehemalige Scheune ist 1985 renoviert und zu einem Wohnhaus umgebaut worden. Daneben wurde ein neues Wohnhaus gebaut und beide Häuser wurden verbunden. Die Wohnungen werden von der Hospitalstiftung getragen und es wohnen dort nur ältere Menschen mit sehr geringem eigenen Einkommen.

Die Hospitalprovisoren und Kastenmeister (=Vorsteher, Verwalter)

1534; Henrich Duvels (*vor 1480, +vor 1569), Hanns Guden (*Grebenstein um 1505, +vor 1569) und Reinhard Persch (*um1510, +nach 1569)

1535; Henrich Duvels (s.o.) und Henrich Lolen (*Grebenstein um 1504, +vor 1569)

1550; Heinrich Rhosentreder (*um 1500, +Grebenstein zwischen 1550-69) und Hannß Ryeschenn (*um 1505, +Grebenstein zwischen 1550-69)

1557; Johann von Lahr (*Grebenstein um 1510, +zwischen Januar und März 1568)

1563; Hannß Lolen (*Grebenstein um 1505, +nach 1569) und Amelungk Amelung

1565; Johanneß Röpeln und Adam Heißenn

1569; Brixius Könen und Johannes Loer

1570; Adam Heyße und Dietrich Werß

1578 - 1581; Thonieß Lolen (+Grebenstein um 1544, 1599), Henrich Gleimen (*um 1540, +nach 1600), Gerolt Klip (+vor 1600) und Steffan Pfeiffer (*Grebenstein um 1550, +vor 1600)

1583; Henrich Hesse (*um 1560, +vor 1637), und Henrich Schmidt d.Ä. (*Grebenstein 1544, +1.6.1621)

1589; Henrich Baddenhausen (*Grebenstein um 1545, +zwischen 1610-28) und Johann Mützen (+vor 1599)

1590; Jörgen Sivorts (+vor 1628), Adam Heisen (*um 1532, +um 1616), Bürgermeister

1590 - 1593; George Vilmar (*Immenhausen 1560, +Grebenstein 23.3.1620) und Johann Osterberg (*um 1565, +Grebenstein 1597), war 9mal Bürgermeister

1591; Henrich Amelungk und Johann Mützen

1595; Johann Endemann und Marx Löers

1597 - 1599; Henning Dohnen und Curtt Haurant

1608; Gunther Beckern und Georg Richter

1621 - 1623; Dietrich Eckemann (*Grebenstein um 1550, +nach 1626)

1629; George (Jörg) Pfeiffer (*Grebenstein um 1570, +nach 1629)

1631; Caspar Mechel (Grebenstein um 1600, +Deisel nach 1648)

1646 - 1647; Merten Wers (*Grebenstein um 1606, +nach 1666)

1649 - 1650; Wilm Fiand sen. (*Grebenstein um 1600, zwischen 1651-1659), Ratsherr und Kämmerer

1658 - 1659; Hanß Niegemeyer (*Grebenstein um 1600, +1660)

1660; Johannes Thönen (*Grebenstein um 1618, + nach 1689)

1682 - 1686; Johann von Dissen (*Grebenstein um 1650, +14.5.1690)

1700; Johann Christoph Deichmann (*Grebenstein 19.2.1671, +25.11.1740)

1716 - 1725; Franz Eckemann (*Grebenstein 23.1.1676, +1725)

1729 - 1741; Johann Henrich Schindehütte (*Grebenstein um 1710, +1746)

1748 - 1754; Johann Philipp Rosen (*Grebenstein 18.4.1718, +11.8.1764)

1767; Burgfeld

1765 - 1794; Johann Henrich Wilhelm Becker (*Ziegenhain 1732, +Grebenstein15.1.1815), war Bürgermeister 1894-1800

1816 - 1828; Ludwig August Moritz Landgrebe (*Schwarzenhasel 7.7.1765, +Oberaula 1.11.1848), war Bürgermeister 1822-1830 u. 1833-1840