Ansicht von 1591    Ansicht von 1962

Die Geschichte unserer Stadtkirche ist eng mit der der Stadt verknüpft, da beide zur selben Zeit entstanden. Die Kirche ist zwischen 1320 und 1340 im spätgotischen Stil erbaut worden. Im Jahr 1332 wird uns zuerst ein Pfarrer namens Geierfalco als Pleban in Grebenstein genannt. Eine Liste der vorreformatorischen Pfarrer ist uns leider nur lückenhaft überliefert.

Die reformatorische Bewegung ist gleich nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg am 31. Oktober 1517 in Gang gekommen. Jedoch erst 1522 predigt in der Nachbarstadt Immenhausen der Lutherschüler Bartholomäus Riseberg gemeinsam mit einem katholischen Mönch. Riseberg wird nach seiner Predigt von Soldaten des Landgrafen festgenommen und in Grebenstein eingekerkert. Er konnte jedoch nach 5wöchiger Haft entfliehen.

Der letzte katholische Geistliche in Grebenstein war wohl Curdt Ansorge, der zwischen dem 8. September 1498 und dem 21. März 1519 beurkundet ist. Ab dem Jahr 1525 bis nach 1556 ist Eckbertus Snollanus [eigentlich Eckbertus von Swollen und eindeutig nicht identisch mit Johannes Vincke, wie Hütteroth und Vesper annehmen] als erster evangelischer Pfarrer belegt und gehörte 1530 zu den führenden Theologen der Landgrafschaft (eine Liste der Pfarrer seit der Reformation). Er nahm 1526 noch seinen Bruder, einen evangelisch gewordenen Mönch, als Gehilfen bei sich auf.  Zu dieser Zeit hatte das Luthertum schon weite Kreise in Hessen gezogen. Landgraf Philipp "der Großmütige" (1509-1567) beschloß dann endgültig am 26. Oktober 1526, auf dem Homberger Landtag für sich und seine Untertanen, zum Luthertum überzutreten und somit wurde die Landgrafschaft evangelisch.

Die spätgotische Hallenkirche 'zu unseren lieben Frau'

Die Kirche ist als dreischiffige Hallenkirche konstruiert, in der jedes Schiff 3 Joche aufweist. Der westfälische Einfluß läßt sich durch die merkwürdig gedrungenen, fast romanisch anmutenden Verhältnisse des Innenraums mit der ungewöhnlichen Breite des Mittelschiffs, dem sich im Osten ein zweijochiger Chor mit einem fünfachtel Chorabschluß  in gleicher Breite anschließt, vermuten. Im Westen findet das Mittelschiff, in dem in gleicher Breite vorgelagerten Turm mit einer überwölbten Turmhalle, seinen Abschluß. Zwischen der Nordseite des Chores und dem nördlichen Seitenschiff befindet sich noch eine, von Kreuzrippengewölben überdeckte, zweijochige Sakristei, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstanden sein wird. Diese ist ursprünglich wohl eine Seitenkapelle gewesen. An der Nordseite der Kirche scheint zwischen nördlichem Seitenschiff und Turm eine zweite Kapelle angebaut gewesen zu sein, was bei der Betrachtung der Außenmauer noch deutlich zu sehen ist. Nach der Stadtrechung von 1732 bekommt Stephan Hentze 4 Gulden 24 Albus, "daß er die Kapelle zugemauert".

Das Außenbild der Kirche wird vom wuchtigen Turm aus behauenen Quadersteinen beherrscht. Er ist von Anfang an als Wehrturm konzipiert, wahrscheinlich als Verbindungsstelle zu den Warten außerhalb der Stadt. Er ist ursprünglich etwas höher gewesen als heute und hat am Ende des 15. Jahrhunderts noch eine besondere Erhöhung erfahren, als im Jahr 1483 "Christian von Syborchs seligen Hußfrauen zcu Frangfurt vnme irer sele seligkeit willen habe gegeben fünfzcig gulden an den Kirchthorn zcu Grebenstein den hoichere zu buwen". Die Geldsumme ist sicherlich auch ihrer Bestimmung zugeführt worden.

die Notkanzel von 1638 geschaffen von Johann Adolphi und Cunrado JunghenDer heute vorhandenen Turmabschluß, eine Holzgalerie auf Eichengebälk und darüber eine schiefergedeckte 'Welsche Haube', ist nach dem Brand im Jahre 1637 entstanden. Bis ins 1. Drittel des 19. Jahrhunderts hat noch ein Turmmann auf der obersten Galerie im Dach zu den Stunden geblasen. 1731 ist der Turm durch einen Gewittersturm stark beschädigt worden, so daß vom Turm heruntergeschleuderte Steine und eine Glocke das Dach und das nach Westen gelegenen Gewölbe über dem Mittelschiff sowie das anschließende Kleingewölbe durchschlugen und zum Einsturz brachten. Dies war der Anlaß den Innenraum neu zu gestalten und eine Orgeltribüne zu errichten. Eine 1751 eingebaute Uhr mit Schlagwerk ist 1963 durch eine moderne ersetzt worden.

Wie die meisten größeren Hallenkirchen besitzt auch unsere Kirche außer dem westlichen Turmeingang noch zwei weitere Portale. Der spitzbogige Turmportal ist ohne weiteren Schmuck mit Ausnahme des einfachen Randprofils. Das am reichsten geschmückte Portal ist das Südportal. Leider sind die in der Zeit des Bildersturms zerstörten Figuren von Heiligen, die in Nischen rechts, links und oberhalb des Portals standen nicht mehr erhalten, die Konsolen und Baldachine kennzeichnen ihren ursprünglichen Standort aber noch. Das Portal selbst besteht aus reich profiliertem, spitzbogig zusammengefügten Gewände. Über dem Portal befindet sich ein Rundfenster mit Fischblasenmaßwerk, vor dem die mittlere der drei über dem Portal ehemals angeordneten Statuen angebracht gewesen ist.

Tabernakel-Portal (Nordportal)            Blick in den Chor

Das als Tabernakelportal gestaltetes Nordportal ist spitzbogig. Sein 'Wimperg', der gotische Ziergiebel über Portalen und Fenstern, ist mit Blendmaßwerk gefüllt und mit einer Kreuzblume gekrönt. Darin ist eine Marienkrönung zu sehen, von der heute leider nur noch Reste zu erkennen sind.

Der Chor ist mit einem mittelalterlichen Deckengemälde, das 'Christus in der Mandorla' darstellt, versehen. Zu diesem ist noch ein Gemälde der 'Heiligen Elisabeth' dargestellt. Diese Überreste mittelalterliches Wandmalerei sind 1963 bei der Renovierung der Kirche freigelegt worden.

Das Kirchengestühl, der Balkenschmuck und die Kanzel sind reich verziert. Dieses ist alles neue erstellt worden nach dem Brand der Kirche 1637. Das Gestühl ist von 1639 und 1658, der Balkenschmuck der Empore und die reichverzierte Notkanzel sind von 1637 und 1638.

Blick auf den barocken Orgelprospekt von 1736    das Kirchenschiff mit Blick auf die barocke Orgel um 1900

An der Westseite des Kirchenschiffs befindet sich auf der Empore eine 1736 vom Hof- und Stadtorgelbauer Wilhelm Dibelius zu Kassel geschaffene barocke Orgel, von der leider nur noch das Prospekt original ist. Anläßlich der Restaurierungsarbeiten wurde 1907 anstatt der Schleifladenskonstruktion eine moderne Orgel eingebaut. Diese ist vor einigen Jahren komplett restauriert worden.