(nach Oberstudiendirektor a.D. Wolfram Henkel - nach einer mündliche Überlieferung)

Durch den Frieden von Tilsit (1807) verlor Preussen unter anderem alles Land zwischen Rhein und Elbe. Aus den westelbischen Besitzungen Preussens, Kurhessens und Teilen Hannovers bildete nun Napoleon I. ein Königreich Westfalen unter seinem jüngsten Bruder Jérome. Zur Hauptstadt wurde Kassel bestimmt. Eines Tages wollte König Jérome in Beberbeck Pferde besichtigen. Auf seinem Weg dorthin mußte er auch durch Grebenstein fahren.

Und so erzählte meine Oma mir die folgende Geschichte:

"Der französische Kommandant in Grebenstein ließ alle Einwohner am Abend vorher auf dem Marktplatz zusammenkommen, um ihnen dieses wichtige Ereignis mitzuteilen. Vor allem aber sollte der König am nächsten Tag von der Bevölkerung herzlich begrüßt werden mit dem französischen Grußwort "vive l'empereur!". Oh, wie schwer war das; alle Mühe des französischen Kommandanten war vergeblich. Die Grebensteiner konnten - oder wollten - es nicht begreifen. Nach langem Hin und Her hatte der Kantor Wenderoth eine Idee, und er bat um das Wort. Seine Rede an das versammelte Volk hat er in plattdeutscher Sprache gehalten und muß etwa wie folgt gelautet haben:

"Hört Leute, der König wird morgen hier durch Grebenstein fahren, und dann müssen wir ihn begrüßen. Das geschieht aber nicht mit Hurra oder ähnlich, sondern mit der französischen Ausruf 'vive l'empereur', was soviel heißt, wie 'es lebe der König!'. Ihr braucht euch jetzt nur folgendes zu merken: Denkt mal an die Großmutter, das ist ein altes Weib, ein 'olt Wief', und so habt ihr schon das 'vive' gelernt. Mit dem Rest des Ausdrucks ist es auch nicht mehr schwer, ihr braucht euch nur eine alte Tranlampe und Opas alte Pfeiffenröhre vorzustellen, dann könnt ihr das Wort 'l'empereur' bilden. Also merkt euch das für morgen."

Die Grebensteiner versprachen, das am nächsten Tag schon richtig zu machen.

Am nächsten Tag waren dann auch alle zur Begrüßung anwesend als der König erschien. Der französische Kommandant begrüßte den Landesherrn mit einer langen Rede in französischer Sprache, an derem Ende die Bevölkerung in den Ruf 'vive l'empereur!' ausbrechen sollte. Das taten die dann auch lautstark:

"Du olt Wief, du Tranlamp, du olt Piepenröhr!"

riefen sie dem König zu. Der hörte daraus die französisch klingenden Worte, verstand wohl 'vive l'empereur!' und fuhr, zufrieden mit dieser Huldigung, weiter nach Beberbeck".