Der heutige Kressenbrunnen besteht aus der Quelle und den Gebäuden des Gutshofes, die im 18. und 19. Jahrhundert neu erbaut wurden und liegt am Fuße von Roths-Berg (im Volksmund Rettberch genannt). Im 19. Jahrhundert wurde ein neues Gutshaus in Form eines Schlößchens mit Parkanlage erbaut. Der Hof um die Quelle ist jedoch um vieles älter.

Ausschnitt der Karte von 1860 mit Gebäudelage Kressenbrunnen

Schon im 13. Jahrhundert wird der "Breitenborn", wie der Kressenbrunnen auch hieß, erwähnt. 1340 wird der Grebensteiner Bürger Heinrich Bischof, der 1345 auch als Bürgermeister bezeugt ist, mit dem Kressenbrunnen belehnt, mit der Auflage der Burgküche die nötige Kresse zu liefern. In einer weiteren Urkunde, die den Verkauf des Kressenbrunnens von Heinrich Bischofs Witwe bezeugt heißt es:

"Im Namen des Herrn Amen. Wir Hermann der Jüngere, durch Gottes Gnade Landgraf zu Hessen, bekennen auf Grund des vorliegenden Schreibens öffentlich, daß die Priester Konrad und Hermann den Kressegarten, in der Volkssprache heißt er der Breitenborn, dich neben der Stadt, aber innerhalb unseres Burgbezirks Grebenstein gelegen, mit alldem, was zu ihm gehört, gekauft haben. Zu Ehren der heiligen Katharina und Elisabeth, deren Altar in der Grebensteiner Pfarrkirche errichtet und ihnen geweiht wurde, haben ihn die beiden Priester, denen zur Zeit dieser Altar anvertraut ist, erworben. Des Bürgers Heinrich mit Zunamen Bischof hinterlassene Witwe Kunigunde und deren Erben noch Erbrechte besitzen, sind die Verkäufer. Jedes Jahr zur Kressezeit hatten sie Uns oder Unseren Amtleuten oder anderen Beauftragten, die in der Burg von Grebenstein geschaltet und gewaltet haben, von dem Gemüse soviel abzuliefern, wie Uns für Unsere Burgküche zusteht. Die Sachwalter sind für dieses an dem Hof uns vorbehaltene Recht in dieser wie in früherer Zeit stets eingetreten. Unter dem gleichen unverbrüchlichen Rechte übereignen Wir nun dem in unserem Schutz stehenden Altare der Katharina und Elisabeth den Hof zum Heil unserer Vorfahren und zu Heil unserer Seele und bringen ihn als ein freies ewiges Geschenk dar. Zum Zeichen dafür geben wir der Kirche diesen Brief und wollen, daß in Zukunft alles so gehalten wird, wie Wir bestimmt haben. Durch unser anhängendes Siegel wird der Brief bekräftigt. Gegeben im Jahre der Fleischwerdung des Herrn 1365 am Freitag nach dem Sonntag, an dem in der heiligen Kirche Gottes Cantate gesungen wird".

Eine weitere Notiz aus dem gleichen Jahr 1365 bestätigt die oben getroffene Aussage:

"It. das genante Slosz hait auch die fryheit, wan myne gendigen Heren ader die Iren gein Grebensteyn komen, so vil kressens, so man behubet zu essin, usz dem borne mag eyn Koch dar inn hoelen und sust ubir jare so der offen und feyl ist; dar gein gibt man ztwen Kressen luden iglich des sontages eyn moleczijt XL Hofbroit und vor III pfenn. gr. behir Ine beyden".

Im Salbuch von 1455 ist der Kressenbrunnen ebenfalls mit seinen Abgaben, die den schon genannten Abgaben entsprechen, erwähnt.

"Dis ist nun der Breidenborne.

Item gehort der Breidenbornne zu einem Lehene Sanct Catharine, unnd hat mein her die gerechtiken an dem Breidenbornne, so das man seinenn gnadenn kerssenn zu gennusen, was man des behuf uff der Borgk genug verhandelagen unnd zustaden, davonn Sigel unnd brieve, so dan der genannt Altar innehat klerlichen außweisenn".

Diese Gefälle aus dem Kressenbrunnen werden nach der Reformation zwischen der landgräflichen Kasse und dem Grebensteiner Hospital aufgeteilt.

"Der Zins vom kirßenphull und der Zehnt am Sudberge soll halb dem Landgrafen, halb dem Spittal zufallen ..."

Um das Jahr 1641 schrieb ein unbekannter Chronist über seine Heimatstadt Grebenstein. In dieser Chronik verfaßte er auch einen Artikel über den Kressenbrunnen.

"Die Flüsse: Es entspringt allhier aus einem Steinfels ein Brunnen nahe bei der Stadt, welcher sich so stark ergießt, daß er auf etzliche Ruten Länge etzliche Mühlen ... von 2 Mahl- oder Schlagegängen umtreibt, und sehr lieblich von seinen Quellen, welche schön und lieblich sind, und hieraus zu vernehmen, daß derselbe im härtesten Winter so warm, daß man die Hände darin erwärmen kann; im heißesten Sommer aber so kalt, daß die Hände einem gar erkälten, wird sonsten der Breite Born genannt".

Der Chronist fehlt aber in seiner Beschreibung insoweit, dass er animmt, die Quellen des Kressenbrunnen wären die der Esse. Die Quelle fließt zwar kurz nach ihrem Ursprung in diese, hat aber mit der Quelle der Esse, die in Hohenkirchen entspringt, nichts zu tun.

Nun gibt es auch noch Beschreibungen des Kressenbrunnens, die sich mit der Qualität der Kresse und der des Wassers beschäftigen. Im Jahre 1669 hat der Grebensteiner Schultheiß Franciscus Schotten einen Bericht über die Nutzung und Beschaffenheit desselben abgegeben, der 1908 von Friedrich Pfaff wie folgt veröffentlicht wurde:

"Notanda de fonte Nasturtico Grebensteinensi

  1. Notatio. Wirt von den dieses Orts wachsenden vielen und gesunden Kreßen, alhier zu Grebenstein (eliso inprincipio litera) der Kersenborn genannett. Olim [=ehemals], undt für mehr als 300 Jahren, ist er á latitudine sua der Breyteborn genennet worden, dahero denn auch der Fahrwegk, so über diesem Borne her und uff Oistuffeln undt forters uff Cassel zugehet, der Breitebörnische Wegk genannet wirtt.

  2. Situs ejusdem. Ist gelegen, unter dem über dieser stat weit zusehenden berge undt daruf annoch stehenden starcken schönen mauerwercke, des vor mehr als 300 jahren gewesenen frstl. heßischen residentz hauses, gegen ufgangk undt erstreckt sich gegen west... zu in einem des Sommers über, überaus lustigen und mit mancherley ... aber nicht sonderliche fruchtbringenden Bäumen. umb darmitt den kerßen für der kälte, winde und regen zu geschützen. auch mit einem ufwurff verwhrtem schönem thale.

  3. Scaturigo.Daß waßer so diesen brunnen undt den inselbigem enthaltenen kreßen durch leufft befeuchtet undt zum wachsthumb aufhilfft, springt auß deme über selbigen gelegenen hügell ahn verschiedenen Ortten an allermeisten aber, in dem jenigen Pfhule oder bett, welches der kinder pfuhl genannet wirt, fast eines kleinen waßer Eimers dick.

  4. Magnitudo & Circumferentia ejusdem wirt ab beykommen Abriß zu ersehen sein

  5. Disterminatio. Wirt in acht classes oder Betten vertheilet fefunden, also das jedes seinen absonderlichen wall, oder aufwurff hatt undt mit selbigem von den anderen underschiten ist.

  6. Causa Efficiens. Ist Gott der allmächtige Herr, welcher, wie er in prima creatione alles grüne Gras, also auch diesen Kersen erschaffenn hat.

  7. Materia. Ist das grüne und langstengeliche Kraut, hat kleine Blätter, also bitter, daß der, so dieselbe Bitterkeit nicht vertragen kann und doch aber dessen zu einem Kohle genießen will, ihnen den Kersen zuvorderst mit heißem Wasser brühen und darmit dieselbe Bitterkeit vertreiben muß.

  8. Forma. Dieses Kersens möchten sein die Fäserlein, so von unten an bis fast an das Herz hinaufreichen, dann wann er auf neu ein den Brunnen gelegt wird, so müssen solche Fäserlein an den Stengeln gelassen werden.

  9. Finis. Daß er sowohl zur Lust als auch zu Stillunge des Hungers insonderheit aber auch zu Reinigung des Geblüts, Abtreibunge des Steins, Scharbocks und anderen Dingen mehr, davon die Herren medici weiteren Bericht zu tun wissen werden, zu gebrauchen ist.

  10. Qualitas des Wassers. Dasselbe ist überaus hell, klar und des Sommers sehr kühl, des Winters aber laulich, ist vor wenig Jahren mit einem Lusthause an des abgebrannten Statt wieder bebauet.

  11. Proprietas des Brunnens. Stehet Ihrer Durchlauch unserm gnädigen Fürsten und Herren zu, wiewohl daß aus dero gnädigster Concession und einer für langen Jahren gemachten Ordnunge den alten und armen Leuten im Hospital dahier von dem daraus fallenden lacario der 22 Gulden jährlicher Renten zehn Gulden alle Jahre gegeben werden müssen. Ist vor mehr als 300 Jahren laut beikommender Kopien annoch vorhandener Briefe von denen auf vorangeregtem Fürstlichen Residenzhause allhier wohlhaft gewesen. Fürsten Ludwig und Hermann hochlöblicher Gedächtnisse gewissen Bürgern allhier auf die in selbigen Briefen vermeldete Maßen eingetan worden.

  12. Subjectum des Kersens. Ist grantiges Erdreich mit roten und braunen Kieseln vermengt.

  13. Adjunctum. Ist diese Frucht oder grünes Kraut, so Kreße genanntet wirt, grünet Winter und Sommer, wächst fast einer Ellen hoch, kann des Winters sowohl als des Sommers zu Salat und Köhlen gebracht werden, wie denn der zeitige Konduktor jährlich zu Winter, Sommer aber, ehe das gute Gewächs aufkömmt, von diesem Kressen wöchentlichen zur Fürstlichen Hofhaltung nach Kassel zweimal Lieferungen machen muß.

Datum Grebenstein am 24. Septembris Anno 1669

Auf sonderbaren günstigen und gnädigen Befehl

Johannes Prange, Rentmeister - Franciscus Schotten, Schultheiß"

Zur Zeit dieser Beschreibung ist das Gut an den Dietrich Breul aus Grebenstein verpachtet. Er ist eigentlich von Beruf Leineweber und später Meister und Gildemeister der Innung. Er zählte zu den Ältesten, und war Stadtratsmitglied. Er starb um 1686.

Die nächste, wenn auch kurze Beschreibung des Kressenbrunnens ist in der Katastervorbeschreibung des Lager-, Stück- und Steuerbuches von 1776 enthalten. Das Gut gehört noch zu den herrschaftlichen Güter und ist noch nicht in Privatbesitz übergegangen. Dort heißt es:

"7. den unterm Burgberg gelegenen 4 3/4 Acker haltenden Kressenbrunnen und dabei befindliche Kressenhaus samt dazugehörigen 1 11/16 Acker 4 Ruten Land und 11/16 Acker 2 Ruten Wiesen, sodann noch 9 3/4 Acker 14 1/4 Ruten Land und 3 1/8 Acker 9 Ruten Garten und Wiesen, so hiesige herrschaftl. Beamte, als ein zeitiger Rentmeister, Amtsschultheiß und Landbereiter, auch der herrschaftl. Amtsdiener, pro parte salarii [=als Teil ihrer Besoldung]  innehaben".

Der herrschaftliche Pächter und Amtmann, Advokat und Jurist Arnold Bernhard Kersting hatte den Kressenbrunnen um 1773 in Besitz. Er hält sich auch einen Gärtner namens Friedrich Hopf, welcher gleichzeitig der "Aufsichter" über das Gesinde war.

das Gutshaus; im Volksmund auch Schlößchen genannt

Der Prediger Johann Christian Martin aus Holzhausen hat 1791 im dritten Abschnitt seinen topografischen Beschreibung ebenfalls etwas über den Kressenbrunnen vermerkt. Er weiß unter anderem von der Urkunde von 1365, in der die Priester Konrad und Hermann den Kressenbrunnen kaufen, dessen Einkünfte den beiden Altären St. Elisabeth und St. Catharina zugute kommen sollen.

"Zu denen ausser den Thoren aber doch zu der Stadt gehörigen Gebäuden gehöret endlich noch die vor einigen Jahren von dem gegenwärtigen Besitzer des Kressenbrunnen neu aufgeführte hölzerne Wohn- und Haushaltungsgebäude. Dieselbe liegen nicht fern von der Stadt in einem angenehmen Wiesenthal. Der dabei befindliche Brunnen, wovon der Nahme entlehnt ist, ist von entfernten Zeiten her wegen seiner vorzüglich gesunden und schmackhaften Brunnenkresse in sehr gutem Ruf gewesen. Das Wasser der Quelle ist überaus klar, kühl und wohlschmeckend im warmen Sommer, und in Wintertagen so warm, daß es auch bei der strengsten Kälte niemals zufriert. Der ganze Bezirk, den man unter jenem Nahmen begreift, enthält 2 Acker weniger etlichen Ruthen; wovon ein Theil mit Geschmack zu Garten angelegt, das übrige aber Wiese ist. Die in der Vorzeit hier hofhaltende Landgrafen Ludwig und Hermann gaben Anno 1340 diesen Grund an einen Grebensteiner Bürger unter der Bedingung auf Erbe, daß er die Hofküche mit der nöthigen Kresse versehen solte. Landgraf Hermann der jüngere schenkte ihn nachero in dem Jahr 1365 den beiden Altären in der Stadtkirche St. Elisabeth und St. Catharinen [siehe oben]. Dermahlen stehet derselbe dem Landesfürsten und dem Grebensteiner Hospital in gleichen Theilen zu. Vor einigen Jahren ist er von beiden an den gegenwärtigen Bewohner, der die Gebäude angelegt hat, auf Erbleihe verliehen worden".

Zu dieser Zeit ist der herrschaftliche Pächter des Gutes Georg Friedrich Jeppe, der das Gut von ca. 1800 bis zu seinem Tod im Jahre 1825 innehatte.

1854 wird über den Kressenbrunnen geschrieben:

"Der Kressenbrunnen auch Kerschenborn genannt, liegt am Rettberge und gehört dem Gutsbesitzer Fehrenberg. Der Hof ist neu erbaut [Stallgebäude und Wohnhaus] und besteht aus lauter massiven Gebäuden. Der Brunnen springt neben dem Hof. Das Wasser ist etwas kalkhaltig, aber sehr klar, hat eine stetige Temperatur von 9 1/2 °C und bildet einen kleinen Teich.

Das Gut besteht aus ca. 300 Kasseler Acker, wovon 45 Acker Wiese sind. Die Wiesen tragen jährlich 30 Zentner Heu und Grummet. Das Land wird wie folgt bebaut:

  1. 80-100 Acker Roggen

  2. 40 Acker Weizen

  3. 5-10 Acker Gerste

  4. 5-15 Acker Hafer

  5. 60 Acker Futterkräuter

  6. 6 Acker Kartoffeln

  7. 1/2 Acker Lein

  8. 40 Acker Hülsenfrüchte

  9. 10 Acker Kraut

  10. 1-2 Acker Fitzelbohnen mit gutem Erfolg.

Der Ökonom Fehrenberg besitzt 9 Pferde, 25-30 Stück Rindvieh und 250 Schafe. Das Gut hat die Schafgerechtsame für 280 Tiere nebst 1/2 Anteil zum Fetthaufen. Butter und Käse werden verkauft.

Der Großknecht erhält einen Jahreslohn von 24-30 Reichsthaler, der Kleinknecht von 18-24 Reichsthaler und die Magd von 12-18 Reichsthaler".

1864 ist Kommerzienrat Fehrenberg schon verstorben. Er starb in Kassel und hinterließ den Hof seinem Sohn, der ihn weiterführte. 1899 ist Richard Fehrenberg der Besitzer. Er läßt einen Erweiterungbau und einen Stallanbau errichten. Zwischen 1902 und 1907 geht der Kressenbrunnen in den Besitz von Oberamtmann Hermann Schubert über. Er erweitert und erneuert zwischen 1907 und 1913 das Gut um Geräteschuppen, Jauchegrube, Schweizerwohnung, Kuhstall und Gesindeaborte. Heute ist der Gutshof Kressenbrunnen in Besitz des Enkels von Hermann Schubert, Dr. Schubert, der heute einen Teil zur landwirtschaftlichen Nutzung verpachtet hat.

Das Wasser des Kressenbrunnens dient seit 1898/99 zur Versorgung der Stadt mit Trinkwasser. Dazu wird es vom Quellteich durch Rohrleitungen bis zur Burgmühle am Fuße des Burgberges geleitet und von dort in den Hochbehälter auf dem Burgberg gepumpt, damit es genügend Druck hat, um die Stadt zu versorgen. Die Anlage der Wasserleitung kostete damals 127.000 Goldmark.

Das Wasser ist von recht guter Güte, nicht sehr kalkhaltig und wohlschmeckend. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein wurde mit diesem Wasser in Grebenstein ein sehr bekömmliches Bier gebraut.