Die Herrscher über Niederhessen (Hessen-Kassel)

 

Niederhessen unter den Franken und Sachsen

Gaugraf Hiddi (Hildebold) (813 bezeugt)
Gaugraf Asig (Esiko) (839 und 842 bezeugt)
Gaugraf Berengar (860-876)
Gaugraf Cobbo (um 890 bezeugt) 
Gaugraf Konrad der Ältere (897-905)
Gaugraf Konrad der Jüngere, Herzog der Franken (905-911)
Gaugraf Eberhard, Herzog der Franken (911-918)
Gaugraf Elli I. (Allo) (ab 942)
Gaugraf Dodico von Warburg (990-1020)

 

Niederhessen unter den Grafen Werner (1027-1122)

Graf Werner I. (1027-1040)
Graf Werner II. (1040-1053)
Graf Werner III. (1053-1065)
Graf Werner IV. (1065-1121)
Graf Giso IV., Graf von Gudensberg (1121-1122)

 

Hessen unter den thüringischen Landgrafen (1122-1247)

Landgraf Heinrich Raspe I., Graf von Gudensberg (1122-1130 )
Landgraf Ludwig I. (1130-1140)
Landgraf Ludwig II. "der Eiserne" (1140-1172)
Landgraf Ludwig III. "der Fromme" (1172-1190)
Landgraf Hermann I., Pfalzgraf von Sachsen (1190-1217)
Landgraf Ludwig IV. "der Heilige" (1217-1227)
Landgraf Heinrich Raspe IV. (1227-1247)

 

Hessen wird selbständige Landgrafschaft (1247)

Landgraf Heinrich I. "das Kind von Brabant" (1247-1308)
Landgraf Otto I. (1308-1328)
Landgraf Heinrich II. "der Eiserne" (1328-1376)
Landgraf Hermann II. "der Gelehrte" (1377-1413)
Landgraf Ludwig I. (1413-1458)
Landgraf Ludwig II. (1458-1471)
Landgraf Heinrich III. (1472-1487)
Landgraf Wilhelm II. "der Mittlere" (1488-1508)
Landgraf Philipp "der Großmütige" (1509-1567)
Landgraf Wilhelm IV. "der Weise" (1567-1592)
Landgraf Moritz "der Gelehrte" (1592-1627)
Landgraf Wilhelm V. "der Beständige" (1627-1637)
Landgräfin Amalie Elisabeth (1637-1650)
Landgraf Wilhelm VI. (1650-1663)
Landgräfin Hedwig-Sophie (1663-1677)
Landgraf Karl (1677-1730)
Landgraf Friedrich I., König von Schweden (1730-1751)
Landgraf Wilhelm VIII. (1751-1760)
Landgraf Friedrich II. (1760-1785)
Landgraf Wilhelm IX. (identisch mit Kurfürst Wilhelm I.) (1785-1803)
Kurfürst Wilhelm I. (1803-1821)
Kurfürst Wilhelm II. (1821-1847)
Kurfürst Friedrich Wilhelm I. (1847-1866)

Hessen wird preußisch (1866)

Gaugraf Hiddi (Hildebold), Gaugraf im Hessengau (813 bezeugt)

Das Grafengeschlecht der Esikonen (die späteren Grafen von Reinhausen) geht zurück auf den sächsischen Edlen Hiddi (bezeugt um 813). Als Anhänger Karls d. Großen hatte er sein Land verlassen müssen und war von Kaiser Karl im Kaufunger Wald (bei Kassel) als Graf im Hessengau angesiedelt worden. Hiddi hatte drei Söhne: Folkbold, Adalbald und Esiko (auch Asig, Kurzform vom Adalrich). Nach Esiko, der aufgrund seiner Ehe mit Ida der Jüngeren der Schwiegersohn der Heiligen Ida von Herzfeld war, wurde das Geschlecht benannt, aus dem u.a. die Edelherren von Itter hervorgingen. 

Gaugraf Asig (Esiko), Gaugraf im Hessengau (839 und 842 bezeugt)

Hiddis Söhne Folcbold, Adalbold und Asig, qui et Adalricus verfügten im 9. Jahrhundert über reiches Allod im Leinegau, im sächsischen Hessengau und im Tilithi. Die Vornehmheit dieser Sippe geht daraus hervor, dass Asic in 2. Ehe Ida, die Tochter des Ecbert dux, heiratete.

Gaugraf Berengar, Gaugraf im Hessengau (860 bis 876)

+ nach 879. Berengars Name begegnete uns erstmals unter den "nobilibus ac fidelibus laicis", die 860 im Sankt Castorkloster den Friedensschluß zwischen Ludwig dem Deutschen, Lothar und Karl der Kahle in Koblenz unterzeichneten. Im darauffolgenden Jahr verlor Berengar die Huld Ludwigs des Deutschen. Mit seinem Neffen Ernst, mit seinen Brüdern, den Grafen Udo und dem Abt Waldo, mit Graf Sigihart, und anderen hatte er sich Karlmann in dessen Unternehmen gegen Ludwig den Deutschen verbunden, was somit eigentlich Hochverrat war. So erfolgte die Vorladung zum Reichstag nach Regensburg und ihre Aburteilung. Während Ernst aller seiner Ämter entsetzt wurde, gingen Berengar und seine Brüder mit ihrem "propinquus" Adalhard, der sich nicht mehr in Lothars Reich aufhalten durfte, zu Karl dem Kahlen über. 863 weilte er mit seinem Bruder Udo am Hofe Karls, in der westfränkischen Königspfalz Verberie, an der Oise nahe Senlis. Im Jahre 865 unterstützten sie ihren Verwandten Adalhard beim Schutz des Seine-Gebietes gegen die Normannen. Später suchte Ludwig der Jüngere ihre Unterstützung und versprach, sie in ihre alte Position zurückzuführen, so dass die Vermutung nahe liegt, dass Berengar bereits vor 861 hier Grafenrechte ausgeübt hatte. Berengar nahm seit 876 wieder die gräfliche Rechte seines Hauses in Hessen wahr und so erstreckte sich nach dem ersten zuverlässigen Zeugnis über einen Hessengaugrafen, dem ältesten erhaltenen Diplom Ludwigs des Jüngeren, Berengars Amtsbereich noch 876 bei Welda südlich Warburg, also unmittelbar bis in den Raum der unteren Diemel.

Gaugraf Cobbo, Gaugraf im Hessengau (890 bezeugt)

Der Graf Cobbo wurde im Jahre 890 in einer Schenkungsurkunde von König Arnulf mit 30 Königshufen (ca. 1800 Morgen Land) Land ausgestattet. Dieses Land lag in Piun (heute Bühne/Westfalen), das damals schon eine Ortschaft genannt wurde.

Gaugraf Konrad der Ältere, Gaugraf im Hessengau (897-905)

+ 27. Februar 906 bei Fritzlar, begraben in der Martinskirche in Weilburg/Lahn. 886 Graf im Oberlahngau, 897 Graf im fränkischen und sächsischen Hessengau. 903 Graf im Gotzfeldgau. 905 Graf in der Wetterau. Graf im Wormsgau. 892 bis vor 903 Markgraf in Thüringen. Er ist der Neffe von König Arnulf von Kärnten.

Gaugraf Konrad der Jüngere, Herzog der Franken (905-911)

Bei der Königswahl vom 08. bis 10.11.911 wird Konrad I. Gaugraf des Hessengaus in Forchheim als Nachfolger des letzten Karolingers Ludwig I. zum Kaiser gewählt. Konrad starb am 23. Dezember 918 in Weilburg/Lahn und wurde im Dom zu Fulda begraben. 

Gaugraf Eberhard, Herzog der Franken (911-918)

Er starb am 23. Oktober 939 in Andernach. War Herzog der Franken und Bruder von Konrad I., Herzog der Franken und deutscher König. Eberhard unterstützte 915 seinen Bruder in den Streitigkeiten mit dem rebellischen Sachsenherzog Heinrich dem Vogler. Nach Konrad's Tod wurde Heinrich I. auf Wunsch Konrad's neuer König. Eberhard verzichtet auf seinen Anspruch auf den Thron.

Gaugraf Elli I. (Allo), Gaugraf im Hessengau (ab 942)

+ nach 965. Ein Graf Albo war wohl mit dem Grafen Allio identisch, der 942 als Graf im sächsischen Hessengau im Umkreis von Rommershausen amtierte. Nach einer Urkunde von 965 trat er unter dem Namen Elli als Graf im Hessengau auf, wo die Orte Uffeln, Horkenhausen, Mederich (wüst bei Volkmarken), Elsungen und Bünichheim (wüst bei Hofgeismar) in seiner Grafschaft lagen. Bei der Aufzählung der Orte, die seiner gräflichen Amtsgewalt unterstellt waren, tauchten in der Urkunde von 965 zum Teil dieselben Orte wieder auf, die sich an Hand der Traditionen von Fulda in der Grafschaft Asigs nachweisen ließen. Asicho führte nachweisbar in den Orten Bodenfelde, Bringhausen, Lellibechi, Halgehausen und Korbach den Vorsitz im Grafengericht.

Gaugraf Dodiko von Warburg (990-1020)

Graf Dodico regiert in der Zeit von 990-1020 die Grafschaft Nihterga (den Niedergau = Niederhessen), zu dieser auch das benachbarte Holthusen (Holzhausen) gehörte. Die Urkunde, die bereits 1015 geschrieben wurde, erhält ihre Rechtsfähigkeit durch den Tod des Grafen am 22. Mai 1020. Es ist nicht auszuschließen, daß sich die Vermutung mit einer Legende deckt. So wird berichtet, daß der Sohn des Grafen Jahre zuvor 1014/15 vom Pferd stürzte und tödlich verunglückte - die Nachkommenschaft des letzten Erben erlischt -. Hier setzt Bischof Meinwerk von Paderborn seine List ein und gibt dem Grafen Dodico zu verstehen, daß er des Himmels Zorn dadurch sänftigen könne, wenn seine weltlichen Güter dem Bistum zu Paderborn anheim fallen, um einen Sitz im Himmel zu erhalten.

Graf Werner I. (1027-1040)

Der schwäbische Ritter Werner I. (Werner von Winterthur) wurde 1027 von König Konrad II. nach dem Tode des Grafen Dodiko als Gaugraf in Nordhessen eingesetzt. Er und seine Nachfahren nannten sich daraufhin Grafen von Maden. Werner erwarb in den folgenden Jahren mehrere andere Grafschaften im Lahntal, so u. A. die Grafschaft Ruchesloh, und wurde Vogt der Reichsabtei Kaufungen. Zumindest seit Werner I. hielt die Familie das erbliche Reichsamt des primicerius et signifer regis (Vorstreiter und Bannerträger des Königs). Werner I. fiel als königlicher Bannerträger am 22. August 1040 beim Feldzug von Heinrich II. gegen Bretislav I. von Böhmen.

Graf Werner II. (1040-1053)

Sohn und Nachfolger Werner I., fiel am 18. Juni 1053, ebenfalls als königlicher Bannerträger, in der Normannenschlacht von Civitate.

Graf Werner III. (1053-1065)

Werner III. († 1065) war vermutlich der erste, der sich auch „Werner von Grüningen“ nannte, wohl um damit anzuzeigen, dass er ein Spross der Familie war, die das Reichsamt des königlichen Bannerträgers, welches bis 1336 mit dem Reichslehen von Burg und Stadt Grüningen (Markgröningen) verbunden war, erblich innehatte. Er hatte, zusammen mit Erzbischof Adalbert von Bremen, erheblichen Einfluss auf den jungen König Heinrich IV. und die Reichspolitik, wurde aber schon 1065 im Alter von nicht einmal 25 Jahren in einem Handgemenge in Ingelheim erschlagen.

Graf Werner IV. von Grüningen(1065-1121)

Werner IV. hatte, auf Grund der erfolgreichen Erbschaften und Arrondierungspolitik seiner Vorfahren, ausgedehnten gräflichen Besitz und Vogteien über Klöster und Stifte im Hessengau (z.B. Fritzlar, Hasungen, Kaufungen, Breitenau), Lahngau, Neckargau und im Raum Lorch und Worms. Als er 1121, als der letzte seines Hauses, starb, war er der bei weitem mächtigste Graf in Hessen.

Graf Giso IV., Graf von Gudensberg (1121-1122)

Ab 1099 tritt ein Graf Giso, der Sohn der Gräfin Mathilde, als Vogt des Klosters Hersfeld in Erscheinung. Durch seine Vermählung mit Kunigunde von Bilstein, einer Tochter Graf Ruckers II., war Giso an diesen Besitz gelangt. Gleiches gilt für die Vogtei über das Kloster (den Stift) St. Florin in Koblenz, ebenso eine Erbschaft aus Bilsteiner Hand, wo er 1110 bezeugt ist. Giso IV. gehörte zu den Fürsten aus der Umgebung Kaiser Heinrichs IV., "die mit ihm alles berieten" (1108). Häufig taucht sein Name mit dem Werners IV. von Grüningen, ebenfalls ein für seine Kaisertreue gerühmter Graf, zusammen in Urkunden auf. Es ist stets eine Erklärung für die auffällig enge Beziehung der Werner und der Gisonen gesucht worden. Waren beide Familien aus salischem Hause, oder gab es andere verwandtschaftliche Beziehungen? Man hat vermutet, eine Tochter Werners hätte Giso IV. geheiratet. Dieser Weg führt aber ins Leere, denn von Werner IV. ist lediglich eine Tochter bekannt, die 1116 einem Adalbert von Kisslau angetraut wurde und vor 1121 erbenlos starb. Möglich erscheint hingegen eine ebenfalls unbewiesene Behauptung, eine Tochter Graf Werners III. hätte Graf Rucker II., also den Vater der Kunigunde von Bilstein geehelicht. In der Auseinandersetzung zwischen dem Erzbischof Adalbert von Mainz (1111 bis 1127) und Kaiser Heinrich V. (1106 bis 1125) mag der Schlüssel liegen, der den späteren Erbgang an das Haus Thüringen erklärt. Noch im Jahre 1114 zog Giso als Anhänger des Kaisers gegen den Erzbischof Friedrich von Köln, einen Parteigänger Adalberts, und fügte dabei dem Kloster Grafschaft beträchtlichen Schaden zu. Danach finden sich keinerlei Hinweise auf kaiserliche Gefolgschaft mehr. Es muß ein Frontwechsel stattgefunden haben. Die Gründe sind unbekannt. Ein von Diefenbach und Henseling angenommener Gefolgschaftswechsel schon im Jahre 1070 durch Giso II. scheint dagegen abwegig, hätte dies doch für den kaisertreuen Gisonen den Lehensentzug durch Mainz während der Auseinandersetzung Adalberts mit Heinrich V. zur Folge haben müssen. Sicher ist, daß durch Giso und Werner etwa im Zeitraum zwischen 1115 und 1118 alle Reichsgüter in Ober– und Niederhessen dem Erzbistum Mainz als Lehen angetragen wurden und damit Adalbert zufielen. Dieser eigenmächtige Wechsel der Oberherrschaft war ein Affront gegen das Königshaus. Eine militärische Kraftprobe blieb jedoch aus. Erzbischof Adalbert war damit seinem Ziel, ein möglichst geschlossenes, bischöfliches "Kirchenland" zu bilden, einen großen Schritt näher gekommen. Als eindeutiger Kaisergegner und Parteigänger Mainz' ist Giso 1121 belegt. In diesem Jahr bezeugt er die Verleihung des Mainzer Stadtprivilegs durch den Erzbischof. 1110 heiratete Hedwig, Tochter Gisos und Kunigundes, den Grafen Ludwig I. von Thüringen. Am 22. Februar 1121 (bei Landau 322 am 25.1.1122) starb Werner IV. von Grüningen kinderlos und damit auch ohne männlichen Erben. Noch im selben Jahr nennt sich Giso IV. "comes de Udenesberc", Graf von Gudensberg, und tritt so offensichtlich in die Erbfolge ein. Ob nun Kunigunde, die Gattin Gisos, durch die Bilsteiner Ansprüche die Grafen Werner beerbte, also das Amt des Reichsbannerträgers und die Grafschaft Maden–Gudensberg an Giso brachte, ist ebenso ungeklärt, wie der Hinweis auf Mainzer Besitzansprüche aus einer Schenkung des letzten Werner. Am 12. März 1122 verstarb schließlich auch Graf Giso IV. von Gudensberg.

Landgraf Heinrich Raspe I., Graf von Gudensberg (1122-1130 )

Die Grafen von Gudensberg (die Gisonen genannt) waren eines der mächtigsten hessischen Grafengeschlechter . Diese starben aber 1122 im Mannestamm aus. Fraglich ist, ob er 1122 die Tochter des letzten Grafen Giso IV. heiratete. Sollte nun Heinrich wirklich irgendeine Hedwig geheiratet haben, so kann ihn diese Verbindung niemals zum Grafen von Gudensberg, als der er 11?? bezeugt ist, und auch nicht zum Reichsbannerträger, beides aus Wernerschem Erbteil, gemacht haben. Es darf nicht vergessen werden, daß die Raspes als Zweitgeborene bis zum Ende des 12. Jahrhunderts stets als Sachwalter Thüringens in Hessen gelten und nicht als dessen Eigentümer. Heinrich verstarb 1130.

Landgraf Ludwig I. (1130-1140)

Ludwig I. hatte zusammen mit seinem Bruder Udo, dem Bischof von Naumburg, 1138 die Wahl des Staufers Konrad zum deutschen König unterstützt. Diese Verbindung zu den Staufern zu festigen, war sicher auch Hintergrund der Verlobung seines Sohnes und Nachfolgers mit der Nichte König Konrads, Jutta. Er starb am 12. Januar 1140 und wurde im Stammkloster der Ludowinger, Reinhardsbrunn, beigesetzt. Seine Ehefrau Hedwig von Hollende, Tochter Graf Giso's IV., die er 1110 heiratete, starb 1148 und wurde ebenfalls in Reinhardsbrunn beigesetzt.

Landgraf Ludwig II. "der Eiserne" (1140-1172)

In der Herrschaftszeit des ludowingischen Landgrafen Ludwigs II. von 1140 bis 1172 wurden wichtige Grundlagen für den Bestand und Ausbau der Landgrafschaft Thüringen geschaffen: die Neugründung wichtiger Burgen, der Beginn eigener Münzprägung (z. B. ab etwa 1150 in Eisenach), erste Wappen, Aufbau einer Kanzlei und der Beginn einer systematischen Urkundenausstellung.
Gerade zwölfjährig wurde Ludwig II. am 2. Februar 1140 vom König Konrad III. auf einem Reichstag in Worms mit der Landgrafschaft Thüringen belehnt.
Sein Vater, Ludwig I., erster ludowingischer Landgraf von Thüringen seit 1131, war am 12. Januar 1140 gestorben und im Stammkloster der Ludowinger, Reinhardsbrunn, beigesetzt worden.
Der heranwachsende Ludwig weilte während der Herrschaftszeit Konrads, des Onkels seiner Verlobten und späteren Frau Jutta, oft am Hof des Staufer-Königs. Dort und beim Erzbischof von Mainz sowie beim Bischof von Merseburg erhielt er wohl seine Erziehung. Das gute, enge Verhältnis zu den Staufern blieb auch während der ganzen späteren Landgrafenzeit Ludwigs II. erhalten. 1149 verkündete der junge thüringische Fürst auf dem Reichstag in Frankfurt das Hofgerichtsurteil zu Vogteifragen, was seine geachtete Stellung am Königshof beweist. 
Die jugendliche Unerfahrenheit und die häufige Abwesenheit des Landgrafen von Thüringen führte offenbar dazu, daß die thüringischen Adligen und Ritter die Bevölkerung übermäßig bedrückten, drangsalierten und den Landfrieden damit gefährdeten. Als Ludwig das erkannt hatte, griff er energisch durch, um seine landgräfliche Autorität und geordnete Zustände wiederherzustellen. 
Als Überlieferung finden sich diese Ereignisse in den Sagen vom Ruhlaer Schmied und vom Edelacker - die später Ludwig Bechstein in sein Thüringer Sagenbuch aufnahm - wieder. Dem Ruhlaer Schmied begegnet der junge Landgraf in der Sage eines Abends als er auf einem Jagdritt von der Dunkelheit überrascht wird und ein Nachtlager sucht. Ludwig gibt sich nicht als Landgraf zu erkennen und übernachtet in der Schmiede. Der Schmied flucht auf seinen Landesherren und verlangt von diesem Härte und Strenge, um dem Treiben der kleinen Adligen Einhalt zu gebieten: "Werde hart, Landgraf, werde eisern !" 
Ludwig nahm sich die Flüche des Schmieds zu Herzen und wurde der Eiserne Landgraf: Er verfolgte die Missetäter, setzte sie gefangen und ließ sie, vor einen Pflug gespannt, einen Acker umpflügen. So berichtet es jedenfalls die Sage vom Edelacker. Grabplatte Landgraf Ludwig II. "des Eisernen"
Auch die oben abgebildete Grabplatte zeigt Ludwig II. als eisenbewährt geharnischten Fürsten, der neben dem üblichen Schwert und Wappenschild noch einen Brustharnisch, einen Kettenpanzer für Haupt und Arme sowie einen Dolch trägt. 
1150 heiratete Ludwig II. dann die Stauferin Jutta von Schwaben, die Nichte König Konrads und Halbschwester des späteren Kaisers Friedrich I. Barbarossa. Um 1151 wird der Sohn und Nachfolger als Landgraf, der spätere Ludwig III., der Fromme, geboren. Ludwig II. war nun - nachdem König Konrad III. 1152 starb und Friedrich I. Barbarossa die Herrschaft übernahm - Schwager des deutschen Königs und ab 1155 des Stauferkaisers.
Neben den familiären Bindungen bestimmten auch gleiche machtpolitische und militärische Interessen die Beziehung zu seinem Schwager Kaiser Friedrich Barbarossa, mit dem Ludwig ein enges Vertrauensverhältniss bis zu seinem Tode verband.
Die gemeinsame Gegnerschaft zu den papsttreuen, stauferfeindlichen Erzbischöfen von Mainz, die als Erfurter Herren Konkurrenten der Ludowinger in Thüringen waren und den Welfen, die durch Heinrich den Löwen die ludowingischen Besitzungen in Hessen und Thüringen bedrohten, machten den ludowingischen Landgrafen und den Staufer-Kaiser auch zu politischen Verbündeten. 
Bei vielen militärischen und diplomatischen Unternehmungen sowie auf Reichstagen stand Ludwig II., der Eiserne seinem königlichen Schwager zur Seite. Der thüringische Landgraf begleitete Friedrich Barbarossa auf mehreren Kriegszügen - so gegen Polen 1157 und um 1170.
Ludwig nahm an den Italienfeldzügen des Staufers 1154, 1158 und 1161 bis zur Kapitulation Mailands im März 1162 und an den Verhandlungen in St. Jean de Losne im August 1162 teil. Ludwig soll dabei auch die Regentschaft über das nördliche Italien, die Lombardei, übernommen haben, während Kaiser Friedrich I. Barbarossa zeitweilig nach Deutschland zurückkehren mußte. 
Durch die ererbten Besitzungen der Ludowinger in Hessen und den erzbischöflich-mainzischen Besitz von Erfurt und Umland in Thüringen war das Verhältnis zwischen Ludowingern und Mainzer Erzbischöfen immer gespannt. 
1153 hatte Kaiser Barbarossa den staufer- und ludowingerfeindlichen Erzbischof Heinrich von Mainz durch seinen ehemaligen Kanzler Arnold ersetzt. Dieser wurde 1160 ermordet. Ihm folgte wieder ein papsttreuer Erzbischof, Konrad I., in Mainz und damit auch in Erfurt. 
Im ludowingischen Herrschaftsbereich war Landgraf Ludwig dadurch wieder in Auseinandersetzungen mit den Mainzer Erzbischöfen verwickelt, die 1165 im Niederreißen der Stadtbefestigungen des erzbischöflich-mainzischen Erfurt, und der Zerstörung der mainzischen Machtzentren Rusteberg und Horburg im Eichsfeld durch den Ludowinger gipfelten. 
Der thüringische Landgraf geriet auch noch früher als Stauferkaiser Barbarossa in kriegerische Konflikte mit dem Welfen-Fürsten Heinrich dem Löwen, der seine Besitzungen als Herzog von Bayern und Sachsen auch nach Thüringen in den ludowingischen Herrschaftsbereich hinein ausdehnen wollte. Ludwig II. der Eiserne stellte sich mit weiteren Adligen aus Mitteldeutschland gegen den Welfen - so daß es insbesondere 1166/67 zu schweren Kämpfen - wie der Belagerung von Haldensleben durch Ludwig II.- kam. 
1168 wurde - durch die Vermittlung Kaiser Friedrich Barbarossas - der Konflikt mit Heinrich dem Löwen zunächst erst einmal beigelegt. 
Durch den zielgerichteten Ausbau des thüringischen Burgennetzes sicherten die Ludowinger ihren Herrschaftsbereich systematisch ab.
Um 1160 begann auf der Wartburg der Bau des Palas in seiner bis heute erhaltenen Grundform: Untersuchungen haben ergeben, daß etwa zu dieser Zeit die Eichen für die Deckenbalken des Baus gefällt wurden.
Die Begründung der Runneburg in Weißensee durch die Ludowinger wird in den Reinhardsbrunner Jahrbüchern auf das Jahr 1168 datiert und Ludwigs Gemahlin Jutta zugeschrieben. Diese Tatsache findet sich auch in den sagenähnlichen Überlieferungen um die Runneburg wieder: Jutta begann die Errichtung der Burg während der Abwesenheit des Landgrafen auf dem Gebiet des Grafen von Beichlingen. Dieser beklagte sich beim König und beim Landgrafen. Ludwig heuchelte öffentlich Empörung über die Eigenmächtigkeit seiner Frau, teilte ihr aber insgeheim mit, sie solle zügig weiterbauen lassen. Auch der König gab dem Beichlinger grundsätzlich recht, unternahm jedoch nichts gegen seine leibliche Schwester, so daß die Runneburg ungehindert vollendet werden konnte. Schließlich mußte sich der Graf von Beichlingen damit zufrieden geben, daß der Ludowinger ihm das Gebiet um die Burg abkaufte. Damit war eine wichtige Burg im Zentrum des ludowingischen Herrschaftsgebietes zwischen der Wartburg im Westen und der Neuenburg an der Unstrut für die Ludowinger entstanden.
Nachdem Ludwig II. 1170 Creuzburg erworben hatte, begann er auch dort mit dem Bau einer nördlichen Schwesterburg der Wartburg.
1170 ließ Ludwig II. den Grafen Ernst II. von Gleichen - einen Verbündeten der Erzbischöfe von Mainz -, der in seine Hände gefallen war, kurzerhand enthaupten. 
Im gleichen Jahr nahm der ludowingische Landgraf dann an einem weiteren Feldzug des Stauferkaisers nach Polen teil. Zurückgekehrt erkrankte Ludwig der Eiserne schwer. 
1171 besuchte Kaiser Friedrich Barbarossa seinen Schwager Ludwig und seine Schwester Jutta auf der Neuenburg.
Dort ist Landgraf Ludwig II. dann auch am 14. Oktober 1172 gestorben. 
Ludwig wurde auch im Kloster Reinhardsbrunn, der ludowingischen Familiengrablege, beigesetzt, das in der Reformationszeit zerstört wurde und in den folgenden Jahrhunderten verfiel. Die oben abgebildete Grabplatte Ludwig II., des Eisernen Landgrafen, ist seit 1952 in der Georgenkirche in Eisenach aufgestellt. 

Landgraf Ludwig III. "der Fromme" (1172-1190)

Geboren wurde er 1151 oder 1152 als ältester Sohn Ludwigs II. des Eisernen von Thüringen und Juttas (Claricias), der Tochter Herzog Friedrichs II. von Schwaben. Er heiratete in erster Ehe Margarete, die Tochter des Grafen Dietrich II. von Cleve, ließ die Ehe wegen angeblich zu naher Verwandtschaft auflösen und wollte Sophie, die Witwe König Waldemars I. von Dänemark heiraten, doch verstieß er sie noch vor der kirchlichen Trauung. Er starb am 16.10.1190 kinderlos während der Rückkehr vom Kreuzzug auf dem Meer zwischen Akkon und Zypern. Die verweslichen Teile wurden in Zypern und die Knochen im Kloster Reinhardsbrunn beigesetzt. Sein Grabmal aus dem 14. Jahrhundert befindet sich heute in der Georgenkirche zu Eisenach. Wie schon sein Vater und Heinrich Raspe I., so teilte auch er die ererbte Herrschaft mit seinem Bruder Heinrich Raspe II. Jener übernahm die Grafschaft Hessen und die Besitzungen am Rhein, Ludwig III. in herzogsgleichem Rang die Landgrafschaft in Thüringen. Reichspolitisch setzte Ludwig III. im großen und ganzen die vom Vater und Großvater überkommene stauferfreundliche Haltung fort, landespolitisch kämpfte er zeitlebens um die Arrondierung und Vergrößerung seines zersplitterten Herrschaftsbereichs. So geriet er in militärische Konflikte mit den Askaniern, den Grafen von Tonna-Gleichen und Schwarzburg sowie mit den Erzbischöfen von Mainz und den Bewohnern der mainzischen Stadt Erfurt, dem Abt von Hersfeld und den Markgrafen von Meißen. Zunächst stand er auch auf Seiten des welfischen Herzogs von Bayern und Sachsen, des übermächtigen Heinrich des Löwen, doch 1179 findet er sich im gegnerischen Lager. Kaiser Friedrich Barbarossa belehnte ihn 1180 auf dem Reichstag von Gelnhausen mit der Pfalzgrafschaft Sachsen. L. besaß damit ein zweites Reichsfürstentum und Friedrich einen streitbaren und mächtigen Parteigänger gegen den Welfen. Trotz der Entmachtung Heinrichs des Löwen auf demselben Reichstag konnte jener kurz darauf in der Schlacht von Weißensee den Landgrafen und seinen Bruder Hermann gefangennehmen und für über ein Jahr festhalten. Nach dem Tod des Bruders Heinrich Raspe II. 1180 vereinte er auch dessen Besitzungen, veräußerte aber die weiter im Westen gelegenen Güter an den Erzbischof von Köln und verzichtete auf die Pfalzgrafenwürde zugunsten des Bruders Herrmann (1181). 1186 nahm er neben Barbarossa und zahlreichen anderen Rittern auf dem »Hoftag Jesu Christi« in Mainz das Kreuz und zog nach einigem Zögern 1189 über Brindisi auf dem Seeweg ins Heilige Land, wo er an den Kämpfen um Akkon teilnahm. Bereits von Krankheit gezeichnet trat er im selben Jahr die Rückreise an und verschied vor Zypern. Da er söhnelos verstarb, beerbte ihn sein jüngster Bruder Hermann I. mit der Landgrafschaft. Seinen Beinamen erhielt Ludwig III. erst im 14. Jahrhundert im ludowingischen Hauskloster Reinhardsbrunn.

Landgraf Hermann I., Pfalzgraf von Sachsen (1190-1217)

Hermann I. war Landgraf von Thüringen und Kunstmäzen zu Zeiten des Sängerkrieges" auf der Wartburg um 1206. Nach der Zerschlagung desLandgraf Hermann I. und seine Gattin Besitzes des Welfenherzogs Heinrich des Löwen erhält Ludwig III., Landgraf von Thüringen, auf dem Reichstag von Gelnhausen (April 1180) die Pfalzgrafschaft Sachsen vom Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa. Ludwigs Bruder Hermann wird der Pfalzgraf.
Nach dem Tode Ludwig III. auf dem dritten Kreuzzug wird Hermann 1190 auch Landgraf von Thüringen. Er verlegte den Hauptsitz der Ludowinger auf die Wartburg, die er zur landgräflichen Pfalzburg ausbauen ließ.
Hermann I. förderte als Mäzen der Minnesänger und Dichter die Kunst des Adels und der Ritter, was in der Überlieferung vom Sängerkrieg auf der Wartburg erhalten ist. Am Hofe Hermanns hielten sich berühmte Dichter der Zeit wie Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Heinrich von Veldeke auf.
In den Auseinandersetzungen zwischen dem Staufer Philipp von Schwaben, dem jüngsten Sohn Friedrich Barbarossas, und dem Welfen Otto IV. von Braunschweig, dem Sohn Heinrich des Löwen, nahm Hermann ständig wechselnde Positionen ein. Zwischen Staufern und Welfen wechselte er in zwölf Jahren siebenmal die Partei.
Hermann I. war zweimal verheiratet: seit 1182 mit Sophia, der Tochter des Pfalzgrafen von Sommereschenburg und Witwe des Grafen Heinrich von Wettin; ab 1196 mit Sophie, Tochter des Herzogs Otto I. von Bayern. Aus der ersten Ehe gehen die Töchter Jutta und Hedwig hervor, aus der zweiten Ludwig, Hermann, Heinrich Raspe IV., Konrad sowie Irmgard und Agnes.Landgraf Hermann I. von Thüringen
Sein Sohn und Nachfolger als Landgraf von Thüringen, Ludwig IV., war der Mann der Heiligen Elisabeth. Die Tochter des Königs von Ungarn kam schon 1211 zu Zeiten Landgraf Hermanns als Kind an den thüringischen Hof. Der Sohn Hermanns und Schwager der Heiligen Elisabeth, Heinrich Raspe IV., wiederum war der einzige Ludowinger, dem es gelang, ernsthaft in das Ringen um die deutsche Königskrone einzugreifen - wenn auch nur zwischen Mai 1246 und seinem Tod im Februar 1247 als Gegenkönig zu den Staufern Kaiser Friedrich II. und dessen Sohn Konrad.
Jutta, die älteste Tochter Hermanns, war mit dem Wettiner Dietrich dem Bedrängten, Markgraf von Meißen, verheiratet. Hermann I. unterstützte Dietrich bei der Verteidigung der Mark Meißen gegen Angriffe auf den wettinischen Besitz.
Der Sohn Juttas und Dietrichs, Heinrich der Erlauchte, vereinte später das ludowingische Erbe in Thüringen mit der Mark Meißen, dem Land der Wettiner.
Landgraf Hermann I. starb am 25. April 1217 in Gotha, seine Beisetzung erfolgte im Eisenacher Katharinenkloster.

Landgraf Ludwig IV. "der Heilige" (1217-1227)

Geboren am 28. Oktober 1200, ging Ludwig IV. allem als Gatte der Heiligen Elisabeth in die Geschichte ein.
1211 war Elisabeth, die Tochter des Königs Andreas II. von Ungarn und seiner Ehefrau, Gertrud v. Andechs-Meran, als Vierjährige an den thüringischen Landgrafenhof gekommen. Die ungarische Königstochter war ursprünglich als spätere Frau für Ludwigs älteren Bruder Hermann bestimmt gewesen, der aber schon 1216 starb. So ist Ludwig zusammen mit seiner späteren Braut am Hof des Vaters, Landgraf Hermann I., aufgewachsen. Nach dem Tode seines Vaters Hermann I. wurde Ludwig IV. 1217 Landgraf von Thüringen.
1221 fand die Vermählung Ludwigs IV. mit der vierzehnjährigen Elisabeth statt. Am 28. März 1222 wird ihr erstes Kind, Hermann II., auf der Creuzburg geboren.
Ludwigs Regierungspolitik ist vor allem von seinem Streben geprägt, die wettinische Mark Meißen in den Besitz der Ludowinger zu bringen.
Seine Halbschwester Jutta, Tochter seines Vaters Hermann aus erster Ehe, war mit dem Wettiner Dietrich dem Bedrängten, Markgraf von Meißen, verheiratet. Als dieser 1221 starb, riß Ludwig IV. die Vormundschaftsregierung für seinen minderjährigen Neffen Heinrich in der Mark Meißen an sich. Als Jutta den Grafen Poppo von Henneberg heiratete, erhielt Ludwig IV. seinen Anspruch auf die Mark Meißen weiter aufrecht. Er marschierte 1223 in die Mark Meißen ein und besetzte u. a. Leipzig. Erst 1224 werden die Streitigkeiten durch einen Friedensschluß auf der Neuenburg beigelegt, der Juttas Sohn Heinrich als zukünftigen Markgrafen von Meißen bestätigt.
Am 30. März 1224 wird das zweite Kind von Ludwig IV. und der heiligen Elisabeth, Sophie (spätere: von Brabant), auf der Wartburg geboren. 1226 wird Ludwig IV. von Kaiser Friedrich II. für den Fall, daß sein Neffe, der unmündige Markgraf von Meißen, Heinrich, stirbt, mit den wettinischen Besitzungen belehnt, so daß die Ludowinger in diesem Falle die Markgrafschaft Meißen übernommen hätten, wozu es aber nie kam. Als Gegenleistung mußte Ludwig dem Kaiser eine Teilnahme an dessen nächstem Kreuzzug zusichern.
Am 24. Juni 1227 bricht Ludwig IV., Landgraf von Thüringen, von Schmalkalden aus, zum Kreuzzug mit Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen auf. Am 11. September des gleichen Jahres stirbt er auf diesem Kreuzzug vor der Küste von Otranto (Italien).
Da Hermann, Ludwigs Sohn, bei seinem Tod erst fünf Jahre alt war, übernahm dessen Bruder Heinrich Raspe IV. die Herrschaft über den Besitz der Ludowinger.
Knapp drei Wochen nach dem Tode Ludwigs wurde sein drittes Kind, die jüngste Tochter der Heiligen Elisabeth, Gertrud, am 29. September 1227 auf der Wartburg geboren.

Landgraf Heinrich Raspe IV. (1227-1247)

Um 1204 wurde Heinrich Raspe als zweiter Sohn des Landgrafen Hermann I. von Thüringen und der Prinzessin Sophie von Bayern aus dem Hause Wittelsbach geboren. Landgraf Hermann I. hatte noch weitere 7 Kinder aus zwei Ehen.Siegel Landgraf Heinrich Raspe IV.
Heinrich Raspe war der Schwager der Heiligen Elisabeth, die mit seinem Bruder Ludwig IV. verheiratet war. Dieser Bruder und Vorgänger als Landgraf, Ludwig IV., starb 1227 auf einem Kreuzzug Kaiser Friedrichs II.. Da Hermann, der Sohn Ludwigs und der Heiligen Elisabeth, erst fünf Jahre alt war, übernahm Heinrich Raspe IV. die Regentschaft in Thüringen.
1227-1240 erfolgte die Verwaltung der Thüringer Landgrafschaft formal noch gemeinsam mit dem dritten Bruder Konrad. Konrad wurde 1239 Hochmeister des Deutschen Ordens und starb 1240.
Heinrich Raspe IV. verdrängte Elisabeth mit ihrem Sohn Hermann und den Töchtern Sophie und Gertrud vom Thüringischen Fürstenhof. Die Heilige Elisabeth starb 1231 in Marburg. 1228 heiratete Heinrich Raspe IV. die Tochter des brandenburgischen Markgrafen Albrecht, Elisabeth. Bis 1234 unternahm Heinrich Raspe erfolglose Versuche, die ludowingischen Besitzungen in Hessen, in Auseinandersetzungen mit den Erzbischof von Mainz, auszubauen. Heinrich Raspe heiratete 1238 Gertrud, die Schwester Herzog Friedrich II. von Österreich. Da sein Neffe Hermann II. 1241, erst 19jährig starb, regierte Heinrich Raspe unangefochten bis 1247. 1241 heiratete Heinrich Raspe seine dritte Frau, Beatrix von Brabant und erwirbt sich Verdienste bei der Abwehr der Mongolenangriffe auf Deutschland. 
Er wurde 1242 von Stauferkaiser Friedrich II. als Reichsprokurator für dessen minderjährigen Sohn Konrad IV. eingesetzt. 1243 trat Heinrich Raspe wieder zurück und ließ sich durch eine Zuwendung von 25 000 Mark Silber für die päpstliche Partei gewinnen.
In diesem Jahr erfolgte auch die Eventualbelehnung seines wettinischen Neffen Heinrich (des Sohnes seiner Halbschwester Jutta und Dietrich des Bedrängten, Markgraf von Meißen) mit der Landgrafschaft Thüringen, da auch Heinrich Raspes dritte Ehe kinderlos war und blieb.
Durch eine von Papst Innozenz IV. initiierte - und wahrscheinlich auch finanzierte - Wahl wurde Heinrich Raspe am 22. Mai 1246 in Veitshöchheim bei Würzburg zum Gegenkönig. Da er durch die Stimmen dreier geistlicher Kurfürsten - der Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier - plus eigene Stimme, sowie anderen Vertretern des geistlichen Hochadels zum König erhoben wurde, ging der Ludowinger als "Pfaffenkönig" in die Geschichte ein.
Am 5. August 1246 besiegte Heinrich Raspe ein Heer des Stauferkönigs Karl IV. bei Nidda in der Nähe von Frankfurt a. M. mit einer Streitmacht, die durch schwäbische Grafen und Ritter und vor allem durch päpstliche Gelder verstärkt wurde. Obwohl der Ludowinger erste militärische Erfolge gegen die Stauferpartei erzielte, konnte er sich im Reich nicht durchsetzen, da er von den großen weltlichen Fürsten nicht gewählt und in der Folge auch nicht akzeptiert wurde. Nach vergeblicher Belagerung der Reichsstadt Ulm kehrte Heinrich Raspe im Winter 1246/47 nach Thüringen zurück, wo er auf der Wartburg am 16. Februar 1247 starb. Heinrich Raspe IV. sollte der letzte thüringische Landgraf aus dem Geschlecht der Ludowinger sein. Nach seinem Tod 1247 fiel die Landgrafschaft Thüringen an die Wettiner, die Markgrafen von Meißen. 

Landgraf Heinrich I. "das Kind von Brabant" (1244-1308)

Im Jahr 1247 wählten auf dem Landtag zu Maden die Hessen in treuer Ergebenheit und Liebe zu Elisabeth von Hessen (=die heilige Elisabeth) deren Enkel Heinrich, genannt das Kind von Brabant, gerade 3 Jahre alt, einstimmig zu ihrem Fürsten. Heinrich I. trat 1265 die Regierung an und machte Kassel zu seiner Residenz. Er war der erste hessische Landgraf und Stammvater des hessischen Fürstenhauses.

Landgraf Otto I. (1308-1328)

Landgraf Heinrich II. "der Eiserne" (1328-1376)

Angeblich führte Heinrich II. seinen Beinamen wegen seiner ungewöhnlichen Leibesfülle. Sein Name war angeblich so gefürchtet, daß ein Sprichwort überliefert ist: "Hüte dich vor dem Landgrafen von Hessen, willst du nich werden gefressen". Heinrich's einziger Sohn Otto starb frühzeitig, sodaß in der Regierung sein Neffe Hermann nachfolgte.

Landgraf Hermann II. "der Gelehrte" (1377-1413)

Geboren 1340 trat er die Nachfolge seines Onkels an. Er hatte schwere Kämpfe mit den Adligen zu bestehen, die ihn nicht als ihren Herren anerkennen wollten. 2000 Ritter, Grafen und Herren vereinigten sich zum sogenannten Sternerbund gegen ihn.

Landgraf Hermann II.

Landgraf Ludwig I. (1413-1458)

Landgraf Ludwig II. ( 1458-1471)

Landgraf Heinrich III. ( 1472-1487)

Landgraf Heinrich III.Landgraf Heinrich III. von Hessen

Landgraf Wilhelm II. "der Mittlere" (1488-1504)

Landgraf Philipp "der Großmütige" (1504-1567)

1518 vom Kaiser für mündig erklärt, saß Philipp als Siebzehnjähriger beim Reichstag in Worms dem 21 jährigen Kaiser Karl V. als HerrscherLandgraf Philipp über Hessen gegenüber. Nach der Eroberung Darmstadts durch Franz von Sickingen beteiligte er sich an dessen Niederwerfung 1522/23. Kurz darauf heiratete er Christine von Sachsen, Tochter Herzogs des Bärtigen, mit dem er in den Bauernkriegen die Aufstände Thomas Müntzers in Thüringen und andere im Raum Fulda und Bad Hersfeld unterdrückte. 1524 war er Anhänger Martin Luthers geworden, und nach den Beschlüssen des Reichstags von Speyer führte er noch 1526, nach der Homberger Synode, die Reformation in Hessen durch und gründete 1527 in Marburg die erste evangelische Universität. Dabei wirkte neben dem hessischen Hofprediger Adam Krafft auch der Straßburger Theologe Lambert von Avignon mit, der entscheidend die von Martin Luther abgelehnte Homberger Kirchenordnung prägte und erster Professor der Theologie in Marburg wurde und sich mehr und mehr an Zwingli anlehnte. Nicht nur die Klöster, sondern auch der Adel stemmte sich nachhaltig gegen die Reformation in Hessen, aber Philipp überwand mit erstaunlicher Zähigkeit den teils Jahrzehnte dauernden Widerstand gegen die Auflösung der Klöster. Er gründete zusammen mit anderen Fürsten 1531Münze Landgraf Philipp's des Großmütigen den Schmalkaldischen Bund und sorgte 1534 für die Rückführung des 1519 vertriebenen Ulrich von Württemberg. Doch 1540 kompromittierte er sich durch die mit seiner Mätresse Margarethe von Saale geschlossene Nebenehe. 1541 erlangte er zwar die Verzeihung des Kaisers und die Billigung der gegen Reichsgesetz verstoßenden Nebenehe, aber 1546 wurde er geächtet und im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 besiegt, gegen kaiserliches Versprechen gefangengesetzt und erst 1552 als gebrochener Mann freigelassen. Ursprünglich hatte er seinen befähigsten Sohn, Landgraf Wilhelm, zum Erben ganz Hessens eingesetzt, doch 1562 setzte er jeden seiner vier  Söhne zu Erben ein. Die von Philipp geschaffenen Seitenlinien Hessen-Marburg und Hessen-Rheinfels starben zwar bald aus, aber Hessen hat durch die Teilung in Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt über die Jahrhunderte hinweg eine nachhaltige Schwächung erfahren.

Landgraf Wilhelm IV. "der Weise" ( 1567-1592)

Wilhelm IV. war der Stammvater der Linie Hessen-Kassel nachdem Hessen unter seinen Brüdern und ihm in viLandgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kasseler Teile geteilt worden war. Unter ihm fiel Schmalkalden an Hessen-Kassel. Er starb am 25.8.1592.Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel

Landgraf Moritz "der Gelehrte" ( 1592-1627)

Nach dem Tode seines Vaters, Landgraf Wilhelm IV., "dem Weisen", am 25.8.1592, übernahm Moritz die Regentschaft. Mit seinem Amtsantritt wehte ein frischer Wind am Kasseler Hof: der junge Fürst war umfassend gebildet, (er sprach acht Sprachen) liebte wissenschaftliche Experimente und - das war in dieser Qualität neu - die schönen Künste. Moritz komponierte, dichtete, konnte in der Architektur mitreden und hatte eine Schwäche für das Schauspiel. Er war ein Freund großer Ritterspiele, Aufzüge und Allegorien.Landgraf Moritz
Um seine Pläne auch künstlerisch anspruchsvoll umzusetzen, verpflichtet der Landgraf Wanderschauspieler aus England an den Kasseler Hof und errichtet für sie den ersten deutschen Theaterbau, das "Ottoneum".
Da eine Theateraufführung ohne musikalische Umrahmung nach damaligem Verständnis nur schwer vorstellbar war, genoß die Hofkapelle in Kassel die besondere Förderung des Landgrafen; nicht ohne Erfolg wie die Nachwelt zu schätzen weiß, denn einer ihrer bekanntesten Repräsentanten war der Komponist und Organist Heinrich Schütz, ein ehemaliger Schüler des 1598 ebenfalls in Kassel gegründeten "Collegium Mauritianum". Auf Kosten des Landgrafen erfuhr Schütz in Venedig eine musikalische Ausbildung bei Giovanni Gabrieli und übernahm ab 1613 eine führende Rolle in der Kasseler Hofkapelle. 1615 wechselt Schütz allerdings an den kursächsischen Hof nach Dresden. Nicht ganz freiwillig: sein Gönner Moritz gab dem Drängen des sächsischen Kurfürsten nach, der mit dem Genie des jungen Meisters seinem Hof in Dresden mehr Glanz verleihen wollte.
Die kulturell bemerkenswerteste Leistung stellt zweifellos die Gründung des "Collegium Mauritianum" dar. Diese Bildungsstätte erhob den Anspruch, nach antikem Vorbild mit körperlicher Ertüchtigung, klassischer Bildung und musischer Unterrichtung der in vielen fürstlichen Höfen offenbar noch vorherrschenden "Rauflust, Völlerei und geistlosem Müßiggang" vorzubeugen. Daß allerdings auch Moritz diesem Anspruch nicht ganz gerecht werden konnte und gern der Versuchung der Maßlosigkeit erlag, beweist der triumphale Aufzug, den er im August 1596 Landgraf Moritz anläßlich der Taufe seiner ersten Tochter Elisabeth veranstaltete. Der Aufwand war enorm und für die damalige Gesellschaft durch das Mitführen von Kamelen exotisch und läßt sich nur mit der finanziellen Unbekümmertheit des Landgrafen und der damals noch gut gefüllten Staatskasse begründen: nach dem Muster italienischer Renaissance-Höfe begleiteten 185 kostbar kostümierte Mitglieder des Hofstaates und 50 Musiker sechs Festwagen. Auf den Festwagen befanden sich angeblich mythologische Gottheiten; so zum Beispiel eine nackte Fortuna, die "...so bloß und an den Augen verbunden". Ihr folgten der Wagen der Laster, von der "Wollust" gelenkt...". Beim eigentlichen Turnier ging es um ein Thema, das sicherlich mitten aus dem Leben gegriffen war: um "die Befreiung einer Königin, die auf einer Zauberinsel gefangengehalten wird...".
Der Vater von Moritz, der "weise" Landgraf Wilhelm IV. war nicht nur ein renommierter Gelehrter, sondern auch umsichtig in der Landesverwaltung und den Staatsfinanzen gewesen. Das sollte sich unter dem "gelehrten" Sohn, der jedoch keinerlei Sinn für die Wirklichkeit besaß, dramatisch ändern. Schon zu Beginn des 30jährigen Krieges hatte Moritz nicht nur das fürstliche Vermögen sowie den Kriegsschatz von 330.000 Gulden verschleudert, sondern darüber hinaus seinem Land eine Schuldenlast von einer Million Talern, gleichbedeutend mit rund 1,23 Millionen Gulden, aufgebürdet; - verzinsbar mit fünf bis sieben Prozent!Landgraf Moritz
In der Bibliothek in Kassel häuften sich alchimistische Bücher, mit deren Hilfe sich der Landgraf an der Kunst des Goldmachens versuchte. Vielleicht war es nicht nur wissenschaftliche Neugierde, sondern der letzte Versuch, die Pleite der hessischen Staatsfinanzen aufzuhalten, denn als Landgraf Moritz 1627 zurücktreten muß, ist Hessen-Kassel bankrott. Es kann angenommen werden, daß die Schuldenlast Hessen-Kassels im Jahre 1627 rund 2,5 Millionen Gulden betrug. Es war das Ergebnis der Regentschaft eines charakterlich wenig gefestigten Renaissance-Fürsten mit zu kleinen Ressourcen, großen Ansprüchen, zu geringer politischer Befähigung und mangelndem militärischen Sachverstand. Die Tragik der späteren wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Deutschlands bestand darin, daß es nach dem Westfälischen Frieden zu viele solcher Fürsten mit zu wenig Sachverstand und Verantwortungsbewußtsein gab.
Um die politischen Hintergründe des Rücktritts des Landgrafen Moritz besser verstehen zu können, muß die politische Entwicklung des Landes Hessen nach der Landesteilung durch Landgraf Philipp berücksichtigt werden: eine wichtige Rolle spielte dabei der Streit der hessischen Linien in Kassel und Darmstadt um das Erbe des verstorbenen Landgrafen Ludwig von Hessen-Marburg. Dieser Streit hatte seine Wurzeln in der 1568 durch Landgraf Philipp testamentarisch festgelegten Landesteilung Hessens unter seine vier Söhne. 1604 starb die Linie Hessen-Marburg aus. Laut Testament fiel das Erbe des verstorbenen Landgrafen Ludwig IV. von Hessen-Marburg zu gleichen Teilen seinen Neffen in Kassel und Darmstadt zu. Es wurde aber zur Bedingung gemacht, daß der lutherische Glaube im Fürstentum erhalten bleiben sollte. Die Aufteilung des Landes erfolgte durch einen Schiedsspruch der Räte: Moritz erhielt den Norden mit Marburg zugewiesen, während die Darmstädter Verwandten den Süden des Landes mit der Festung Gießen erhielten. Trotzdem entstand um das Testament und seine Auslegung ein langjähriger Streit zwischen Darmstadt und Kassel, der letzten Endes in den Jahren 1645 bis 1648 sogar in dem sogenannten "Hessenkrieg" seinen leidvollen Höhepunkt fand.
Der Kasseler Landgraf Moritz, ab 1605 selbst Calvinist, besaß zwar eine außerordentliche Bildung, aber kein Gespür für politische Entscheidungen. Bei seinen Bemühungen um das Erbe verstieß er mit dem Versuch, calvinistische Einflüsse geltend zu machen, gegen die Konfessionsgarantie des Marburger Landesteils und machte sich damit auch die lutherische Geistlichkeit seines Landes zum Gegner. Das gab den Darmstädter Verwandten den willkommenen Anlaß, ganz Oberhessen für sich zu fordern. Im Streit um das Erbe suchten die Darmstädter Landgrafen Unterstützung beim katholischen Kaiser, während sich Hessen-Kassel mit dem calvinistischen Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz verbündete. Ein folgenschwerer Fehler für den Landgraf von Hessen-Kassel, wie sich herausstellen sollte: denn erstens hatte der Landgraf von Hessen-Darmstadt, Ludwig V., mit einer Anfechtungsklage beim kaiserlichen Reichshofrat Erfolg und zweitens nahm Friedrich V. entgegen aller Warnungen im Jahre 1619 die ihm angebotene böhmische Krone an und verstieß damit nach Meinung der Mehrzahl der deutschen Fürsten gegen Reichsrecht. In der Schlacht am Weißen Berg bei Prag wurde das böhmische Heer 1620 von den Kaiserlichen vernichtend geschlagen und der "Winterkönig", wie Friedrich nach der Dauer seiner Regierungszeit genannt wurde, mußte fliehen, wurde vom Kaiser geächtet, verlor seinen böhmischen Königstitel, den Kurtitel und sein Land.
Mit der Niederlage Friedrichs verlor auch Moritz nicht nur einen seiner wichtigsten Verbündeten im Kampf um das Marburger Erbe. Er setzte (politisch völlig blauäugig) auch weiterhin auf den geschlagenen Friedrich und erlaubte in den Jahren 1621/22 sogar dessen militärischen Führern, Graf Mansfeld und Christian von Braunschweig, "dem verrückten Halberstädter", den Durchzug ihrer Horden durch Hessen. Als diese dann auch noch nach der Eroberung Darmstadts den Landgrafen Ludwig und dessen Sohn gefangen nahmen, war die militärische Strafaktion der kaiserlichen Truppen gegen Hessen in Wien beschlossenen Sache. Moritz brachte es mit taktischem Unvermögen fertig, sich im Laufe der Jahre Kaiser, Nachbarfürsten, Familie und Untertanen zum Feind zu machen.
Um das Reichshofratsurteil von 1623 durchzusetzen, das ganz Oberhessen dem kaisertreuen Landgrafen von Hessen-Darmstadt zusprach, rückten Tillys Liga-Truppen in Hessen-Kassel ein. Es zeigte sich dabei mit aller Grausamkeit, daß das von Moritz nach Nassauer Vorbild organisierte System der Landesverteidigung nun völlig versagte; der Landgraf konnte fliehen, die Bevölkerung war der Soldateska hilflos ausgeliefert. Um die Plünderungen und Zerstörungen in Grenzen zu halten und Tilly zum Abzug zu bewegen, verhandelte die hessische Ritterschaft im Frühjahr 1625 direkt mit Tilly. Als der Landgraf den Rittern daraufhin Landesverrat vorwarf, gab es zwischen beiden keine Gemeinsamkeit mehr. Am 17.3.1627 wurde Moritz in einem Staatsakt im Kasseler Schloß von den Ständen zum Thronverzicht zugunsten seines Sohnes Wilhelm V. gezwungen. Er tat dies nicht, ohne vorher durch einen "Hausvertrag" die Versorgungsbasis seiner Frau Juliane und deren Kinder zu sichern: ein Viertel des Landes mußte sein Sohn und Nachfolger Wilhelm V. als sogenannter "Rothenburger Quart" an die Kinder aus der Zweitehe seines Vaters abtreten.
Natürlich kann ein Landesfürst nach offizieller Meinung des Kasseler Hofes und nach allgemeiner Denkweise seiner Untertanen nicht solche Fehler gemacht haben wie sie Landgraf Moritz praktiziert hatte. Also mußte ein Sündenbock her, und dieser fand sich schnell in dem bei allen Ständen gleichermaßen verhaßten Günstling und Kanzleidirektor des abgesetzten Landgrafen Moritz, Dr. Wolfgang Günther. Am 12.12.1628 wird Günther in Ziegenhain hingerichtet. Der Prozeß gegen Dr. Günther war ein Schauprozeß wie in den besten Jahren des Totalitarismus der Neuzeit; formaljuristisch einwandfrei verurteilt, endete der unschuldige, aber unbequeme Angeklagte unter den Händen des Scharfrichters. Moritz seinerseits zog sich auf sein Schloß in Eschwege zurück, wo er am 17. März 1632 starb. Es entspricht völlig dem wirklichkeitsfremden Verhalten des Landgrafen, wenn er trotz selbstverschuldeter bankrotter Staatskassen ein verzögertes Salär von 20.000 Gulden bei seinem politischen Gegner, dem Kaiser, einklagte und forderte, daß der kaiserliche Feldherr Tilly diese Summe in Hessen (also bei seinem Sohn) eintreiben solle. Man könnte diese Haltung einfach als Borniertheit, Weltfremdheit und Verständnislosigkeit für die politische Wirklichkeit abtun. Daß sich aber diese für Moritz typischen Charaktereigenschaften bis zur Perversion "kultivieren" lassen, läßt sich aus der Tatsache ableiten, daß seine Frau Juliane soviel Kapital "gerettet" hatte, daß sie es mit entsprechenden Zinssätzen an die hessischen Stände auslieh.
Das Ende der Amtszeit des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel stellt einen politischen, wirtschaftlichen und moralischen Tiefpunkt in der Geschichte Hessens dar.

Landgraf Wilhelm V. "der Beständige" (1627-1637)

Anfang des 17. Jahrhunderts stürzte der Landgraf Moritz das Land Hessen-Kassel durch sein fehlendes Verständnis für die politischenLandgraf Wilhelm V. Wirklichkeit, seine großzügige Finanzpolitik und sein mangelndes diplomatisches Geschick in ein wirtschaftliches Chaos. Auf Drängen der Stände mußte Landgraf Moritz im Jahre 1627 zu Gunsten seines Sohnes Wilhelm V. abdanken. Wilhelm V. trat ein chaotisches finanzielles Erbe an und mußte im September 1627 zugunsten seiner Darmstädter Vettern auf Oberhessen verzichten. Hessen war endgültig bankrott.
Wilhelm V., "der Beständige", übernahm von seinem Vater ein wirtschaftlich ruiniertes, total verschuldetes, militärisch besiegtes und damit politisch bedeutungsloses Land. Die diplomatischen und militärischen Fähigkeiten Wilhelms V. und die seiner ebenso befähigten Gemahlin Amalie Elisabeth haben Hessen in der zweiten Hälfte des 30jährigen Krieges wieder politische Anerkennung gebracht. Die schwere militärische Niederlage des schwedischen Heeres im Jahre 1634 gegen die vereinigten kaiserlichen und spanischen Truppen bei Nördlingen stellte einen Wendepunkt in der strategischen Zielstellung Wilhelms dar. Ein Bündnis, das Wilhelm V. als Konsequenz der Niederlage seiner bisherigen schwedischen Verbündeten mit Frankreich einging, veranlaßte den Kaiser, den Landgrafen zum Reichsfeind zu erklären. Kaiserliche Strafaktionen zwangen Wilhelm, sich mit seiner Familie und dem Rest seiner Truppen nach Friesland zurückzuziehen, wo er am 1. Oktober 1637 starb.

Landgräfin Amalie Elisabeth ( 1637-1650)

Als die Witwe des Landgrafen von Hessen-Kassel und Mutter von zwölf Kindern 1637 die Regentschaft übernahm, durchlebte das Land Hessen die schwersten Kriegsjahre seiner leidvollen Geschichte.
Denn nachdem Landgraf Moritz 1627 abgedankt hatte, war Hessen bereits bankrott. Die von ihm angestrebte "Neutralität" hatte nicht verhindern können, daß von Norden die Banden des Herzogs von Braunschweig , des "verrückten Halberstädter", und von Süden die Truppen Wallensteins und Pappenheims Hessen überschwemmten. Auch als sich im Juli 1631 ihr Gatte, Wilhelm V., der Beständige, entschloß, sich mit den Schweden zu verbünden, konnte er nicht verhindern, daß die schwedischen Truppen mehrfach und willkürlich ziellos die Städte und Dörfer plünderten.
Im selben Jahr, in dem Amalie die Regentschaft übernahm, wurde Ferdinand III. zum Deutschen Kaiser gewählt. Gemeinsam mit seinem spanischen Verwandten, dem Kardinalinfanten , gelang ihm in der Schlacht bei Nördlingen der entscheidende militärische Sieg gegen die vereinigten protestantischen Heere. So erfolgreich der militärische Sieg auch war, so wenig aussichtsreich war der Frieden in Deutschland. Das spanische Heer hatte in dieser Schlacht seinen militärischen Höhepunkt erreicht, aber die spanische Monarchie brach zusammen. Ferdinand versuchte nun im Alleingang, die Macht des Hauses Habsburg in Wien aufrechtzuerhalten. Die Grundzüge seiner Politik waren bereits im Prager Frieden von 1635 festgelegt und im Laufe der Jahre von fast allen deutschen Fürsten unterschrieben. Alle hatten unterschrieben; - bis auf drei: der Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz , der kein Land mehr besaß und deshalb unbedeutend war; "der selbstsüchtige Gewalthaber Georg von Braunschweig-Lüneburg", der von Anfang an alles auf eine Karte gesetzt hatte und Verbündeter Gustav Adolfs gewesen war; und der dritte war Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel. Wilhelm V. starb aber im Jahre 1637.
"Der Tod des Landgrafen hatte Ferdinand mit der Hoffnung erfüllt, daß dessen Witwe, die für ihren jungen Sohn die Regentschaft führte, nach Frieden trachten werde. Er hatte seine Rechnung ohne die unbezähmbare Persönlichkeit der Landgräfin gemacht. Eine Enkelin Wilhelms des Schweigers und selber regierende Gräfin von Hanau, war Amalia Elisabeth eine Frau von ungeheurer Entschlossenheit und hohem Verstand. Sie hatte auch ihre Grundsätze. Sie war eine begeisterte Calvinistin, aufrecht und glaubenstreu; sie hegte auch ein starkes dynastisches Gefühl und hielt es für ihre Pflicht, den Besitz ihres Gemahls ihrem Sohn nicht um einen Viertelmorgen Landes vermindert, sondern wenn möglich vergrößert zu hinterlassen.
Die Regentin verweigerte sich, einen ihrer Meinung nach schmählichen Frieden mit dem Kaiser zu schließen und war entschlossen, ihre Stellung als unabhängige Verbündete Frankreichs zu wahren. Die Bedeutung Hessen-Kassels für die protestantische Partei, besonders für die Holländer und Franzosen, lag nicht allein in dem Gebiet um Kassel, sondern in dem großen Besitzanteil in Ostfriesland. Dazu kam, daß Wilhelm V. ein fähiger Feldherr war und seiner Witwe ein gut ausgerüstetes, schlagkräftiges Heer hinterlassen hatte; die gerettete Armee war das eigentliche Kapital, das er ihr hinterließ.
Amalie Elisabeth vermutete zu Recht, daß Richelieu ihre Witwenschaft dazu ausnutzen würde, sie in politische Abhängigkeit zu bringen und ihr kleines, aber schlagkräftiges Heer für seine eigenen Interessen zu benutzen. Mit der ihr nachgesagten Schlauheit ließ sie sich scheinbar vom Kaiser dazu überreden, mit ihm wenigstens einen Waffenstillstand abzuschließen. Die List glückte, denn Richelieu, der auf Hessen als politische Führungsmacht nicht verzichten wollte und auf dessen Heer nicht verzichten konnte, beeilte sich, Amalie Elisabeth Bedingungen anzubieten, die noch günstiger waren, als diejenigen, die er früher ihrem Gemahl angeboten hatte. In rascher Folge unterzeichnete sie nun Bündnisverträge mit dem König von Frankreich und dem Herzog von Braunschweig-Lüneburg - und brach dann kaltblütig ihre Verträge mit dem Kaiser. Dieser hatte, aus ihrem politischen Blickwinkel betrachtet, für sie seine Aufgabe erfüllt. Amalie Elisabeth "hatte nicht den geringsten Anspruch auf das Verdienst, an Deutschlands Unversehrtheit gedacht zu haben oder dafür eingetreten zu sein. Sie besaß gesunde Grundsätze, war aber nicht von übertriebenen Bedenken geplagt."
Mit ihren calvinistischen Grundsätzen war es Amalie Elisabeth mit Energie und diplomatischem Geschick gelungen, Hessen-Kassel erneut zur politischen Führungsmacht im deutschen protestantischen Lager zu machen. Eine geschickte Heiratspolitik der Landgräfin festigte diese Führungsrolle: die älteste Tochter heiratete Herzog Karl von Tremouille, den hugenottischen Neffen des Marschalls Turenne; die zweite Tochter ehelicht Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz, den Sohn des "Winterkönigs"; ihr Sohn, Wilhelm VI., der dann im Herbst 1650 die Regierung übernahm, wurde mit Sophie von Brandenburg vermählt.
Die Landgräfin von Hessel-Kassel hatte sich nach ihrem Amtsantritt nie als Ableger eines kaiserlichen Machtapparates betrachtet, aber auch nicht als eine abhängige Verbündete ausländischer Invasoren. Amalie Elisabeth war wohl die erste Persönlichkeit im Reich, die klar erkannte, daß die Reduzierung der politischen Positionen auf Glaubensfragen nicht die Einmischung ausländischer, besonders französischer Interessen verhindern wird. Sie legte deshalb im Jahre 1635 einen Plan zur Bildung einer deutschen Partei vor, der allerdings besonders durch die ablehnende Haltung des damals einflußreichsten Repräsentanten antifranzösischer Einflüsse, Bernhard von Sachsen-Weimar , verworfen wurde. 
Die in diesen Jahren intensiven Kontakte der Landgräfin Amalie Elisabeth zu Bernhard von Sachsen-Weimar beunruhigten Frankreich sehr. Immerhin besaß Hessen ein eigenes Heer und Bernhard, obwohl militärisch mit Frankreich verbunden, legte nach dem Fall Breisachs in seinem Verhalten gegenüber Richelieu offene Feindseligkeit an den Tag. Auch Amalie Elisabeth war entschlossen, ihre Stellung als unabhängige Verbündete gegenüber Frankreich zu behaupten. Bevor es zu der vermuteten ehelichen Verbindung kam, starb Bernhard am 19. Juli 1639 in Neuburg im Alter von 35 Jahren. Er bekam plötzlich wiederholte Fieberanfälle und starb in wenigen Tagen. Der Tod Bernhards von Sachsen-Weimar war für Richelieu ein Glücksfall. Das Gerücht, daß er im Auftrage Frankreichs von seinem italienischen Arzt vergiftet wurde, hielt sich hartnäckig und bestätigte für alle, die es so sehen wollten, seinen Ruf als deutscher Patriot.
Amalie Elisabeth hatte mit ihren in den Jahren 1639/40 geschlossenen Bündnisverträgen erreicht, daß Hessen-Kassel als selbstständige kriegsführende Macht anerkannt wurde. Ihr kleines Heer hatte in Westfalen und am Niederrhein militärische Erfolge zu verzeichnen, so daß sich die Landgräfin stark genug fühlte, den im Jahre 1627 geschlossenen Vertrag mit ihren Darmstädter Verwandten aufzukündigen. Ihre Absicht, Oberhessen, die Niedergrafschaft Katzenelnbogen und die Herrschaft Schmalkalden zurückzuerobern war klar, nur die formale Begründung fehlte, um diese Absicht auch militärisch durchzusetzen. Die Art und Weise, wie Amalie Elisabeth diesen Schritt diplomatisch, rechtlich und publizistisch vorbereitete, nötigt größten Respekt ab. Nicht umsonst gesteht ihr Schiller "Weisheit, Standhaftigkeit, Verstand und Mut" zu.
Nachdem sich die Landgräfin im August 1639 und im März 1640 den Beistand Frankreichs und Schwedens gesichert hatte, "kaufte" sie Rechtsgutachten von elf juristischen Fakultäten aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden ein. Die Rechtslage schien seit 1623 klar, denn seit dieser Zeit existierte ein Reichshofratsurteil, demzufolge der Anspruch Hessen-Darmstadt auf das ganze Marburger Erbe rechtens sei. Die von Amalie Elisabeth in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten bestätigten ihr allerdings, daß der Hauptakkord von 1627 sowohl aus formalen Mängeln (es fehlte eine Unterschrift), als auch aus naturrechtlichen Gründen wegen seiner maßlosen Forderungen nichtig war.
Noch im gleichen Jahr 1644 erneuerte sie den 1614 bestätigten Erbverein mit Brandenburg und beauftragt im Mai 1645 ihren General Johann Geyso im Zusammenwirken mit den Franzosen unter Marschall Turenne und den Schweden unter Graf Königsmark mit der Wiedereroberung Oberhessens. Am 6. März 1645 marschierten die Kasseler Truppen in Oberhessen ein. Die kampferprobte Kasseler Armee war den Truppen des Landgrafen Georg II. eindeutig überlegen. Damit wurde der "Hessenkrieg" eröffnet, der letzte erbitterte Krieg um das Marburger Erbe, den das ausgeblutete Volk in dem zerstörten Land über sich ergehen lassen muß. Bei diesem Krieg ging es nicht allein um das an die Darmstädter Vettern verlorene Land, es ging auch um strategische Positionen bei den in Münster und Osnabrück beginnenden Friedensverhandlungen.
Seit 1644 wurden Friedensverhandlungen zwischen dem Kaiser und Frankreich in Münster und dem Kaiser und Schweden in Osnabrück geführt. Die politischen Interessen der Landgräfin vertrat bei diesen Verhandlungen seit 1638 der hessische Diplomat Reinhard Scheffer. Trotz Unterstützung durch schwedische und französische Diplomaten konnten die Kasseler Gesandten die hochgesteckten Forderungen ihrer Landesherrin nicht voll durchsetzen. Die Verhandlungen begannen sehr zäh. Ein Jahr lang beschäftigten sich die Gesandten unter anderem mit Fragen der Sitzordnung und Regeln der gegenseitigen Aufzählung und Anerkennung gesellschaftlicher Titel. Jede Partei wollte sich die Option für weitergehende Ansprüche offen lassen, denn die kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa waren keineswegs abgeflaut: 1643 hatte Schweden Dänemark überfallen und weite Gebiete der Ostsee okkupiert; eine türkische Flotte landete auf Kreta, wodurch ein 25jähriger Krieg mit Venedig begann; - überall schwelte es. Erst als die Niederlande und Spanien einen Friedensvertrag schlossen, kam es auch zwischen den am deutschen Krieg beteiligten Parteien zum Friedensschluß, der als Westfälischer Friede in die Geschichte einging.
Am 24. Oktober 1648 unterzeichnete der Kriegsrat Reinhard Scheffer "Im Namen der Frau Landgräfin von Hessen-Kassel" in Osnabrück den vom Kaiser Ferdinand III. und Königin Christine von Schweden abgeschlossenen Friedensvertrag. Am gleichen Tag wurde in Münster der Parallelvertrag mit Frankreich unterzeichnet. Der 30jährige Krieg war damit formell beendet.
Es wird das Fazit gezogen: "Auf der Territorialkarte Hessens haben die drei Jahrzehnte Krieg nicht viel verändert. Es gibt weder Sieger noch Besiegte. Doch angesichts des erbärmlichen Zustands des Landes sind alle Verlierer. "Dem muß ergänzend hinzugefügt werden: nicht alle waren Verlierer, aber mit Sicherheit bezahlte das einfache Volk mit seinem Leben oder mit seiner vernichteten Existenz und war damit der wahre Verlierer; es gibt keine Hinweise darauf, daß ein Mitglied der landgräflichen Familie mit Gras im Mund verhungert aufgefunden oder von der Pest hinweggerafft wurde. Die Krankheiten der landgräflichen Familie beschränkten sich in der Regel auf durch Geilheit selbstverschuldete Syphilis.
Bemerkenswert sind übrigens die signifikanten Unterschiede der Bevölkerungsverluste in Stadt und Land: während in ländlichen Gebieten die Verluste der Bevölkerung oft zwischen 50 bis 90 Prozent betrugen, hat die Stadt Kassel alle Wechselfälle des Krieges unbeschadet und unzerstört überstanden. Die in dieser Zeit vom Kupferstecher und Verleger Matthäus Merian d. Ä. (1593 - 1650) selbst gestochenen Städtebilder sind ein Zeugnis dafür. Kassel scheint aber im Hessischen (neben Frankfurt am Main) eine Ausnahme gewesen zu sein; die mittelalterlichen Mauern konnten die übrigen Städte nur bedingt schützen.
Mit dem am 24. Oktober 1648 unterzeichneten "Westfälischen Frieden" wurde auch der ein halbes Jahr vorher vereinbarte "Einigungs- und Friedensvertrag" zwischen den beiden Teilen Hessens sanktioniert. Der "Hessenkrieg" war damit beendet. Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt verzichtete auf ein Viertel von Oberhessen mit Marburg. Außerdem mußte er auf alle bisher eroberten Territorien, darunter die von ihn annektierte Herrschaft Schmalkalden an Hessen-Kassel abtreten.
Der Westfälische Friede brachte Amalie Elisabeth neben der Anerkennung des Protestantismus in Hessen auch Landgewinn: Hersfeld und Schaumburg gehörten jetzt in ihr Machtbereich und die Anwartschaft auf Hanau war gesichert. Um ihr Heer zufriedenzustellen, erhielt sie außerdem eine halbe Million Taler zugesprochen. Zum Glück für die landgräfliche Kasse brauchte das Heer nicht "zufriedengestellt" werden: das hochgerüstete Heer blieb den Landgrafen von Hessen-Kassel auch nach dem Krieg als "armierter Reichsstand" erhalten. Es wurde gegen Zahlung von Subsidien vermietet und brachte der landgräflichen Kasse "mittelfristig erheblichen Gewinn". Man erinnert sich auch, was Schiller über dieses lukrative Geschäft hessischer Landgrafen und die "patriotischen" Gefühle ihrer hessischen Untertanen in seiner "Kabale und Liebe" schrieb: "...und HURRA schrien die Soldaten."
Im Februar 1649 macht der Landgräfin in Kassel kein geringerer als der spätere schwedische Thronfolger Karl Gustav von Zweibrücken die Aufwartung zum Friedens- und Siegesfest. Kurz darauf trifft der kaiserliche Chefgesandte Johann Maximilian von Lamberg in Kassel ein. Die Besuche unterstreichen das hohe Ansehen, das diese Landesherrin bei beiden Kriegs- und Verhandlungsparteien genoß.
Mit Banketten, Jagden und Feuerwerken wird auch am Hofe in Kassel das Ende des 30jährigen Krieges gefeiert; an reichgedeckten Tischen am Hofe in Kassel relativiert sich die Behauptung:"...angesichts des erbärmlichen Zustands des Landes sind alle Verlierer".
Am 25.9.1650 übertrug Landgräfin die Regierung auf ihren volljährigen Sohn Wilhelm VI. Kaum ein Jahr später am 3.8.1651 starb Amalie Elisabeth.

Landgraf Wilhelm VI. (1650-1663)

geb. 23. Mai 1629 in Kassel Landgraf Wilhelm VI. von Hessen-Kassel
gest. 16. Juli 1663 bei Haina (Jagdunfall) 
Regent 1637–1663. Dritter (einzig überlebender) Sohn und Nachfolger von Landgraf Wilhelm V. (1602–1637) und Amalie Elisabeth Gräfin von Hanau–Münzenberg (1602–1651). Vermählt 1649 mit Hedwig Sophie von Brandenburg (1623–1683), Tochter des Großen Kurfürsten. Er war der Begründer der hessischen Post.

Seine Witwe sollte bis zur Volljährigkeit des Thronfolger Wilhelm VII. das Land regieren. 

 

 

 

Landgräfin Hedwig-Sophie (1663-1677)

Anderthalb Jahrzehnte regiert die Witwe Hedwig Sophie mit großer Umsicht die Landgrafschaft Hessen-Kassel für ihren minderjährigen Sohn. Der Thronerbe Wilhelm VII. stirbt 1670, noch vor dem Erreichen der Volljährigkeit.

Landgraf Karl ( 1677-1730)

Karl war der Sohn von Wilhelm VI. von Hessen-Kassel und Hedwig Sophie von Brandenburg. Bis 1675 regierte seine Mutter als Vormund, bevor er die Regierung für die folgenden 55 Jahre übernahm.
Landgraf Karl
Unter seiner Herrschaft konnten die Folgen des Dreißigjährigen Krieges in der Landgrafschaft schneller überwunden werden als in anderen Regionen Deutschlands. Er trieb den Wiederaufbau des Heeres voran und setzte es unter anderem im Spanischen Erbfolgekrieg ein. Diese Politik blieb umstritten. Dieses System verbesserte die Finanzen, aber nicht den Wohlstand des Landes, und brachte den glänzenden Hof selbst in ausländische Familienverbindungen.

1685 erliess Karl die so genannte "Freiheitskonzession", die den aus Frankreich vertriebenen Hugenotten und Waldensern freie Ansiedlung sowie eigene Kirchen und Schulen zusicherte. In den nächsten Jahren kamen etwa 4000 der in ihrer Heimat verfolgten Protestanten nach Nordhessen und wurden beispielsweise in der Kasseler Oberstadt angesiedelt.

1699 gründete Karl die Stadt Sieburg (seit 1715 Karlshafen, heute Bad Karlshfaen) und siedelte auch dort Waldenser und Hugenotten an; er hatte vor, einen Kanal von Kassel über die Diemel dorthin zu bauen, welcher aber nie vollendet wurde und nur bis Hümme an der Esse verlief. Karl begann mit der Gestaltung des Bergparks Wilhelmshöhe am Habichtswald, im Westen von Kassel. Auf ihn geht insbesondere der Bau des Herkules zurück.

Karl war verheiratet mit Amalia von Kurland und der Vater des späteren schwedischen Königs Friedrich I.

Landgraf Friedrich I., König von Schweden ( 1730-1751)

Als Erbprinz von Hessen-Kassel und erfolgreicher Heerführer warb Friedrich nach dem Tode seiner ersten Frau Luise Sophie von Brandenburg um Ulrika Eleonora, die Schwester des schwedischen Landgraf Friedrich I., König von Schweden Königs Karls XII. Dieser hatte zeitlebens nicht geheiratet, wodurch seine Schwestern Hedvig Sofia und Ulrika Eleonora frühzeitig besondere Bedeutung für die Thronfolge bekamen. Beide heirateten deutsche Reichsfürsten. Die 'hessische Partei' hatte starken Rückhalt im Hochadel, der aber unter Karl XII. zunächst immer stärker marginalisiert wurde. Der Wortführer der 'holsteinischen' Partei war Georg Heinrich Görtz, der ab 1715 zum wichtigsten Berater Karls XII. avanciert war. Ulrika und Friedrich konnten 1718 nach dem Tod Karls XII. die Holsteiner umfassend zurückdrängen. Allerdings mußte zunächst Ulrika 1719 und nach ihrer Abdikation 1720 auch Friedrich weitreichende Zugeständnisse an Stände und Rat machen. Da die Krönung Friedrichs zugleich Element einer umfassenden Reformierung des schwedischen Staatswesens hin zu einer oligarchischen Adelsherrschaft (die sogenannte 'Freiheitszeit') war, ist für diese Sektion vor allem die Periode 1710-1720, von erster Werbung bis zur Krönung, von Interesse. Besonderes Augenmerk wird auf die Umstände der Werbung und der schwedischen Akzeptanz der Werbung gelegt werden müssen, stand neben politischen Erwägungen doch vor allem Friedrichs calvinistisches Bekenntnis im Fokus der Kritik. Das hauptsächliche Erkenntnisinteresse gilt freilich den hessischen und holsteinischen Parteien in Stockholm und in der Umgebung Karls XII., sowie deren Positionierung im Konflikt zwischen Ständen, Rat und monarchischer Parteiung, der seine Auflösung in der Krönung Friedrichs von ständischen Gnaden fand.

Landgraf Wilhelm VIII. ( 1751-1760)

Wilhelm VIII. war ursprünglich garnicht fürdie Regierung der Landgrafschaft Hessen-Kassel vorgesehen.  Er war nur der zweitälteste Sohn Landgraf Friedrichs I., womitLandgraf Wilhelm VIII. er in der dynastischen Rangfolge erst nach seinem Bruder Friedrich II. gefolgt wäre. Friedrich war jedoch schon König von Schweden und regierte Kassel von Stockholm aus. In Kassel wurde er von seinem jüngeren Bruder Prinz Wilhelm, dem späteren Landgrafen Wilhelm VIII. vertreten. Nachdem er sich als junger Mann in den Diensten seiner oranischen Verwandtschaft in Holland und Flandern mit der niederländischen Malerei auseinandersetzte wurder er zu einem der besten Kenner dieser Materie. Mit kennerischem Weitblick kaufte er Bilder überwiegend holländisch-flämischer Maler zusammen, die heute eine bedeutende Sammlung in Kassel bilden.

 

 

 

 

 

 

Landgraf Friedrich II. ( 1760-1785)

Friedrich wurde am 14. August 1720 in Kassel als einziger Sohn des Landgrafen Wilhelm VIII. geboren. Nach Erziehung und Schulen in Genf und Lausanne heiratete er 1740 Maria, diLandgraf Friedrich II.e Tochter des englischen Königs Georg II.. Danach kämpfte er für Kaiser Karl VII. Albrecht im österreichischen Erbfolgekrieg und konvertierte zum katholischen Glauben. Daraufhin trennte sich seine Frau mit seinen drei Söhnen von ihm und sein Vater befahl in der hessischen Assekurationsakte von 1754 Friedrich, die protestantische Religion in Hessen unangetastet zu lassen und gab Maria und den Kindern die Grafschaft Hanau, die von Hessen-Cassel getrennt wurde. Friedrich sah seine Frau und Kinder für viele Jahre nicht mehr. Im folgenden siebenjährigen Krieg schlug sich Friedrich auf die Seite Preußens und kämpfte in der preußischen Armee bis zum Ende des Krieges mit. 1760 wurde Friedrich Landgraf von Hessen-Cassel und unternahm einige erfolglose Versuche, die Grafschaft Hanau wieder mit Hessen-Cassel zu vereinigen, die aber am Widerstand Großbritanniens und den evangelischen Ständen scheiterten. Nach dem Krieg begann in Kassel eine rege Bautätigkeit, die der Landgraf unterstützte und förderte. Er siedelte Industrie und Manufakturen in Hessen an, er holte Künstler und Gelehrte nach Kassel. Das erste frei zugängliche Museum des europäischen Festland, das Fridericianum entstand 1779.

Das Geld für diese kostspieligen Unternehmungen beschaffte sich Friedrich durch die für diese Zeit geläufige Vermietung von Soldaten an andere Staaten, vorrangig an Großbritannien. England benötigte Truppen für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und Friedrich, sowie andere deutsche Fürsten lieferten König Georg III. über 20.000 Söldner für den Krieg in Amerika. Hierfür schloss Friedrichs Minister von Schlieffen mit England Verträge ab, die Friedrich zu einem der reichsten Fürsten Europas machten.
Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel
Der so genannte Soldatenhandel macht den Fürsten bis in die Gegenwart hinein zur Zielscheibe von Kritik, hierbei wird außer Acht gelassen, dass sowohl andere Feudalherren der Zeit, aber auch die demokratisch regierte Schweiz vergleichbar vorgingen. Die nähere Betrachtung der finanziellen Konditionen unter denen die hessischen Truppen in Nordamerika eingesetzt wurden, belegt, dass für dauerhaft beschädigte, gefallene oder gestorbene Soldaten Zahlungen an Hessen fällig wurden, die zum Teil in mildtätige Stiftungen liefen welche bis zur Inflation der 1920er Jahren Bestand hatten.

Tatsächlich war der so genannte Soldatenhandel wirtschaftlichen und militärischen Zwängen geschuldet. Hessen war in Folge seiner Zentrallage auf ein starkes Heer angewiesen, konnte jedoch wegen der nicht überwundenen Verwüstungen des Siebenjährigen Krieges, der gerade auf hessischem Territorium tief greifende Schädigungen des Wirtschaftslebens gezeitigt hatte, aus eigenen Mitteln nur schwerlich die benötigte Truppenstärke unterhalten. Die Anwerbung der Truppen durfte auf Friedrichs Befehl hin nicht unter Zwang oder Gewaltanwendung erfolgen und versprach für viele hessische Freiwillige ein sicheres Auskommen.

Wegen des große Anteils hessischer Soldaten an den britischen Hilfstruppen, ist in den Vereinigten Staaten von Amerika bis heute die Bezeichnung Hessians für alle deutschen Hilfstruppen des Unabhängigkeitskrieg gebräuchlich.

Im Jahre 1785 starb Friedrich überraschend an einem Schlaganfall und hinterließ seinem Nachfolger Wilhelm IX. nach 25 jähriger Regentschaft ein gefülltes Staatssäckel.

Landgraf Wilhelm IX. (1785-1803) = Kurfürst Wilhelm I. ( 1803-1821)

Wilhelm wurde am 3. Juni 1743 als Sohn des Landgrafen Friedrich II. in Kassel geboren und übernahm 1764 die Regentschaft in der GrafschaftLandgraf Wilhelm IX., Kurfürst Wilhelm I. Hanau-Münzenberg. 1785 folgte er als Wilhelm IX. (1785-1803) seinem Vater in der Landgrafschaft Hessen-Kassel nach und nahm 1793 auf der Seite Preußens am 1. Koalitionskrieg gegen das revolutionäre Frankreich teil.
Die Kurwürde erhielt Wilhelm IX. durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 als Entschädigung für den Verlust der linksrheinischen Gebiete und wurde damit von da an als Kurfürst zum Wilhelm I. (1803-1821).
1806 ging Wilhelm ins Exil, um der Besetzung Hessen-Kassels durch die Franzosen zu entgehen; im Frieden von Tilsit wurde sein Land 1807 dem Königreich Münze Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel Westphalen angegliedert, das Napoleons Bruder Jérome Bonaparte regierte. 1813 kehrte Wilhelm nach Kurhessen zurück. Er verabschiedete 1817 eine Verfassung, übte eine reaktionäre absolutistische Herrschaft aus und finanzierte seine aufwendige Hofhaltung und sein großes Heer u. a. durch den Verkauf von Soldaten an England. Wilhelm starb am 27. Februar 1821 in Kassel. 

 

 

Kurfürst Wilhelm II. ( 1821-1847)

geb. 28. Juli 1777 in Hanau 
gest. 20. Nov. 1847 in Frankfurt a.M. Kurfürst Wilhelm II. von Hessen
Regent 1821–47. Ältester (2.) Sohn u. Nachfolger von Landgraf Wilhelm IX. (seit 1803 Kurfürst Wilhelm I.) von Hessen–Kassel (1743–1821) u. Caroline von Dänemark (1747–1820); vermählt 1) 1797 mit Augusta von Preußen (1780–1841), Schwester von König Friedrich Wilhelm III.; 2) (morganat.) 1841 mit Emilie Ortlöpp, cr 1821 Gräfin von Reichenbach–Lessonitz (1791–1843); 3) (motganat.) 1843 Carolina Fürstin von Berlepsch, cr Freifrau (1844: Gräfin) von Bergen (1820–1877). – Regiert ab 1831 unter Mitregentschaft seines Sohnes Friedrich Wilhelm (1802–1875

 

 

Kurfürst Friedrich Wilhelm I. ( 1847-1866)

21. August 1802 wird Prinz Friedrich Wilhelm in Hanau als Sohn von Erbprinz Wilhelm und Auguste, Tochter von König Friedrich Wilhelm II. von Preußen, geboren.
Kurfürst Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel
Im Oktober 1806 flieht Auguste mit Friedrich Wilhelm vor den heranrückenden Franzosen von Hanau nach Berlin. Erbprinz Wilhelm bleibt mit seinem Vater bis zum 1. November in Kassel. Danach ziehen sie sich nach Holstein zurück. Auguste bewohnt mit Tochter und Sohn als letzte verbliebene Hohenzollerin in Berlin Schlößchen Schönhausen. Erbprinz Wilhelm, inzwischen in Mecklenburg, vereint sich wieder mit seiner Familie in Berlin.

Der Kurfürst und Großvater des Prinzen übernimmt 1811 die Aufsicht über seine Erziehung und ernennt Major L. von Below zum Hofmeister des Prinzen. Von Below bleibt bis zum Tode des Kurfürsten (1821) in diesem Amt.

1813 kehrt die Familie in das befreite Hessen zurück. Auguste zieht mit den Kindern in das Rote Palais am Königsplatz. Erbprinz Wilhelm zieht als Oberbefehlshaber der Truppen nach Frankreich. Kurfürst Wilhelm I. übernimmt 1815 die alleinige Erziehung des Prinzen nach der Trennung der Eltern. Die Trennung wurde vor dem Volk geheimgehalten.Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel Am 1. Dezember geht Prinz Friedrich nach Leipzig in die Schar der akademischen Bürger. Er bleibt dort die nächsten 5 Jahre. Am 22. April 1819 wird er in Kassel konfirmiert. Im Herbst 1820 geht er endgültig von Leipzig nach Kassel zurück. Im November setzt Wilhelm Grimm, der Sekretär der fürstlichen Bibliothek, den Leipziger Unterricht fort, da der Kurfürst mit der Ausbildung des Prinzen nicht zufrieden ist.

Am 27. Februar 1821 stirbt der Kurfürst, sein Sohn Wilhelm II. übernimmt die Regentschaft und Friedrich Wilhelm wird Kurprinz. Am 31. Januar 1822 wird der Lakaie des Kurprinzen auf einem Maskenball mit einem Trunk vergiftet. Es wird vermutet, daß der Anschlag dem Kurprinzen galt. 1823 wird Friedrich Wilhelm von seinem Vater nach Marburg versetzt und von seinen Vertrauten getrennt. Die Differenzen zwischen Vater und Sohn beginnen zu eskalieren. Am 28. Jui 1824 wird er zum Oberst und Chef des 1. Infantrie-Regiments ernannt und kehrt am 21. Januar 1826 nach Kassel zurück, da ihm der Vater "allzugroßen Aufwand" vorwirft. Friedrich Wilhelm lehnt das Verhältnis zwischen seinem Vater und seiner Mätresse (Gräfin Reichenbach), die von Berlin mit ihm nach Kassel gekommen war, ab, überwirft sich mit dem Vater und verläßt Kassel in Richtung Berlin. König Friedrich Wilhlem II. gewährt dem Kurprinzen Schutz. 1827/28 übersiedelt er nach Koblenz und später nach Bonn, wo inzwischen auch Kurfürstin Auguste lebt. Dort entsteht auch sein erster Kontakt zur Bürgerlichen Gertrude Lehmann, der Stieftocher eines wohlhabenden Gutsbesitzers in Bonn. Bemühungen aus Berlin den Zwischt zwischen Vater und Sohn zu schlichten, scheitern ohne Erfolg. Berlin streicht daraufhin die finanzielle Unterstützung für den Kurprinzen. 1829 ziehen Friedrich Wilhelm und Gertrude nach Mainz und 6 Monate später nach Frankfurt. Am 21. September wird die Tochter Auguste Maria Gertrude unehelich in Frankfurt geboren. Sie heiratet 1849 Graf Ferdinand von Ofenburg .

1830 erleidet sein Vater in Karlsbad einen Schlaganfall. Friedrich Wilhelm reist zu ihm und versöhnt sich mit ihm. Gemeinsam kehren sie nach Kassel zurück. Am 5. September wird er zum Generalmajor ernannt. Im Oktober wohnen  Friedrich Wilhelm und Gertrude in Fulda. Am 22. Dezember wird Tochter Alexandrine Friederike Wilhelmine unehelich geboren. Sie heiratet 1851 Prinz Felix von Hohenlohe-Oehringen. Nach der Einwilligung des Vaters heiraten Friedrich Wilhelm und Gertrude heimlich. Am 30. September wird Friedrich Wilhelm zum Mitregent und übernimmt die alleinige Regierung und es folgt die Erhebung von Frau und Kindern in den Adelsstand. Gertrude wird Gräfin Schaumburg. Am 18. November 1832 wird der Sohn Friedrich geboren; er heiratet später eine Schauspielerin aus Kassel in England, kehrt aber später wegen Geldmangels zurück und muss sich scheiden lassen. Daraufhin folgte die Versetzung nach Fulda, wo er wieder eine Schauspielerin heiratet.

Die Kurfürstin ist nach langem Zögern im Jahre 1833 bereit, die Frau ihres Sohnes "ein für allemal" zu sehen.
Am 4. Mai 1834 wird Sohn Moritz geboren. Er wird diplomatischer Gesandter seines Vaters und verliebt sich in eine Hofdame, woraufhin sie entlassen wird und Moritz Kassel verlässt um in die preussische Armee einzutreten. Nach dem Tod des Vaters heiratet er seine Braut. Kurprinz Friedrich Wilhelm erhebt 1834 Erbansprüche als Landgraf Victor Amadeus von Hessen-Rotenburg als letzter seiner Linie stirbt. Diese Linie entsprang der zweiten Ehe von Landgraf Moritz dem Gelehrten.

Am 19. Dezember 1836 wird Sohn Wilhelm geboren. Auch seine Auserwählte war nicht standesgemäss, doch er beugte sich dem Willen seines Vaters und heiratete schließlich eine Prinzessin von Schaumburg-Lippe.

Am 22. August 1839 wird Tochter Marie geboren. Sie heiratet 1857 Prinz Wilhelm von Hessen-Philippsthal-Barchfeld. Am 29.November 1840 wird Sohn Karl geboren. Am 19. Februar 1841 stirbt die Kurfürstin. Am 8. Dezember 1842 wird Sohn Heinrich geboren. Im April 1843 besucht Friedrich Wilhelm seinen Vater in Frankfurt mit Frau und Kindern. Am 10. September 1844 wird Friedrich Wilhelm nach langem Zögern die Konzession zum Bau der Friedrich-Wilhelm-Nordbahn erteilt. Am 29. Dezember wird Sohn Philipp geboren. Am 20. November 1847 stirbt der Kurfürst in Frankfurt. Friedrich Wilhelm wird Kurfürst. Er weigert sich aber die Verfassung zu unterzeichnen und setzt eine Kommission ein, die sie überarbeiten soll.

Pariser Februarrevolution 1848; Zugeständnisse des Kurfürsten in einer Proklamation vom 7. März. Die Familie geht aus Sicherheitsgründen nach Wilhelmshöhe. Berlin verweigert die Bitte nach Unterstützung durch preußische Truppen. 1850 holt Friedrich Wilhlem den ungeliebten Hassenpflug aus preußischen Diensten zurück, um von der Union loszukommen. Wegen den fortgesetzten Unruhen zieht sich Friedrich Wilhelm mit seinen Ministern über Hanau nach Wilhelmsbad (bei Frankfurt) zurück. Hassenpflug verschärft das Kriegsrecht um die Unruhen einzudämmen. Die nun endlich von Preußen angebotenen Truppen werden argwöhnisch abgelehnt. Am 1. November rücken bayerische Truppen im Auftrag des Bundestages in Hessen ein. Preußen entsendet daraufhin ebenfalls Truppen, die Kassel und Fulda besetzen. Am 8. November stossen Vorposten von Preußen und der Bundestruppen bei Bronzell aufeinander. Am 27. Dezember zieht Friedrich Wilhelm unter preußischem Schutz wieder in Kassel ein, nachdem König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen den Bund anerkennt. Im Juli 1851 verlasen die Bundestruppen Kassel wieder, die hessische Armee kehrt in ihre Quartiere zurück. Am 14. April 1852 tritt die neue Verfassung, die vom preußischen Bundeskommissar von Uhden ausgearbeitet wurde, in Kraft. Die Anerkennung durch den Bund erfolgte allerdings erst 1860. Diese Verzögerung wurde hauptsächlich vom preußischen Gesandten von Bismarck in Frankfurt verursacht.
Am 2. Juni 1852 Erhebung der Familie in den Fürstenstand (Fürsten von Hanau); später Anerkennung durch Kaiser Franz Joseph. Nach wiederholten Streitigkeiten dankt Hassenpflug am 16. Oktober 1855, noch bevor die neue Verfassung abgeschlossen ist, ab. Im Oktober 1857 erkrankt der König und sein Bruder Wilhelm übernimmt die Amtsgeschäfte in Preussen. Die kurhessische zweite Kammer widerruft im Herbst 1859 die Zustimmung zur Verfassung von 1852. Dies führt zu einer Verfassungskrise, die im Verlauf des Jahres und des nächsten Jahres zu drei Neuwahlen führt und zur sofortigen Auflösung des Landtages nach den Wahlen. 1862 übernimmt Bismarck die Leitung der Regierung in Preußen und unterstützt das Verfassungsgerangel in Kurhessen, was zur Wiederherstellung der Verfassung von 1831 führt. Österreich und Preußen drängen Friedrich Wilhelm zur Anerkennung der Verfassung von 1831. Preußen sammelt seine Truppen an der Grenze zu Kurhessen. Auf Drängen des deutschen Bundes erkennt Friedirch Wilhelm schließlich die Verfassung an und Preußen zieht seine Truppen zurück. Kurhessen beteiligt sich 1863 sehr am Bundesreformprojekt und am Frankfurter Fürstentag, allerdings nicht am Krieg gegen Dänemark (1864).
Am 18. Oktober findet eine prunkvolle Feier zum 50. Jahrestages der Rückkehr des alten Kurfürsten statt. Am 14. Juni 1866 stimmt Kurhessen gemeinsam mit Bayern und Österreich im Bundestag für die Mobilmachung der nichtösterreichischen und nichtpreußischen Truppen, um das Friedenswahramt des Bundes zu sichern. am 15. Juni fordert Preußen von Kurhessen den Austritt aus dem Bund und die Demobilisierung, anderenfalls würden preußische Truppen einrücken. Friedrich Wilhelm weist die Forderung zurück. Er zieht sich trotz der drohenden Gefahr nicht aus Kassel zurück. Preußische Truppen rücken am 19. Juni in Kassel ein und setzen den Kurfürsten und alle Minister am 21. Juni ab. Am 23. Juni wird Friedrich Wilhelm als Kriegsgefangener nach Stettin gebracht.
Am 17. August 1866 wird Kurhessen von Preußen annektiert. Friedrich Wilhelm unterschreibt nach langem Zögern und zähem Ringen mit sich und Preußen am 17. September die Verzichtserklärung auf Kurhessen. Nur das Schloß von Hanau bleibt ihm.

Im Dezember 1867 zieht er von Hanau nach Prag und erwirbt das Windischgrätschen Palais. Friedrich Wilhelm folgt den Spuren seines Grossvaters, der sieben Jahre in Prag lebte, ehe er wieder in Kassel einziehen konnte. Am 15. Februar 1869 wird das kurfürstlichen Vermögens durch Bismarck beschlagnahmt.

Am 6. Januar 1875 stirbt Friedrich Wilhelm in Prag. In seinem ersten Testament von 1856 hatte er verfügt, neben dem Grossvater in der Löwenburg beigesetzt zu werden, nachdem die Löwenburg an Preussen gefallen war, wollte er seine letzte Ruhe auf dem Totenhof neben seiner Schwester und seiner Mutter finden. Am 12. Januar wurde er auch dort beigesetzt.