Die Grebensteiner Landwehr bestand aus einem aufgeschütteten Wall, der durch den Aushub von zwei Gräben links und recht des Walles entanden ist. Der Wall wurde dann dicht mit Dornenhecken aller Art und Hainbuchen bepflanzt. Die Hecken wurden während des Wuchses abgeknickt, damit sie sich ineinander verhakten und undurchdringlich wurden.

Im hessischen Ständebuch von 1650 heißt es über die Landwehr:

"... tiefe mit Eichen bepflanzte Lanwehren mit breiten Gräben sowie fünf hochgebaute Warten, wo früher Wachen standen".

Die Landwehr mußte permanent gepflegt werden, was den Bürgern auferlegt worden ist, die die Hecken knicken mußten und Gräben pflegeten. Beschädigungen der Landwehr wurden schwer bestraft.

Schwierig zu lösen war immer die Frage der Durchlässe durch die Landwehr. Sie mußte trotzdem, dass man die Öffnungen gering halten mußte, an den Verkehrswegen unterbrochen werden. Dort wurden schwere Schlagbäume, die man Schlag oder Klappe nannte, angebracht, die nachts verschlossen blieben. Einer der Durchlässe hat and der Strasse nach Hofgeismar bestanden, wo sich an der Malstätte, die auf der Grenze lag, Landgraf Hermann von Hessen am 25. Juni 1383 mit Vertretern des Erzbischofes von Mainz traf, um mit ihm über strittige Punkte -die Landwehr betreffend- verhandelt. Dabei wurde aber keine Einigung erzielt. In einer Zeit in der Fehden unter den Adeligen im Diemelland an der Tageordnung waren, und sich diese mal dem einen, mal dem anderen Herren anschlossen war die Landwehr ein brauchbarer Schutz gegen feindliche Übergriffe.

Fast täglich gab es Übergriffe auf die Bauer und Kaufleute, die unterwegs waren. Das Zugvieh mußte auf den Feldern arbeiten und täglich die Ortschaften verlassen, um auf Felder und Weiden zu gelangen. Kaufleute waren mit ihren Handelswaren unterwegs von Ort zu Ort. Auf diese Beute und auf die Menschen, von denen in der Regel ein Lösegeld erpresst wurde, hatte man es abgesehen. Im Juli 1388 hatte der Ritter Konrad Spiegel zu Desenberg, mainzischer Amtmann und Landvogt in Hessen und Westfalen, von der Burg Schöneberg aus Schafherden aus den Gemarkungen von Immenhausen und Grebenstein geraubt und fortgetrieben. Dafür versprach er am 17.9.1388, nachdem der Landgraf Druck auf ihn ausgeübt hatte, als Sühne die Zahlung von 250 Gulden. 1424 erschien Landgraf Ludwig mit einem Heer vor Hofgeismar, nach der Amtmann Johann Spiegel mehrer Überfälle auf hessischem Gebiet unternommen hatte, der Herden weggetrieben und Menschen entführt hatte. Der Landgraf durchbrach die Landwehr, zerstörte einige Warttürme und berannte die Stadtbefestigung, wobei der in der Gemarkung viele Felder verwüstete.

Der Streit um die Landwehr mit der Stadt Hofgeismar zog sich über mehr als 150 Jahre hin. 1573 ließ Hofgeismar auf den Landwehr einige Eichen fällen, die in den Straßendamm bei den Kelzer Teichen eingearbeitet werden sollten. Dies nahmen der Bürgermeister und der Rat der Stadt Grebenstein zum Anlass und beschwerte sich in Hofgeismar, weil ihrer Meinung nach die Landwehr und deren Nutzung seit altersher den Grebensteinern gehöre, was die Hofgeismarer aber betritten.

1679 ist wiederum eine Beschwerde des Grebensteiner Rates überliefert, in der den Hofgeismarern vorgeworfen wurde, dass Hofgeismarer Bürger mit Erlaubnis des Rates unrechtmässig Holz gefällt und entwendet hätten. Dies wäre aber aufgrund der alten Abmachungen zwischen den beiden Städten nicht erlaubt, weil allein Grebenstein dazu das Recht hätte über die Nutzung der Landwehr zu verfügen, sei es wegen des Holzes oder wegen der Hute und Trift von Vieh. Bei diesem Streit ging es um die Landwehr zwischen Essen und Veckerberg, denn die Landwehr zwischen Esse und Udenhausen (östlich der Esse) lag schon damals in der Gemarkung Grebenstein, nicht jedoch der komnplette westliche Teil.

Endgültig wird der Streit beigelegt durch einen Regierungsbescheid vom 22. November 1749, der die Landwehr zu 1/3 Hofgeismar und zu 2/3 Grebenstein zuordnet, die Huteflächen aber allein der Stadt Grebenstein.

Die Landwehr wurde in ihrer endgültigen Form zu einem Zeitpunkt angelegt, nachdem die Siedlungen Stroford, Ober- und Niederhaldessen, sowie Helpoldessen und deren Gemarkungen in hessischen Hand übergegangen waren. Dies war etwa zwischen 1376 und 1428.

Die Landwehr ist durch intensive Agrarwirtschaftliche Nutzung nur noch an ganz wenigen Orten zu erkennen und somit so gut wie verschwunden. Die darin verbauten Warten existieren nicht mehr. Nur noch die Flurnamen erinnern an die mittelalterliche Wehranlage.

die Landwehr 1584 die Landwehr 1584 - Karte im Staatsarchiv Marburg (anklicken zum vergrössern!)