Die Märkte waren für die Wirtschaft einer Stadt sehr wichtig. Ohne diese konnten sie nicht existieren. Es flossen der Stadt durch das Marktrecht von Außen Steuern zu. Fremde Kaufleute, die auf der Bremerstraße durch die Stadt ziehen mußten, waren verpflichtet ihre Waren an einem gewöhnlichen Markttag feilzubieten.

Zu diesem gewöhnlichen Märkten kamen die besonderen Jahrmärkte, die in Grebenstein ab dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts viermal im Jahr gefeiert wurden. Es waren dies der Nicolaimarkt, ein Markt zu Kunigunde, einer zu Pfingsten und einer zu St. Bartholomae. Die beiden letzteren sind die älteren Märkte der Stadt, wovon der Bartholomaei-Markt der Älteste ist und  schon bei der Gründung der Stadt eingerichtet worden sein wird.

der Marktplatz um 1920 mit neugotischem Brunnen

Die erste Erwähnung des Marktrechtes für die Altstadt soll laut anderer gedruckter Quellen 1324 gewesen sein. Aus diesem Jahr existiert aber meines Wissens nur eine Urkunde vom 20. September, die den Bürgern der Stadt erlaubt nach Mergel zu suchen. Diese Urkunde wurde von Landgraf Otto gesiegelt. Wahrscheinlich zur Annahme eines Marktrechtes für die "nun bestehende" Stadt führte der Passus "oppidanis [=Bewohner] in Grebenstein". Die Urkunde ist zudem eine Abschrift aus dem 18. Jahrhundert eines verlorengegangenen lateinischen Originals.

Die erste schriftliche Erwähnung eines Marktrechtes für Grebenstein ist in einer lateinischen Urkunde, betreffend die Gründung und Besiedlung der Freiheit (Unterstadt) von 1356, festgehalten. Darin heißt es übersetzt:

"... daß die Neustadt Marktrecht für Käufer und Verkäufer haben soll. Eine Wegnahme der Ware soll ausgeschlossen sein, worauf zu achten sei. Die Marktfreiheit soll von Mittwochnachmittag bis Freitagabend ununterbrochen gewahrt sein".

 

Die Jahrmärkte

Kunigunden-Markt ("auf den Tag der hl. Kunigunde" = 3. März)

Pfingst-Markt ("auf dem Sonntag Exaudi" = 6. Sonntag nach Ostern)

Bartholomaei-Markt ("8 Tage nach St. Bartholomaei" = 1. September)

Nicolai-Markt ("auf den Tag St. Nicolai" = 6. Dezember)

 

Am 25. April 1592 legten Bürgermeister und Rat dem Landgrafen ein Bittgesuch für die Gestattung zweier weiterer Märkte vor. Sie legten hierbei gleichzeitig die Zustimmungserklärungen der Nachbarstädte Immenhausen, Hofgeismar, Liebenau, Wolfhagen, Trendelburg und Zierenberg vor. Nur die Stadt Kassel weigerte sich die Zustimmung zu geben, da sie befürchtete, daß einer ihrer Märkte durch die gewünschten Tage nachteilig beeinflußt werden würde. Grebenstein wurde dann auch nur mit einem weitern Markt auf dem Sonntag Exaudi begabt.

1776 wird in der Katasterbeschreibung davon erzählt, daß die Märkte sehr schlecht besucht seien, und daß das bei den Märkten erzielte 'Standgeld' anschließend unter den Ratsmitgliedern verteilt würde. Auch wären die Märkte von keiner besonderen Bedeutung, außer beim Verkauf von Schuhwerk.

Der Marktplatz 1912

Der Gänsemarkt

Nur noch als Straßennamen in der Nähe des ehemaligen Marktplatzes erhalten ist der 'Gänsemarkt'. Er war der Markt für Geflügel aller Art. Grebensteins Straßennetz in der Altstadt und der Freiheit haben sich seit ihrer Planung und Erbauung so gut wie nicht verändert und so kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, daß dort, wo heute eine Grillstube ist, früher einmal die Geräusche des Federviehs den Ton angaben.

Die Schirne (auch Scherne)

Die Schirne war eine Besonderheit auf den mittelalterlichen Märkten. Sie war nicht einfach ein Verkaufsstand, sondern ein festgemauertes Häuschen, aus dem die Metzger und Bäcker ihren Waren feilboten. Die Schirne war Eigentum der Stadt. Anläßlich der Renovierung unseres Rathauses am Markt hat man auch die Grundmauern der ehemaligen Schirne freigelegt und ein wenig über Straßenniveau aufgemauert, damit zu sehen ist wo sie einst gestanden hat. Damit diese Mauern auch wirken, hat man ein Gestell aus Stahl mit Pyramidendach über den Mauerresten aufgestellt.

die Schirne der Metzger und Bäcker

 

der Bartholmaei-Markt

Der Bartholomaei-Markt ist der älteste der Grebensteiner Märkte und war laut Inhalt des Privilegs von 1618 auf den jeweils 8. Tag nach Bartholmaei gelegt. Bis 1618 hatte Grebenstein nur diesen einen Jahrmarkt und beantragte deshalb im Jahre 1592 ein Privileg für zwei weitere, nämlich einen auf dem Sonntag Exaudi und einen am Sonntag nach Nicolai. Es existiert leider kein Privileg über die Gestattung dieses Marktes.

der Pfingst-Markt

Dieser Markt wurde von Landgraf Moritz mit Privileg vom 4. Mai 1618 als zweiter Jahrmarkt in Grebenstein genehmigt. Der Bartholomaei-Markt existierte zu dieser Zeit bereits.

der Kunigunden-Markt

Dieser Markt wurde von Landgraf Karl mit Privileg vom 8. Juli 1728 genehmigt.

Dieser Jahrmarkt entspricht dem heute wieder gefeierten Vieh- und Jahrmarkt, der seit 1947 einmal im Jahr am zweiten Wochenende im Juli abgehalten wird. Es handelt sich dabei weniger um einen echten Markt, sonder hat eher Rummelplatz- oder Kirmes-Charakter. Er findet auf dem Festplatz im Sauertal statt und geht über 4 Tage, beginnend am Freitagabend nach Einbruch der Dämmerung, nach Ansprache des Bürgermeisters (z. Zt. Armin Kölling), mit einem großen Fackel- und Lampionzug, an welchem sich die Honoratioren und Vereine, sowie Groß und Klein beteiligen. Am Samstagmorgen ist Viehauftrieb mit Prämierung der schönsten Tiere. Der Sonntagnachmittag bringt den Höhepunkt - den Festzug - der auch in weiterer Umgebung so bekannt ist, daß die Menschen nach Grebenstein strömen nur um diesen zu sehen. Abends gibt es ein großes Feuerwerk. Der Montagmorgen läßt dann den Jahrmarkt mit einem Frühschoppen und Freibier ausklingen. Hieran nehmen sämtliche Behörden, Ämter und Firmen mit ihren Belegschaften im großen Festzelt teil und lassen den Tag ausklingen.

der Nicolai-Markt

Dieser Markt wurde vom König Friedrich von Schweden, Landgraf zu Hessen mit Privileg vom 12. Juli 1732 genehmigt.

Der Nicolai-Markt wurde vor einigen Jahren wiederbelebt. Es stehen dann kleine Verkaufsstände und Buden auf dem Marktplatz und bieten Weihnachtliches feil. Der Markt ist sehr klein und von keiner überörtlichen Bedeutung.