Schachtener Straße 11 - 34393 Grebenstein

Öffnungszeiten: 15. April bis 15. Oktober, sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr

Grebenstein ist für die Historie der deutschen Fachwerkbauten einer der bedeutendsten Standorte Hessen. Die Sonderform des "Diemelsächsischen Bauernhauses", die eine Mischform zwischen der niederdeutschen und der mitteldeutschen Bauweise ist, ist hier anzutrefen. Hier entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte Hausformen, die gleichzeitig die Menschen, die Tiere und die Vorräte unter einem Dach beherbergten.

In Großfotos werden im Museum Hausansichten dokumentiert, die heute gar nicht mehr oder nur noch teilweise erhalten sind, wobei Ortskarten dabei noch auf den Standort innerhalb der Stadt hinweisen. Dabei wird besonders das wertvollste Museumsgut, das Gebäude des Ackerbürgermuseums selbst, anschaulich dargestellt.

Das Leck'sche Haus ist mit das bedeutendste Fachwerkhaus der Region. Das Haus ist ein dreischiffiges Hallenhaus und als zweigeschossiger Ständerbau mit in Rähmbauweise aufgesetztem Speicherstock erbaut worden. Mit Hilfe von Fotos, Plänen, Urkunden und einem Modell wird die Geschichte des Hauses im Museum dokumentiert. Das Erbauungsjahr 1431 ist durch eine dendrochronologische Untersuchung (Bestimmung des Alters anhand der Jahresringe des Holzes) ermittelt worden.

Seit 1984 ist hier das Ackerbürgermuseum untergebracht. Es beherbergt folgende Ausstellungen:

Wohnen und Arbeiten der Ackerbürger des 19. Jahrhunderts

Deele

Stallungen

Küche

Wohn-Schlafstube

Schuhmacherei

Flachsverarbeitung

Grebensteiner Zünfte

Bäckerzunft

Stube des Zunftmeisters

Dokumentation über Fachwerkhäuser in Grebenstein

Wer waren die "Ackerbürger"?

Unter dem Begriff des "Ackerbürgers" verstand man einen Bürger, der neben seinem handwerklichen Beruf auch Nahrungs- und Futtermittelanbau auf seinem Land in der Feldmark betrieb. In den kleinen Städten auf dem Land, die meist ohne großen Handel auskommen mußten, widmete sich die Mehrzahl der Bürger dieser Kombination aus Beruf und Landbestellung. Ohne die Landbestellung reichte das Auskommen für die meisten Familien nicht.

Die Deele

Dies ist typische Kernraum eines Ackerbürgerhauses. Der urspüngliche festgestampfte Lehmfußboden ist hier noch original vorhanden.

Mit dem Erntewagen fuhr man durch das großen Deelentor, um von hier die Ernte durch die Bodenluke nach oben auf den Speicher hochzuziehen. Vom Eingang gesehen befanden sich rechts die Stallungen, links die Küche und die Wohnräume.

Der Zugang zu den oberen Stockwerken war auf der linken Seite. Eine kurze und steile Treppe führte nach oben zu der weiter umlaufend Galerie und den Kammern im Obergeschoß.

Im Jahr 1606 fand ein umfangreicher Umbau des Hauses statt, wobei die Deele im Renaissance-Stil verändert wurde. Davon zeugt noch heute das sogenannte "Seilmuster" and der Galerie.

In den Jahren 1963 und 1964 wurde das Haus wieder instandgesetzt. Dabei wurde die heutige Treppe eingebaut. Früher befand sich hier eine Durchfahrt zu hinteren (älteren) Hausanbau, der aber schon 1951 wegen Baufälligkeit abgerissen werden mußte.

Die Küche

Die Küche entspricht in ihrer Einrichtung der Zeit um 1900. Sie ist -wie damals üblich- mit Sandsteinplatten ausgelegt und hat eine offene Herdstelle. Auch die ausgestellten Gebrauchsgegenstände stammen aus jener Zeit. Eine Besonderheit ist der Gossenstein (Abfluß), der früher die Küchenabwässer einfach auf die Straße (in den Rinnstein, die "Gosse") weiterleitete.

Wohn-Schlafstube

Von der Küche aus betritt man dieses Zimmer, in welchem sofort das gewaltige Barock-Bett ins Auge fällt. Es stammt aus der Zeit um 1700 und ist mit reichen Schnitzereien und einem Baldachin versehen.

Die Eichentruhe diente zur Aufbewahrung der Wäsche. Die zwei Hutschachteln sind 1810 gefertigt worden. Eine besondere Kostbarkeit ist der aus Niederhessen stammende Brautstuhl aus dem Jahr 1806.

Der Ofen steht auf einem Renaissance-Sandsteinsockel von 1608 und wurde, um die Wohnräume nicht zu verschmutzen, von der Deele aus beheizt.

Stallungen

Auf einer Seite der Deele befanden sich auf der gesammten Länge des Hauses die Ställe für Pferde und Kühe, nach einem späteren Umbau nur noch für die Schweine, Ziegen und Schafe, mit einem Dungabfluß zur Straße hin. Ursprünglich war auch keine Trennwand zur Deele vorhanden, was ebenso bei der gegenüberliegenden Küche der Fall war. Von den Ställen aus konnte man nur über eine Leiter die darüberliegenden Kammern der Knechte und Mägde erreichen. In den Ställen stehen Gerätschaften aus dem 19. Jahrhundert, die zur Feldarbeit gebraucht wurden, wie z.B. Holzpflug und Egge. Die zwei Steintröge dienten zur Aufschüttung des Futters.

Gute Stube

Die Einrichtung dieser Stube entspricht in etwa dem Zeitgeschmack um das Jahr 1900. Der Wohnzimmerschrank und auch das neuklassizistische Plüschsofa stammen aus dieser Epoche. Die Wände werden von Schul- und Vereinsbildern sowie dem damals obligatorischen Kaiserbild (Wilhelm II.) geschmückt. Die Singer-Nähmaschine wurde 1903 hergestellt. Der Kasseler Rundofen aus dem Jahr 1900 sorgte für eine behagliche Wärme. Grebenstein wurde erst 1914 mit Strom versorgt, deshalb steht die Petroleumlampe als einzige künstliche Lichtquelle auf dem Tisch.

Schumacherei

Die hier ausgestellten Gerätschaften stammen von dem Schuhmachermeister Heinrich Reul aus Grebenstein, den viele von uns noch kennen. Ein Teil der Einrichtung wurde schon von seinem Vater und von seinem Großvater benutzt. Dieser stammte aus Melsungen und durchlief in Grebenstein eine Schuhmacher- und Lohgerberlehre. Der Lehrbrief hängt an der Wand. Dessen Sohn legte dann am 8. Februar 1900 die Schuhmacher-Meisterprüfung vor dem Oberzunftmeister Johannes Leck ab. Dieser hatte im Jahr 1862 das später als "Haus Leck" bezeichnete Gebäude, das heutige Ackerbürgermuseum, gekauft und betrieb darin eine Schuhmacherei.

Puppenstube

Auf dem Boden wird eine Puppenstube mit eine Küche sowie einem Wohn- und Schlafzimmer gezeigt. Diese Puppenstube wurde um 1880 hergestellt.

Grebensteiner Zünfte

Auch in Grebenstein schlossen sich die Handwerker zu Zünften zusammen. Urkundlich nachweisbar ist als älteste Zunft die der Wollenweber -schon im Jahr 1424 genannt-. Die Macht der Zünfte war so groß, daß diese nach Auseinandersetzungen mit dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt die die "Ordination von 1488" sogar Einfluß auf die Stadtverwaltung nehmen konnten.

Gezeigt werden hier Unterlagen über die hiesige Bäckerzunft. Zunftdokumente anderer ortsansässiger Zünfte sind in der "alten Meierei" ausgestellt.

Stube des Oberzunftmeisters

So wie in dieser Stube dürfte die typische Ausstattung der Arbeitsstube eines Grebensteiner Oberzunftmeisters gewesen sein. Der massive Schreibtisch bildete den Mittelpunkt des Zimmers und diente wie auch der Schrank zur Aufbewahrung der Arbeitsunterlagen. Für die Besucher war Platz auf dem Sofa, über dem ein Bild von Kaiser Wilhelm I. hängt. Ein Etagenofen wärmte den Raum.

Flachsverarbeitung

Flachs wurde bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in der hiesigen Region viel angebaut, und die Verarbeitung bis zum fertigen Leinen war eine wichtige Voll- und Nebenerwerbstätigkeit.

In dieser Abteilung werden die aufeinanderfolgenden Arbeitsgänge mit den jeweiligen Geräten gezeigt und ausführlich beschrieben.

Bitte besuchen Sie unser Städtchen einmal und vergessen Sie nicht, im Ackerbürgermuseum vorbeizuschaun. Es lohnt sich!