In einem Zinsregister von 1464 an den Erzbischof sind Abgaben einer Stiftung aufgeführt. Dort heißt es: "item commissio preconorum vz. [videlicet] de Schachten dedit X sl.". Das heißt, daß eine Stiftung des Kämmereres, nämlich einem v. Schachten, 10 Schillinge gibt (Quelle: Falckenheiner II, Urkundenbuch XLIII, pag. 55-59). Diese Einkünfte aus dieser Stiftung kommen dem Schachtener Siechenhaus zugute. Im Siechenhaus gab es ebenfalls eine kleine Kapelle, von der aber nicht bekannt ist wann und wem sie geweiht war. Das Siechenhaus (auch "die Sondersiechen") genannt) lag am Fuße des heutigen Siechenberges, auf dem Gelände der Kläranlage.

1776 heißt es im Steuerkataster: "Sodann liegt unweit der Stadt vor dem Geismartor das Sondersiechenhaus, so von denen von und zu Schachten dependiert [=abhängig ist] und unterhalten wird, und sind dermalen 5 Personen darinnen, deren jede 20 Reichstaler dem Hause Schachten pro receptione [=je Aufnahme] erlegt. Und muß ein zeitiger Prediger zu Schachten alle 4 Wochen einmal darinnen predigen und die fürfallenden actus ministeriales [=kirchlichen Amtshandlungen] verrichten. Dieses Sondersiechenhaus nun besteht aus dem Hause selbst, der Kirche, dem Totenhof und 2 1/8 Acker 7 5/8 Ruten Garten, alles am Geismarer Wege gelegen, so überhaupt ursprünglich kontribuabler Grund ist, jedoch aber sind nur die Gärten bei der Rektifikation [hier=Berichtigung der Grundsteuerkataster] zum Verhalt gezogen".

In der Stadtbeschreibung von 1790 heißt es, daß "das Schachter Hopital oder Siechenhaus, welches wie jenes [das Hospital] ausser den Thoren in einer geringen Entfernung von der Stadt gelegen ist. Diese milde Stiftung hat der Familie von Schachten ihr Daseyn zu verdanken: daher die Aufnahme in das Hospital auch gegenwärtig noch von derselben lediglich abhanget. Die Rechnungen über die Einkünfte und Ausgaben dieser Fundation führt der von Schachtische Verwalter. Solche müssen jedoch zum Consistorio zur Revision eingeschickt werden. Gewöhnlich werden 5 bis 6 Personen in dieses Haus aufgenommen, von denen jede jährlich 1 Rthl. 12 Alb. Geld 1 Vtl. 8 Mtzn. Korn, 2 Vtl. Haber, und zur Zeit der Communion 1 Alb. erhält. Alle Vierteljahr wird der am Weg stehenden Armenstock geöfnet, und das darin befindliche Geld unter die Präbener getheilet. Für die Aufnahme in das Hospital werden 20 Rthl. Receptionsgelder an die von Schachten bezahlt. Vorhin muß der Prediger von Schachten alle vier Wochen in der kleinen in diesem Hospital gelegenen und dazu gehörigen Kirche, Gottesdienst halten: welches nach der Zeit dahin abgeändert worden ist, daß es nunmehro nur alle halbe Jahr zu Ostern und Michaeli bei Astheilung de h. Abendmahls geschiehet, wofür der Pfarrer von Schachten ein Viertel Roggen jährliche Besoldung erhält".

Wie es im Hospital einen Hospital-Knecht gegeben hat, der die grobe Arbeit zu erledigen hatte und angestellt war, so gab es auch für das Siechenhaus ein Faktotum, den sogenannten "Siechenmann". Um das Jahr 1675 herum war dieser Siechenmann ein Hans Henrich Fischer.

Am 23.9.1795 starb Jost Henrich Kepper im Siechenhaus. Seine Ehefrau Eleonore lebt noch 1815 dort. 1864 wird davon geschrieben, daß ein Insasse des Siechenhauses früher, einmal die Woche von Haus zu Haus, Almosen eingesammelt habe. In den vergangenen 20 Jahren (also 1844 bis 64) wäre dies aber nicht mehr geschehen. Lange Jahre hat das Siechenhaus nur noch zwei Bewohner habt; ein altes Ehepaar, das aus Preußen war und von katholischer Religion.

Um 1882, mit dem Tod des letzten Insassen, wurde das alte Schachten'sche Siechenhaus am Siechenberg vor dem Hofgeismarer Tor abgebrochen.