Bei der Visitation des Hospitals im Jahre 1535 werden bei den vom Hospital zu zahlenden Beträgen die Ausgaben für "zusteur d scholen" mit einem Betrag von 2 Gulden jährlich genannt. Man kann erkennen, daß zu dieser Zeit die Schule weniger eine städtische, denn eine kirchliche ist, in der dem Pfarrer, dem Diakon und dem Opfermann das Lehren oblag.

Vor 1600 sind nur Bruchstücke über die Stadtschule zu Grebenstein erhalten. So wird im Copialbuch des Grebensteiner Hospitals die Bezahlung des "Scholemeister" aufgeführt. Er bekam 1557 als Lohn 48 Gulden, 2 Viertel Korn und 6 Fuder Holz jährlich. Eine Liste der Schulmeister, soweit belegbar, finden sie hier -

Das Lehrerkollegium der Grebensteiner Schule 1948

Die ersten umfangreichen Nachrichten über die Stadtschule liegen aus der Zeit nach dem 30jährigen Krieg vor. Die Schule ist aber wesentlich älter und zwar offenbar von Anfang an mit der Geschichte des Hospitals verbunden.

Trotz des Krieges und der großen Verluste, ist die Schülerzahl um 1660 wohl aber wieder so angestiegen, daß der Unterrichtsablauf durch die zwei Lehrer (Franz Langhans und Johann Henrich Deichmann) umorganisiert worden ist. Von ihnen wurde vorgeschlagen, beide Stufen zur gleichen Zeit, d. h. morgens und nachmittags, zu unterrichten und nach einiger Zeit die Klassen zu tauschen, sodaß jeder Lehrer mit jeder Stufe einmal am Tage gearbeitet hatte.

Es ist uns ein Bericht über die miserablen Zustände der Stadtschule von 1662 überliefert:

"Es führen die Scholarchen (=Lehrer) darüber Klage, daß die Knaben nicht voll informiert werden, daß in einer Stunde die ordinariae lectiones (=regelmäßige Lektionen) der superiores (=die älteren Schüler) kaum nach Würdigkeit traktiert werden können, die inferiores, deren Zahl groß, müßig sitzen müssen; wenn aber der praeceptor die inferiores (=die jüngeren Schüler) unterrichtet, wird alsdann mit den superiores nichts traktiert; geschieht es, daß einer oder der andere aus den superioribus substituiert wird, die kleinen Knaben anzuführen, wird selbiger Knabe, wenn seine lectiones unterdessen traktiert werden, diese versäumen, oder es ist doch bei den inferioribus kein Respekt, und er richtet wenig aus".

Diese Zustände führten wohl dazu, daß die beiden oben angeführten Lehrer ein anderes System der Unterrichtsabfolge und -gestaltung eingeführt haben.

1771 berichten der Rektor C. P. Dedolph und der Konrektor J. W. Dedolph über die Schule und zeichnen ein genaues Bild. Über beide Lehrer berichtet Martin in seiner Schrift 1791: "An der öffentlichen Stadtschule steht gegenwärtig ein verdienstvolles Brüderpaar, welche schon manchen Jüngling so vorbereitet haben, daß er mit Nutzen seinen akademischen Lauf anfangen konnte".

Die Dedolphs berichten wie folgt: "... die Anzahl der Schüler bei volljähriger Winterschule ist seit verschiedenen Jahren ungefähr 90 gewesen. Sie hat nach dem Kriege sehr abgenommen, denn noch in den letzten Jahren des Krieges und zuvor hatte man insgemein des Winters 130 Schüler. Diese Schüler, Lateiner und Deutsche, wurden in 6 Klassen eingeteilt und in 2 Klassenzimmer gesetzt. Alle Lateiner sitzen in einer Stube, und weil zuviel Deutsche sind, werden soviele Deutsche in die Lateinerklasse aufgenommen, bis beide Klassen gleich sind. Die Sommerschule hat viele Mängel. Die Lateiner finden sich nach dem Mittag wieder ein, die deutschen Klassen dagegen nicht regelmäßig. So ist es schlecht, weil bald einige aus dieser, bald aus jener Klasse kommen und auch nach einigen Wochen wiederum wegbleiben. In der Mitte des Sommers wird außer Octava schwerlich eine deutschen Klasse gefunden. Infolgedessen wird herkömmlich im Sommer eine Klasse Deutsche und Lateiner zusammen gebildet. Es ist auch sonst von niemanden deshalb etwas erwidert worden ...".

Diesem Bericht ist noch hinzuzufügen, daß es neben dieser Aufteilung noch einen Mädchenschullehrer gab, der eine reine Mädchenklasse zu unterrichten hatte.

Das Gebäude der ersten uns bekannten Schule stand auf dem Grundstück des heutigen evangelischen Gemeindehauses, direkt an der Kirche, neben dem ehemaligen Opfermann-Haus.

In den Jahre 1825 bis 1826 wurde die neue Stadtschule erbaut (das Gebäude beherbergt heute Wohnungen und das Steuerbüro Rausch). Die neue Schule umfaßte vier Normalklassen und zwei sehr kleine Klassenräume.

Ab 1901 wurde der Unterricht auf zwei Gebäude verteilt. Vier der Klassen wurden im eigentlichen Schulgebäude und zwei im Rathaus unterrichtet. Bedingt durch das Ansteigen der Schülerzahl um die Jahrhundertwende wurde aus der Schule anstatt einer 3stufigen Stadtschule wurde aus ihr eine 5stufige Volksschule, der bald darauf (1902) aber wegen Überfüllung der Klasse 2 in eine 6stufige mit sechs Klassen verändert wurde. Direktor Dittmar wollte im Interesse der Stadt eine 7. Klasse mit erweitertem Lehrplan einführen, fand aber nicht die Unterstützung der Bürgerschaft. 1906 ist der Zeichenunterricht eingeführt worden und, nachdem die Lehrer Hühne und Schützeberg einen Fortbildungslehrgang besucht hatten, wurde ab Sommer 1909 der Turnunterricht eingeführt. 

Von 1906 bis 1909 bestand eine Privatschule des Pfarrers Uffelmann, die auf das Gymnasium vorbereitete.

Ab Ostern 1912 besuchten auch die jüdischen Kinder die Stadtschule, da die Judenschule, die in Grebenstein ansässig war, aufgehoben wurde.

Seit 1936 wurden die Schüler in sieben Klassen unterrichtet und seit 1940 in acht Klassen, nachdem eine siebte Lehrerstelle errichten worden war. Während des 2. Weltkrieges war oft erheblicher Unterrichtsausfall an der Tagesordnung. An Lehrern mangelte es an jeder Ecke. Es wurden auch oft sogenannte Sammeltage abgeholten, bei denen die Schüler u. a. Laub, Bucheckern, Metalle, Menschenhaare, Flaschen und ähnliches zu sammeln hatten. Während des Krieges stieg die Zahlt der Schüler enorm an, da die Evakuierten der zerbombten Stadt Kassel ins Umland verlegt worden waren. Nach dem Fliegerangriff auf Kassel am 22. Oktober 1944 waren es 59 Schulkinder mehr, also zu dieser Zeit insgesamt 464 Schulkinder in der 9klassigen Stadtschule.

Am 1. November 1945 wurde Fachschulrektor Prof. Heinrich Grupe aus Hofgeismar von den amerikanischen Besatzungsmächten zum kommisarischen Schulleiter der Volksschule Grebenstein ernannt. Allen ehemaligen Lehrkräften war die Mitarbeit streng untersagt. Trotzdem wurde der Schulbetrieb am 1. November 1945 mit 300 Kindern in vier vorhandenen Klassenräumen aufgenommen. Durch den Zuzug vieler Flüchtling wurde dieser Betrieb zeitweilig arg gestört. Ab Januar 1946, nachdem weitere Lehrkräfte nach Abschluß der 'Entnazifizierung' wieder eingestellt werden konnten, wurde die Beschulung der 5. bis 8. Klasse durchgeführt, womit die Schülerzahl bei 700 Kindern angekommen war. Nun mußten Schritte unternommen werden, um der entstandenen Schulraumnot Herr zu werden.

Am 6. Mai 1951 wurde der Grundstein zu einem Schulneubau gelegt und am 16. August 1952 wurde der 1. Bauabschnitt eingeweiht. Am 20. Dezember 1955 konnte dann der 2. Bauabschnitt seiner Bestimmung übergeben werden. Nun waren alle Schüler am gleichen Platz untergebracht und es gab keine Unterschiede mehr in der Ausstattung der Räume. Diesen beiden Gebäude folgten im Laufe der letzten 50 Jahre immer mehr, sodaß die heutige Gesamtschule Grebenstein, die 'Heinrich-Grupe-Schule', ihr Gesicht bekam.