Die Grebensteiner Ziegelbrennerei lag vor dem Hospitaltor an der Gabelung der Straße nach Immenhausen und Udenhausen (Bahnhofstraße 25 - gelb gefärbt). Heute ist eine Teil der Ziegeleigebäude noch zu sehen, da diese bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts fortgeführt worden ist. Zuletzt waren auf dem Gelände das Kohlelager der Raiffeisengenossenschaft und ein Getränkemarkt.

die Ziegelei auf dem Stadtplan von 1935

Wie weit die Geschichte der städtischen Ziegelbrennerei zurückreicht ist schlecht zu sagen. Häuser wurden von Alters her aus Lehm und Holzfachwerk gebaut und mit Holzschindel oder Sandsteinplatten gedeckt. Erst im 16. Jahrhundert kamen Schindeln aus Ton auf die Dächer der Häuser in unserer Gegend. Während man in Norddeutschland in Ermangelung von Sandstein schon im 12. Jahrhundert Häuser und Kirchen aus Ziegelsteinen baute, war dieser billige Baustoff hier nicht gefragt.

Die ersten Nutzer der Ziegelbrennerei waren wohl eher Töpfer, die  Küchenbehältnisse herstellten und brannten. 1977 wurde bei Ausgrabungen am Obertor Sandsteinfundamente eines langovalen Töpferofens entdeckt. Dabei wurden auch 2 bis 3 Zentner Bruchstücke von Irdenware des 16. Jahrhunderts geborgen. Leider ist noch keine Auswertung der Funde geschehen.

Die Ersterwähnung eines Grebensteiner Töpfers stammt aus dem Jahr 1569. Dort wird Hans Herolt als Töpfer genannt. Erst Anfang des 17. Jahrhundert hören wir von Hans Hagedorn als Töpfer zu Grebenstein. Er verlor während der großen Pestepidemie zwischen 1625 und 1627 seine erste Frau und drei Kinder. Er selbst lebte 1628 noch und ist im Verzeichnis der Kriegsschulden mit 63 Talern angegeben. Inwieweit er die städtische Ziegelhütter gepachtet hatte kann man nur vermuten, mit großer Wahrscheinlichkeit wird es aber so gewesen sein.

1646 ist uns der Töpfermeister Bastian Stolz überliefert, der in diesem Jahr Bildwerk für den Ofen des Hombresser Pfarrhauses lieferte.

Um 1712 kam der Töpfermeister Johann Daniel Koch aus Landau bei Arolsen nach Grebenstein und pachtete die städtische Ziegelhütte. Er wird 1731 in der Landhuldigungsliste als "Unbehauster" (=ohne eigenes Haus - er wohnte ja in der städtischen Ziegelhütte) geführt. Nach seinem Tod am 27. Dezember 1752 führte sein jüngster Sohn Johann Christoph die Ziegelbrennerei in Grebenstein fort. Auch sein ältesterer Bruder Johann Friedrich erlernte diesen Beruf verzog aber 1736 mit seiner Frau nach Hann. Münden, um den Betrieb seines Schwiegervaters fortzuführen.

Johann Christoph Koch pachtete die Ziegelhütte am 1.1. 1754 für 15 Taler jährlich auf 6 Jahre. In der Kämmereirechnung von 1758/59 taucht Johann Christoph unter den Personen auf, denen Rügegerichtsbußen auferlegt wurden. Der Eintrage lautet:

"den 22. Februar, Ziegler Johann Christoph Koch, daß selbiger während Einquartierung derer volunteur d'Alsace, welche das Hospitäler Tor verschlossen, eine Leiter an die Stadtmauer gesetzt und darauf ab- und niedergestiegen, 26 Reichstaler".

Dieser Ausflug kam Koch teuer zu stehen. Er war aber darauf angewiesen immer in die Stadt hinein- und wieder hinausgelassen zu werden, da er vor dem Hospitäler Tor, außerhalb der Stadt, wohnte. Anscheinend hatten aber die Besatzer der Stadt in diesen Kriegszeiten, es herrschte der 7jährigen Krieg, wegen der Überfallgefahr die Tore lieber verschlossen gehalten. Johann Christoph Koch  starb 1774 in Grebenstein. 1776 wie auch 1787 wird sein Sohn Henrich Ernst Koch als Ziegelbrenner genannt. Dieser lebte ebenfalls in der Ziegelbrennerei am Hospitaltor.

Johann Christian Martin schrieb 1791 über die Ziegelhütte: " Die der Stadt zugehörige Ziegelhütte lieget vor dem Hospitälerthor an dem Wege nach Immenhausen. Sie wird jederzeit auf gewisse Jahre pachtweise ausgethan. Die Ziegeln so wie die gebackene Steine, welche hier verfertigt wurden, waren immer in dem Ruf der Güte und Haltbarkeit".

1854/55 wurde wieder ein Ziegelbrenner, der auch Kalk brannte, als Pächter der Ziegelbrennerei genannt, was bei den statistischen Erhebungen zwischen 1827 und 1847 nicht der Fall gewesen ist. Anzunehmen ist jedoch, daß die Ziegelbrennerei auch in dieser Zeit verpachtet und betrieben wurde.

1892 kaufte der aus Amelunxen stammende Ziegelbrenner und Landwirt Heinrich Husemann die Grebensteiner Ziegelhütte. 1918 wurde die Ziegelhütte wegen Mangel an Arbeitern (Auswirkung des 1. Weltkrieges) geschlossen. Der letzte Betreiber war sein Sohn Ernst Otto Husemann (*Fürstenberg 1886, +Grebenstein 1977). Das Grundstück befindet sich heute noch im Besitz von Frau Annemarie Husemann, der Witwe Wilhelm Husemanns.